Hach – ich liebe Bulgarien. Es hat sich gelohnt, das ich acht mal dort im Urlaub war. Als Jugendlicher! Es ist schön dort, wirklich. Und nun? Bekommen wir von ihnen auch noch 86% unserer Punkte beim Eurovision Song Contest 2008! Genial! 12 Punkte aus Bulgarien für die No Angels. Dann gabs nochmal 2 Punkte aus der Schweiz. Und dann… nix weiter. 14 Punkte. Letzter Platz zusammen mit Großbritannien (die dieses Gefühl schon länger kennen) und Polen, die selten die Endrunde schaffen.
Warum? Weil der Song a) langweilig ist und b) schon in den deutschen Charts floppte (warum muss man so einen Song dorthin schicken?) und c) der Auftritt kein Feuer hatte, keine Choreographie, nix und d) mies gesungen wurde – Mädels! Man hörte euch kaum! – und e) im Vorfeld kaum PR gemacht wurde. Stefan Raab hats doch mehrmals vorgemacht was man tun muss, damits auch vom Balkan Stimmen gibt. Präsent sein, sich zeigen dort im Fernsehen. Eine Show abziehen. Leute – Its Entertainment! Da gehts nicht um Gesangt. Da gehts um UNTERHALTUNG!!!
Egal. Mir hats Laune gemacht. War gute Unterhaltung. “Qele qele” aus Armenien war HOT! Süße Frau mit exzellenter Stimme in supersüßem Kleid mit supersexy Hüftschwung. DAS ist Unterhaltung. Aserbaidshan fand ich auch stark. WAS für Stimmen. Großartig. Die Ukrainerin… Wow. Heeeiiiisssss. Russland? Fand ich gruselig. Warum hat der Mann nicht vorher einen Englischkurs belegt? Fürchterlich diese Aussprache. Produzent Timberland hat sich garantiert die Ohren zugehalten. Egal. Hat gereicht. Geld hat den Grand Prix gewonnen. Es ist eine Show. Und dagegen ist nix einzuwenden.
Interessant finde ich auch die Tabelle bei Sebbi in der die Stimmen nach Einwohnerzahl gewichtet wurden. Sieger dort: Armenien. YES. Da wär ich stark dafür!
Und hier noch – des Entertainment-Faktors wegen – Stimmen auf anderen Blogs:
- GossipGirlz: “Die “Punkte-Mafia”: Liebe Kollegen, hört endlich auf mit diesem Mist. Ja, Ostblock-Länder geben sich gegenseitig Punkte. Aber nur dann, wenn sie nicht total verzaubert und begeistert von einem anderen Land sind, das nicht zum Ostblock gehört. Beispiele: Lordi mit Hardrock Hallelujah aus Finnland (Sieger 2006) und die Olsen Brothers mit Fly on the wings of Love aus Dänemark (Gewinner 2000) – haben beide Höchstpunktzahlen aus Ostblockländern bekommen, wie auch viele weitere Nicht-Ostblock-Länder in diesem und den vergangenen Jahren.
Mein Fazit: Hört auf mit dem “deutschen” Planen und Analysieren, seid endlich mal locker und dann schaffen wir’s vielleicht irgendwann, einen echten gefühlsvollen leidenschaftlich singenden nicht perfekt bürokratisch ausgeplanten Künstler beim Grand Prix d’Eurovision zu haben – bei dem dann der bisher immer fehlende Funke überspringt…”
- Stefan Niggemeier 1: “Die Mär vom Ostblock, von benachbarten und befreundeten Ländern, die sich unabhängig von der Qualität der Beiträge gegenseitig die Punkte zuschanzen, ist nicht tot zu kriegen.
