VisualOrgasm-Historie

Die wahre, unverfälschte und einzig echte VisualOrgasm-Historie
oder: Wie entstand das deutsche Design-Link-Portal VisualOrgasm

 

Der Anfang – die private Linksammlung

Ich absolvierte im Jahr 1999 eine Ausbildung zum “Multimedia-Producer” an der SAE Berlin. Das war mein Einstieg in die Multimediawelt, inklusive Internet. Es gab eine eigene Webseite, wobei ich damals ziemlich stark auf Flash fokussiert war. Auch die Aufträge, die ich annahm, unter anderem für “Procter & Gamble”, waren ausschließlich Flash-Geschichten.
Auf meiner Webseite, die ich “Flashbird” getauft hatte, führte ich u.a. auch mehrere Linklisten, in denen ich lauter geniale Webseiten sammelte und sie Freunden und Kunden präsentierte. So entstand die Link-Sammlung. Die Links waren in Jumpmenüs angeordnet, ziemlich unsortiert. 

VisualOrgasm.de – die Url, der Name, das Portal in Version 1
Im Sommer 2000 unterhielt ich mich mit meinem guten Freund Jens Kalusniak über die Möglichkeiten, daraus ein kleines Portal zu machen. Das Sammeln von Links machte mir Spaß. Ich hatte Kontakt zu einigen der Macher geknüpft und stellte fest, das die Jungs und Mädels meist richtig stolz waren, dass sich jemand für ihre Seiten interessierte. Ich wollte ihnen eine noch bessere Plattform bieten, um die vielen guten Seiten der Internet-Welt zu zeigen. Ich fand, dass viel zu viele gute Seiten, Projekte, Ideen untergingen in den Weiten des World Wide Web.
Zu den Internetpionieren, zu denen sich ein wunderbarer Kontakt entwickelte zählten damals unter anderem Sven Stüber mit seiner Superlooper-Seite (später auch noch sein Vectorize – Projekt) oder auch Eduardo Recife aus Brasilien mit seinem “Misprinted Type”. Beides Grafiker, die später richtig bekannt werden sollten und zu denen ich noch heute einen sehr wunderbaren Kontakt pflege.
Ich wollte meine “Link-Sammelwut” auf ein Portal bringen und die Linksammlung, die fast täglich wuchs, auch anderen Usern präsentieren. Ich stellte mir vor eine Kleinigkeit zu schreiben zu den Links und ein Thumbnail mit anzubieten, damit die Besucher einen besseren Eindruck von der Seite bekommen.
Jens, der gerade angefangen hatte nur so aus Spaß zu programmieren, meinte: “Ich hab mir da ne URL gesichert.” Die fand ich extrem cool: visualorgasm.de. Ich war sofort begeistert. Was für ein genialer Name für ein Portal. Und er passte perfekt zu einer Sammlung der besten und schönsten Internet-Seiten.
Jens war einverstanden, dass wir visualorgasm.de als URL und den Namen VisualOrgasm für unser gemeinsames Design-Link-Portal verwendeten. Er programmierte das Projekt, richtete die Datenbank ein und setzte das erste Layout um. Das Design machte meine Freundin Daniela Hagedorn.
Neben der eigentlich Linksammlung gab es schon vom ersten Tag an News, wo ich alles mögliche den Leuten mitteilte: Design-Konferenzen, Flash-Cartoons, Relaunches von coolen Seiten, Entwicklungen im Web und vieles mehr.
Es gab eine wöchentliche Site of the week. Außerdem richteten wir auch damals schon unsere Top20 ein. Darin fanden sich die 20 von den Usern am höchsten gevoteten Seiten. Und ja – von Anfang an konnten unsere User die eingepflegten Links voten. Von 1 bis 10 Punkten. Waren wir damit schon Web 2.0? Zum Teil ganz sicher ja. Nur spricht darüber heute leider niemand mehr. All diese Funktionen, die es schon beim Launch im September 2001 gab, sind auch heute noch fester Bestandteil auf VisualOrgasm. Und mittlerweile auch auf etlichen anderen Portalen.

