Stichwort: Mafia

  • Die Infernal Affairs-Trilogie

    Timo Maier
    23. Februar 2010, 13:00 Uhr, 0 Reaktionen
    Kategorie: Allgemein, Film

    Infernal Affairs (Wu Jian Dao) von Alan Mak und Andrew Lau aus dem Jahr 2002 ist eine mitreißende, äußerst facettenreiche Geschichte, die sich um Cops und die Mafia (Triaden) in Hong Kong, sowie deren vielfache Verstrickungen, Operationen und Strategien dreht. Im Mittelpunkt stehen zwei Undercoveragenten, die, als Abgänger der gleichen Polizeischule, jeweils als Maulwurf im Herzen des Gegners operieren und das über Jahrzehnte. Klingelt das was? Sollte es, zumindest bei allen, die das Remake von Martin Scorcese, The Departed, gesehen haben. Persönlich mochte ich die US-amerikanische Version sehr, bis ich auf Geheiß eines Freundes das Original begutachtete. Und so sehr ich auch Scorcese für nahezu alle seine Filme bewundere, war ich entsetzt, als ich Original und Remake gegeneinander abwog. Denn Scorcese’s Version ist wirklich nur dümmlicher Diebstahl. In seinem Film ist aber auch gar keine Idee von ihm selbst eingeflossen, er kopierte lediglich eins zu eins. Schlimmer noch, er zerstörte sogar die grandiose Subtilität und die meisterhaft in Szene gesetzte Spannung des Originals und ersetzte diese durch eine Haudrauf-Dramatisierung der Extrakitschklasse (dies könnte man als seine eigene Leistung betiteln). Meine große Empfehlung lautet daher für alle, die The Departed noch nicht gesehen haben, zunächst Infernal Affairs zu schauen. Im umgekehrten Fall auch, da Scorcese die beiden folgenden Teile (weitestgehend) unberührt ließ. Und selbst wenn man The Departed mehr als dreimal gesehen hat (wie ich), lege ich Infernal Affairs immer noch ans Herz, da dieser filmisch und selbst dann noch spannungstechnisch wahnsinnig viel zu bieten hat, was für den Film und seine enormen Qualitäten spricht. Meiner Meinung nach die stärkste Mafia-Trilogie seit der Pate.

  • Visuell hervorragende Filme – Once Upon a Time in America von Sergio Leone

    Timo Maier
    29. Dezember 2009, 00:02 Uhr, 1 Reaktion
    Kategorie: Allgemein

    Obwohl es nahe liegen würde, empfehle ich diese Woche nicht AVATAR, sondern ein echtes Meisterwerk: Once Upon a Time in America von Sergio Leone (1984).

    Um das Mafia-Epos des italienischen Ausnahmeregisseurs kreisen eine Unzahl an Geschichten, Anekdoten und Mythen. Zum Beispiel wurde der Film auf Geheiß des verantwortlichen Produzenten um satte 90 Min. gekürzt und die komplexe, nicht lineare und auf Rückblicken basierende Erzählstruktur kurzerhand umgeschnitten, so dass am Ende eine vollkommen entstellte Version dem Publikum zur Uraufführung dargeboten wurde. Selbst die geniale Filmmusik von Ennio Morricone soll gefehlt haben. Mittlerweile liegt das Original (229 Min.) in einer Special Edition auf zwei DVDs vor – und jede Minute lohnt sich. Es ist nicht nur die fesselnde Geschichte, die phantastischen Schauspieler oder die brillante Photographie (nebst meisterhafter Montage im Original), die diesen Film zu einem Meisterwerk machen. Es ist besonders Leones Liebe, man könnte auch von Fanatismus sprechen, zum Detail. So hatte sich der Regisseur eine der Schlüsselszenen in einem Regenschauer ausgemalt. Nur war die damalige Technik nicht soweit, dass man der Szene aufgrund ihrer Weite einen künstlichen (nicht CGI) Regen hätte hinzufügen können. Obwohl man Leone dezent darauf hinwies, dass seine Vorstellung zu inszenieren völlig ausgeschlossen sei, gab sich dieser nicht damit zufrieden und begann die Wolken zu studieren. Natürlich hätte man die Szene einfach während eines Schauers drehen können, doch das war nicht in Leones Sinn. Denn der Regen hatte punktgenau in einer langen Szene selbst einzusetzen. So wartete man eine für die Produktionskosten nicht unerhebliche Zeit. Eines Tages schließlich, als die Wolken Leone günstig erschienen, begann der Dreh auf sein Zeichen hin und siehe da, es begann sich exakt zu dem Zeitpunkt ein milder Schauer über das Set zu ergießen, den der Regisseur im Drehbuch auch vorgesehen hatte.

    James Woods erzählt diese Geschichte im üppigen Bonusmaterial der Doppel-DVD-Edition und fügt noch voller Bewunderung hinzu: Es war als wartete Gott nur darauf, dass Sergio ‘Action’ rief, um es genau dann regnen zu lassen, wann Sergio es wollte.