Stichwort: Interviews

  • Don Alphonso gibt ein interessantes Interview

    Matias Roskos
    09. Februar 2007, 18:05 Uhr, 0 Reaktionen
    Kategorie: Allgemein, Web 2.0

    Auf Golem.de findet sich ein Interview mit Deutschlands wohl gefürchtetestem Blogger Don Alphonso bzw. Rainer Meyer. Gefürchtet, weil er kein Blatt vor den Mund nimmt. Aber auch, weil er gut recherchiert, bevor er etwas niederschreibt. Manche bezeichnen ihn als Krawall-Blogger. Ich sehe das ein bisschen differenzierter. Ja, sein Stil ist laut und aggressiv. Aber manchmal ist DAS wirklich die einzige Art um etwas zu erreichen.

    Ich habe Don Alphonsos Blog, die Blogbar, erst im Rahmen der Ungereimtheiten und Peinlichkeiten rund um StudiVZ kennen gelernt. Und ich finde es erstaunlich und beachtenswert, was er alles aufdecken konnte. Auch wenn mir Dennis Bemmann (StudiVZ) auf einer Party klarmachen wollte, das 80% von dem was Don Alphonso geschrieben hat völlig aus der Luft gegriffen wären. Das Gespräch brach ich dann lieber schnell ab. Denn es war nur allzu deutlich, dass Don Alphonso in so ziemlich allen Punkten Recht hatte. Und StudiVZ hat mittlerweile ja auch auf einen Großteil der Probleme reagiert und u.a. wirklich gute Leute im Bereich Programmierung eingestellt. Schon allein deswegen war es meiner Meinung nach ein Erfolg auf die zahlreichen Fehler und Versäumnisse bei StudiVZ hinzuweisen. Ehssan Dariani, einer der drei Gründer von StudiVZ, hat mir auf besagter Party auch noch mal ganz persönlich versucht zu erklären warum er bestimmte Dinge so gemacht hat, wie er sie gemacht hat. Ich finde es zumindest anerkennenswert, das er sich diese Mühe machte mit mir darüber zu reden. Und ich hatte sogar den Eindruck, das ihm so manches wirklich Leid tat. Aber bitte hör auf so zu tun, als wärst du noch so arg jung und unerfahren. Mit Mitte 20 ist man NICHT mehr wirklich jung. Und das mit der Erfahrung… bestimmte Dinge tut und sagt man einfach nicht, egal wie alt man ist. Und schon gar nicht, wenn man eine Community in sechsstelliger Höhe managt und damit – gewollt oder ungewollt – eine große Verantwortung hat. Der sollte man schon gerecht werden oder das Handtuch schmeißen.

    Zurück zu Don. Das Interview ist wunderbar ausführlich. Man bekommt einen guten Einblick in die Kunstfigur des Don Alphonso, erfährt woher der Name kommt. Don erzählt, welche Blogs er wirklich gern liest – es sind kleine Blogs von Frauen, die kaum jemand wahrnimmt – und warum diese so gut sind. Er redet über das Bloggen an sich, über sein altes Projekt Dotcomtod, vergleicht die Blase aus dem Jahr 2000 mit der jetzigen (möglicherweise existierenden) und ist angenehm ruhig und unaggressiv. Ein gutes Interview mit einem der besten Blogger hierzulande. Unbedingt lesen!

    Hier gehts zum Interview auf Golem.de.

  • Das Thema Crowdsourcing wird immer populärer – Interview mit Crowdwisdom -Blogger Markus Pöhlmann

    Matias Roskos
    08. Februar 2007, 13:16 Uhr, 4 Reaktionen

    Seit Januar diesen Jahres bloggt Unternehmensberater Markus Pöhlmann auf Crowdwisdom vor allem zum Thema Mass Customization, Crowdsourcing und User-generated Content. Damit steht er uns schon ganz automatisch nahe. Denn Crowdsourcing, das bei uns als Communitysourcing läuft, weil wir es nicht mehr mit einer anonymen Crowd sondern mit einer tollen Kreativcommunity zu tun haben, ist für VisualOrgasm schon seit längerem ein heißes Thema.