Schon immer hohe Qualität
Pro Link konnten die User einmal am Tag ein Voting abgeben. Und schnell entbrannte ein harter Kampf um die begehrten Plätze in den Top20 auf VisualOrgasm. Oft bekam ich Emails mit der Frage, wie man denn schnell in die Top20 käme. “Meine Seite gehört doch da auch rein.” Ich erklärte den Leuten dann, dass wir nicht jede Seite aufnehmen – von Anfang an war klar, dass wir wirklich nur die absolut besten Seiten des Internets aufnehmen wollen; die Perlen sozusagen – und dass man nur in die Top20 kommt, wenn möglichst viele Leute diese Seite hoch bewerten.
Eingeteilt waren die Links auch bereits auf der ersten Version von VisualOrgasm in Rubriken, so dass man das Portal gut durchstöbern konnte. Viele Studenten nutzten dies von Anfang an, wenn sie auf der Suche nach Agenturen waren, in denen sie möglicherweise ein Praktikum absolvieren konnten.
Uns besuchten aber auch Art-Direktoren und Grafikdesigner aus Agenturen um zu schauen, was es an neuen Ideen und guten Projekten im Internet gibt. Das ist bis heute so geblieben. Viele nutzen VisualOrgasm als Inspirationsquelle und Trendlieferant.
Online ging die erste Version von VisualOrgasm im September 2001. Das Design war für meinen Geschmack ein wunderschöner Entwurf von Daniela, der eigentlich nicht zu einem Standard-Portal passte. Das war also auch von Anfang an eines der Markenzeichen von VisualOrgasm: designtechnisch unterschieden wir uns deutlich von allen anderen Portalen in Deutschland.
Dafür wurden wir in den vergangenen Jahren von vielen Seiten immer wieder kritisiert. In Foren und Emails ging es dabei auch oft unter die Gürtellinie. Aber davon ließen wir uns (zum Glück) nicht beeindrucken.

Die Pinwand als Markenzeichen von VisualOrgasm
Mit dem ersten Relaunch, der bereits ein Jahr später, also im September 2002 erfolgte, gingen wir mit dem Pinwand-Layout an den Start, dass uns berühmt werden ließ. Kaum jemand in Deutschland, der etwas mit Webdesign, Illustration und Internetprojekten zu tun hat, kennt unsere Pinwand nicht. Auch die PAGE berichtete über uns und bezeichnete uns als “Luxus-Linksammlung”. Und trotz erneut harter Kritik aus einigen Ecken – die meisten unserer User liebten das Design. Und wir gewannen viele neue User hinzu.
Es war so wunderbar anders. Herrlich vertraut, individuell, so persönlich. Schließlich kennt jeder eine Pinwand. Und unsere User finden es Klasse, dass es für sie auch eine Pinwand im Netz gibt.
Die Idee für die Pinwand stammt von Daniela Hagedorn, meiner Lebensgefährtin. Leider konnte sie in der Folgezeit kaum noch was für VisualOrgasm machen, weil sie sich um unseren gemeinsamen Sohn Rouven kümmern muss, der im Sommer 2003 geboren wurde.
Zum Glück stieg damals mein alter Schulfreund Frank Feldmann in das Projekt mit ein und entlastete mich enorm in Sachen News und dem Einpflegen von neuen Links. VisualOrgasm bedeutete und bedeutet auch noch heute für mich zirka zwei Stunden Arbeit pro Tag! Rechnen tut sich das bisher in keinster Weise. Die Einnahmen sind bescheiden. Ich hatte anfangs noch gehofft über VisualOrgasm interessante Aufträge herein zu bekommen. Dem war aber nie der Fall. Vielmehr gelang es mir mich als Experte für Trends und Entwicklungen im Internet zu etablieren. Klar – wenn man jeden Tag im Netz unterwegs ist auf der Suche nach den besten Seiten, interessanten Webprojekten, dann ist man auf dem Laufenden.

Thema Werbung auf einem Portal
Anfangs kamen wir noch komplett ohne Werbung aus. Doch schon bald merkten wir, dass es einfach nicht ohne Einnahmen geht. Wenigstens die Serverkosten und eine winzige Aufwandsentschädigung sollten drin sein.
Und so gab es seit Sommer 2003 auch Werbeplätze auf VisualOrgasm. Anfangs reagierte die deutsche Webdesign-Szene entrüstet und verteufelte uns. Unsere User blieben da eher gelassen. Sie brachten Verständnis dafür auf, dass wir auch mit irgendetwas Geld verdienen müssten. Und VisualOrgasm für die User kostenpflichtig zu machen war für uns nie ein Thema. Und nachdem die Werbeplätze auch immer wieder gebucht wurden, verstummte die Kritik von anderen deutschen Communitys und Möchtegern-Experten. Und plötzlich sahen wir auch auf anderen Underground-Portalen Werbebanner und Adsense-Werbung.
Vor allem die Powerflasher um Carlo Blatz aus Aachen und der Webshop Bagit unterstützten uns kontinuierlich und entwickelten sich so zu den Hauptsponsoren von VisualOrgasm. Dafür sind wir extrem dankbar! Aber auch andere Online-Shops, Webagenturen und Marketing-Experten schalteten immer wieder Werbung auf VisualOrgasm und halfen so dem Portal zu überleben.

