Sellaband ist sicherlich eines der spannendsten Projekte zur Zeit. Worum gehts. Um Musik. Oder besser: um (noch) unbekannte Musiker, die mit Hilfe der Sellaband-Webseite 50.000 US-Dollar versuchen einzusammeln, um mit diesem Geld die erste eigene CD produzieren zu können.
Crowdfunding nennt man einen solchen Prozess. Eine ganz spezielle Art von Crowdsourcing. Man sammelt Geld von Fans, damit man ein Projekt voranbringen kann. Sehr erfolgreich war mit diesem Modell schon Myfootballclub, die so am Ende einen kompletten englischen Fußball-Verein, und zwar den Fünftligisten Ebbsfleet United, übernehmen konnten. Mehr dazu findet man bei Burkhard Schneider.
Ich selbst habe auch ein paar Dollar bereits investiert. Angie Arsenault heißt die Kanadierin, bei deren Stimme ich nicht widerstehen konnte. Einen Tag später hatte sie auch die magische 50.000 Dollar-Marke als mittlerweile 21. Künstlerin auf Sellaband erreicht. 21 Künstler, denen man so eine Studioaufnahme ermöglichen konnte. Wow!!! Wie mag erst die Post abgehen mit Sellaband, wenn die erste No.1-Band dort entdeckt und gefeatured wird…
Die Einnahmen aus Werbung und CD-Verkauf werden zu je einem Drittel aufgeteilt unter Musiker, die Fans, die investiert haben (Believers genannt auf Sellaband) und Sellaband. Das ist ein gutes Geschäft für alle drei beteiligten Gruppen. Das Mindestinvestment beläuft sich übrigens auf 10 US-Dollar, also eine Summe, die niemanden wirklich abschreckt. Allerdings muss man erstmal 50 Dollar auf sein Sellaband-Konto transferieren.
Außerdem heißt es bei Sellaband:
All your 5,000 Believers will receive an exclusive Digi-Pack CD with the result of your professional studio-recordings. This limited edition CD will be sent to the homes of your Believers.
…
As a Believer you will receive a Limited Edition of the CD at your home address. You earn the right to sell any additional copies of the Limited Edition you own through SellaBand. Play it loud and use it to promote your Artist!
Man bekommt als Fan, der investiert hat, also auch was in die Hand!
Sellaband ist übrigens ein deutsches Projekt. Yippie-Yeah!!! Endlich mal wieder ein wirklich innovatives Webprojekt made in Germany!
Die Plattform entwickelt sich immer mehr zu einem komplexen Projekt für Musikfans. Man kann alle möglichen Charts aufrufen, die Bands entsprechend von Musikgenre durchkämmen, reinhören in die verschiedensten Musikstile und sich der Jukebox widmen. Stundenlanger Spaß ist garantiert.
Man findet natürlich auch allen möglichen Schrott dort. Na und? Das gehört dazu. Ich orientiere mich an den Bands, die schon ein paar Tausend Dollar zusammen haben. Aber auch das Durchforsten der bevorzugten Rubriken macht echt Laune.
Mittels des Players kann man sich zu jedem auf Sellaband aktiven Artist drei Songs anhören. Manchmal stellen sich da einem die Nackenhaare zu berge. Manchmal aber auch wird man überrascht und denkt sich: “Hey – coole Mucke. Viel Glück, Jungs!”
Was mir noch fehlt ist so ein Tool wie es Finetune oder Last.fm haben: ähnliche Musik hören. Also ich gebe meine Lieblingsband ein, zum Beispiel Linkin Park und will dann Bands angezeigt bekommen, die in der gleichen Richtung agieren. Ein gutes Tagging könnte hier auch helfen.
Auf jeden Fall rockt Sellaband ganz gewaltig! Es macht Spaß. Es funktioniert. Es wird Geld umgesetzt. Nicht wie bei anderen Web 2.0 Projekten, wo man nur auf die Werbe-Schiene setzt.
Und dass sich der ganze Musikmarkt gewaltig in Bewegung befindet, ist allen Seiten schon länger klar. Hier ist ein Modell, das für alle Seiten Sinn macht: die Fans und die Musiker. Okay – die Majors haben davon wenig. Aber sie könnten lernen. Wenn sie wollen. Und (!!!) – dieses Modell macht sicherlich auch Sinn für Plattformen wie zum Beispiel Hobnox, wo man ja auch junge, talentiere Musiker unter anderem promoten will.