Ich habe deshalb, wie im vergangenen Jahr, einmal errechnet, wie der Wettbewerb ausgegangen wäre, wenn man die osteuropäischen und westasiatischen Punkte aus der Wertung nimmt. Das Ergebnis ist verblüffend. Tatsächlich hätte es Russland dann nicht geschafft, sondern wäre nur auf Platz 5 gelandet. Aber stattdessen gewonnen hätte … Armenien! ”
- Stefan Niggemeier 2: “Es sah, um es kurz zu machen, furchtbar aus und hörte sich furchtbar an. Und nun ist der Einwand zwar berechtigt, dass es gestern genügend andere Kandidaten gab, die auch furchtbar aussahen und sich furchtbar anhörten, aber keiner war dabei so uninspiriert. Die No Angels schafften das Kunststück, mit ihren Kleidern gleizeitig nuttig und tantenhaft auszusehen. Vor allem aber war ihr Auftritt eine tödliche Kombination daraus, die Sache ernst zu nehmen, aber gleichzeitig völlig unambitioniert und leidenschaftslos zu wirken.”
- Zickenterror: “Irre ich mich, oder haben die No Angels vorhin reichlich Murks gebaut? Zumindest eine von denen lag doch ständig mindestens einen halben Ton daneben!?!”
- EricPP: “An dieser Stelle geht mein Dank aus an die No Angels die den wundervollen Beweis dafür erbracht haben, daß Deutschland keinen Ralf Siegel braucht, um auf dem letzten Platz zu landen.”
- PatJe: “Vorhersehbar war wohl auch das Ergebnis der No Angels für Deutschland. Zumindest insofern, dass diese heute bereits für den Formel 1 Grand Prix in Monaco eingeplant waren – obwohl um 12 Uhr die Pressekonferenz der Sieger angesetzt war. Damit war ein Sieg wohl garnicht wirklich erwartet worden. Aber der Titel war auch zu üblich.”
- Querdenker: “Die meisten der hochplazierten Länder haben ihre Punkte auch redlich verdient, das Niveau war deutlich besser. Mein Favorit war übrigens die Startnummer 6 Bosnien-Herzegowina…”
- Lösch mir die Augen: “Ganz davon abgesehen, dass das Lied langweilig ist (was ja kein Hindernis zum Gewinnen ist), haben die No Angels schief gesungen. Und dann sind sie ja auch aus Deutschland…”
- Notizen aus der Provinz: “Die Alpen-Connection hat uns mal wieder – wie üblich – die verdienten 24 Punkte verweigert.
Nur, die Ost-Connection hat natürlich mal wieder unberechtigterweise die Russen auf Platz 1 gewählt. … Da werden die homosexuellen Männer und Frauen – Schwule und Lesben – nächstes Jahr in Moskau noch schwereren Stand beim EurovisionSongContest haben. Die Russen stehen auf Homosexualität noch weniger als die Belgrader.”
- alles roger.net: “…es nur noch eine Steigerung für diese peinliche Veranstaltung geben kann: wenn Deutschland sich die Blöße gibt, nächstes Jahr wieder teilzunehmen, wieder ein großes Getöse um die Teilnahme zu machen und wieder zu beweisen, dass man für “Unterhaltung” gar nicht blöd genug sein kann.”
- Grenzland: “Anders die Russländer, anders die Ukrainer. – Glückwunsch!”
- Blog-Kade: “da hätten die Deutschen lieber mich singen lassen sollen.”
- Das rote Blog: “Warum mag uns keiner (BILD) – Das fragt ihr noch?”
- Stefan Waidele: “Auch hier gibt es eine knappe Antwort: Weil die No Angels einen grottenschlechten Auftritt abgeliefert haben. Dieser wurde zwar von allen Moderatoren schöngeredet, was aber nichts an der Qualität der Sangeskünste ändert.”
- und zu guter Letzt – SpiegelOnline: “Wer beim Grand Prix eine Casting-Truppe mit fiesen Frisuren, miesem Make-up und einem öden Song ins Rennen schickt, muss sich nicht wundern, wenn er verliert. Doch das deutsche Debakel ist nur Symptom einer Krankheit der großen Westländer: Sie wollen gar nicht gewinnen.”
Da ist vielleicht etwas dran. Kühles Kalkül. Warum nicht. Its Entertainment on its best!
Und wer noch etwas mehr Entertainment rund um den Grand Prix braucht, wird sich nachträglich köstlichst im Liveblog auf Coffee and TV unterhalten.