Dritter Relaunch im Januar 2006
Die Besucherzahlen von VisualOrgasm stiegen stetig an. Im Jahr 2003 waren es im Schnitt im Monat 60.000 Besucher. Nach dem dritten Relaunch im Januar 2006 stiegen sie nochmal auf knapp 90.000 tatsächliche Besucher pro Monat.
Mit dem Relaunch führten wir etliche Neuerungen ein. Es gibt seitdem Galerien, wo die User eigene Bilder hochladen können. Um voten zu können, müssen sie nun angemeldet sein und sich eingeloggt haben. Nicht herangetraut haben wir uns bisher an die Möglichkeit, dass die User die News und die Links kommentieren können. Wir hatten einfach Angst vor dem enormen zeitlichen Aufwand, der die Pflege der User-Kommentare bedeutet. Denn schließlich ist VisualOrgasm ein Hobby-Projekt. Könnte VisualOrgasm als Fulltime-Projekt betrieben werden, könnte man die Funktionen für die User auch weiter ausbauen und sich weiter in Richtung Web 2.0 bewegen.
Im Nachhinein war es vielleicht ein Fehler VisualOrgasm nicht soweit geöffnet zu haben, dass die News als Blog erscheinen. Die User hätten die Einträge dann kommentieren und vor allem auch trackbacken können. Und für Blog-Portale wie Technorati und Bloglines wären wir dann nichts Fremdes mehr.
Seit dem Relaunch müssen sich die User auf VisualOrgasm registrieren, um für die Links voten zu können. Auch bei den Contests können sie nur mitvoten und kommentieren, wenn sie eingeloggt sind. So füllte sich die Datenbank schnell mit mehr als 1.100 Usern. Und die Zahlen sind stetig steigend.

Contests als riesen Erfolg
Schon im Frühjahr 2003, also vor über drei Jahren, veranstalteten wir den ersten Shirt-Contest auf VisualOrgasm. Wir wurden fast erschlagen von der Flut von Einsendungen. Am Ende gab es über 700 Designs in der Galerie. Und ein Siegerdesign, das man einfach nur als genial bezeichnen kann, auch heute noch: “Keep the doc away” von Jan Uhing war ein wunderbarer Shirt-Entwurf, den wir dann auch produzierten. Doch wir mussten spüren, dass es uns gut gelungen war Designs einzusammeln. Die Shirts dann aber zu verkaufen war ein ganz anderer Schuh. Uns fehlte ein professioneller Partner, der uns da unterstützt hätte. Der Verkauf war ein Flop, so dass wir erstmal die Finger davon ließen. Schließlich kostet es auch Geld so ein Shirt produzieren zu lassen.
Erst im Mai dieses Jahres trauten wir uns wieder an das Thema Design-Wettbewerb. Und wieder war der Shirt-Contest ein grandioser Erfolg. Mit “The jungle rocks!” von Christian Schlager gewann ein witziges, trendiges Design. Und mit dem Contest leiteten wir ein neues Projekt ein: Cajong ist seit Sommer 2006 unser neues Shirt-Portal, dass sich hoffentlich schnell entwickeln wird und von dem wir fest glauben, dass es ein ebenso großer Erfolg wie VisualOrgasm wird. Dort kann man mittlerweile “The jungle rocks!” und andere T-Shirts kaufen.

VisualOrgasm heute und morgen
Das Internet ist im Umbruch. Web 2.0 ist DAS Schlagwort zur Zeit. Wir waren mit VisualOrgasm immer der Zeit einen Schritt voraus. Wir sind stolz darauf, Trends mit zu setzen.
Aber ohne starken Partner wird es in der Zukunft wohl kaum gehen. Wir würden VisualOrgasm gern weiter ausbauen und unserer Community mehr bieten. Noch wissen wir nicht, wo die Reise hingehen wird.
Mal sehen, was die Zukunft bringt. Back to the roots? VisualOrgasm als schlichtes Link-Portal zu den besten Seiten im Netz? Oder: VisualOrgasm 2.0. Mit mehr Funktionen für die User. Mit mehr Contests und Crowdsourcing-Projekten? Wir werden sehen. Unsere Community hat jedenfalls mehr als einmal bewiesen, wie kreativ und einfallsreich sie ist und wie treu sie zu VisualOrgasm steht. Damit lässt sich optimistisch in die Zukunft schauen.

2 Gedanken zu “VisualOrgasm-Historie

  1. Pingback: VisualBlog - das VisualOrgasm-Weblog » VisualBlog - wer steckt dahinter

  2. Pingback: VisualBlog - das VisualOrgasm-Weblog » Johnny Haeusler berichtet im Radio Fritz über StudiVZ

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