
Das Projekt ishotmyself ist eine Photoplattform im Web, auf der Frauen Nacktbilder von sich selbst einstellen können. Das Besondere ist, dass die Photos auch von selbigen gemacht wurden. Sie sind Photographierende und Photographiertes zugleich.
Is Project_ISM art? It gets more visitors than the Guggenheim and has more original portraits than the Louvre. Is it crude? That depends on what you do with it. Is it culturally valuable? That’s not for us to decide.
Das Zitat zeigt, was erreicht werden soll: Die Lust an der Selbstdarstellung, in welcher Art und Weise auch immer. Wollen sie sich pornographisch inszenieren, so tun sie es. Wollen sie sich als klassischen Akt stilisieren, so tun sie es. Und wollen sie einfach mal einen Schnappschuss von ihrer Vagina machen, krude und spröde, wie es die Situation gerade hergibt, so können sie auch dies tun. Wichtig ist nur, dass sie es selbst machen. Selbst bestimmen, was sie wie und wann zeigen, eben ihr Selbstbestimmungsrecht wahrnehmen.
The female nude has, and always will be, highly trafficked. But whether the subject of prurient desire or simply a fundamental beauty in the human aesthetic, it has been captured, manipulated, and presented, so far, almost entirely by men.
Und hier liegt der tiefere, sogar subversive Charakter des Projekts. Dem (weiblichen) Körper das Recht auf die Autonomie des Abbildungsprozesses zurückzugeben. Mein Körper gleich mein Bild von meinem Körper. Dies kann als gezielte Kritik an der pornographischen Vermarktungsmaschinerie gedeutet werden. Eine Frau die sich präsentieren will in ihrer Nacktheit, und sei es auch auf pornographische Weise, behält ihr Selbstbestimmungsrecht. Die lustvolle Selbstliebe: Erst religiös unterdrückt, dann wirtschaftlich ausgebeutet – wann frage ich, gehören unsere Körper uns und nicht dem Fremdbild, bestimmt von einer für natürliche Schönheit blinden Maschinerie der Wirtschaftskontexte.

And so ISM has become a venue for women to present themselves on their own terms. Some come here with art, some with porn, and most with an adventurous spirit
Darum wird im verwendeten Text auch bewusst von Selfplotation in Abgrenzung zu Exploitation (Ausbeutung, Ausnutzung Verwertung) gesprochen, ein kleiner, aber sehr gewichtiger sprachlicher Unterschied. Naked ammunition, so eine andere Formulierung, das bedeutet, dass niemand hier dem fremden Objektiv wehrlos ausgeliefert ist. Überhaupt ist dem Sprachgebrauch ein auf Gewalt hinweisender Gestus sexueller Vermarktung inhärent. Das Selbst als Munition, der Auslöser als Schuss, wie bei einem Photoshooting. Dies deutet auf eine Befreiung hin, auf eine angestrebte Selbstidentifikation, die in jedem Moment mit der Kontrolle des Prozesses der Bildanfertigung einhergeht. Denn wenn eine hier präsentierte Frau, oder besser die Bilder eben jener, sich pornographisch ausbeutet, ist sie herzlich dazu eingeladen. Jedoch beutet sie sich selbst aus, hat somit also Kontrolle über das eigene Potenzial und wird nicht von anderen pornographisch ausgestellt im Sinne einer Gewinnmaximierung. Pornographie ist hier demnach nicht im Fokus der Kritik. Es kommt lediglich auf die Perspektive an. Und diese Perspektive ist meinem Empfinden nach schön. Bedeutend oft ist nämlich das Gesicht im Fokus des Bildes zu sehen, das Gesicht, in stiller Übereinkunft mit der eigenen Lust, das, und man vergisst es oft, da es so offensichtlich ist, auch nackt ist.
Menschen sind schön! Besonders wenn sie aus den Plakaten heraustreten, aus der Retusche der Werbewelt ausbrechen, sich selbst feiern. Man sollte seinen Körper lieben lernen, mit allem eventuellen Makel. Es geht in erster Intention um Selbstliebe, einzig und allein begriffen als Selbstakzeptanz. Was wir von hier aus daraus machen, bleibt ganz uns überlassen. Genau deshalb sind Projekte wie ishotmyself gut und wichtig und jederzeit wert unterstützt zu werden.

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