    Im Interview-Blog gab er jetzt ein paar Einsichten in die Intentionen seines Blogs: “Ich bin davon überzeugt, dass durch die zunehmende Verbreitung des Internets und die Vernetzung im Alltag User-generated Content und Crowdsourcing immer ‘alltäglicher’ werden. Es wird kaum ein E-Commerce-Kozept geben, dass ich leisten kann, seine Kunden oder Nutzer nicht einzubeziehen. Schließlich ist es denkbar einfach geworden, einen Kommentar abzugeben, einen Designvorschlag einzureichen oder über andere abzustimmen. Diese Art der Mitarbeit wird immer wichtiger werden. Somit glaube ich, dass Crowdsourcing-Elemente sich durchsetzen werden und starke Verbreitung finden…

    Dem kann ich nur zustimmen. Und ich freue mich, dass mit Markus Pöhlmann ein weiterer Blogger und Internetexperte sich diesem spannenden Thema widmet. Auch wenn ich noch nicht ganz durchschaue, was Markus’ Absichten sind. Warum beschäftigst du dich so sehr mit diesem Thema? Du bist doch Unternehmensberater, richtig? Willst du in der Zukunft gezielt Unternehmen in Sachen Crowdsourcing beraten? Dann sollten wir vielleicht enger kooperieren! Oder baust du eigene Geschäftsmodelle auf? Ich merke, ich sollte das Interview aus dem Interview-Blog hier weiterführen. Zu viele Fragen sind für mich noch offen… :)

    Es fängt langsam an so richtig Spaß zu machen sich mit Crowdsourcing zu beschäftigen! Viel Erfolg Markus. Aber eine letzte Frage hätte ich noch: Wer ist Joopi Hesters? Den “Insider” versteh ich nicht.

  • Interview mit Markus Rosse, Sieger des Mister-Wong-Pixelhaus-Contests

    Matias Roskos
    11. Dezember 2006, 10:53 Uhr, 3 Reaktionen
    Kategorie: Allgemein

    Markus Rosse ist der Sieger unseres Mister-Wong-Pixelhaus-Contests für die VOPT. Er schaffte es als 12 des User-Votings gerade noch so in die Endrunde der 12 besten Entwürfe und wurde dann von der fünfköpfigen Jury als Sieger gewählt. Seit vier Tagen steht nun sein Entwurf in der VisualOrgasm-Pixeltown und ist das neue Zuhause von Mister Wong dort. Ich führte ein kleines Interview mit dem sympathischen Schweizer.

    Hallo Markus. Du hast beim Mister-Wong-Pixelhaus-Contest mit dem deinem Entwurf gewonnen und die Siegprämie abgeräumt. Hattest du damit gerechnet oder darauf spekuliert?
    Ehrlich gesagt, nein. Ein paar Tage vor dem Einsendeschluss, als die Qualität der Einsendungen immer mehr zunahm, sah ich meine Gewinnchancen schwinden. Das wurde dann mit den Benutzerwertungen nochmals unterstrichen, ich war lange Zeit auf Platz 18. Erst ganz am Schluss schaffte ich es noch, unter die ersten 12 zu kommen.
    Wie fühlt man sich als Sieger eines solchen, ja durchaus weit beachteten Contests?
    Ich war schlichtweg überwältigt und konnte es im ersten Augenblick gar nicht glauben.
    Wie bist du auf den Contest aufmerksam geworden?
    Ein befreundeter Programmierer hat auf seinem Blog Divine Dominion den Link zu diesem Wettbewerb gepostet.
    Machst du regelmäßig bei solchen Communitysourcing-Aktionen mit und wenn ja, hast du schon irgendwo anders gewonnen?
    Nein, ich hatte noch nie an einem solchen Wettbewerb mitgemacht.
    Erzähl mal kurz ein bisschen was über dich. Wie alt bist du? Wo lebst und arbeitest du? Womit verdienst du deine Brötchen?
    Ich bin momentan 20 Jahre alt und lebe in Unterentfelden in der Schweiz. Zur Zeit mache ich eine Lehre als Physiklaborant am Paul Scherrer Institut in Villigen, welche ich nächstes Jahr beenden werde.
    Pixelst du regelmäßig oder war das dein erster Versuch?
    Wenn man von kleinen Spielereien absieht, kann man sagen, das es meine erste, ernste Pixelei ist. Ich bin zwar schon seit Jahren Fan von Pixelart und besuche täglich Pixel Communities, bin selbst aber nie gross zum pixeln gekommen. Die Links zu den Pixel Communities findet man übrigens auf meiner Linkseite bei Mister Wong. Die meistbesuchte davon ist Pixelation.
    Wie kam es zu der Idee für diesen ausgefallenen Entwurf? Oder lag er etwa schon länger in der Schublade?
    Es war die erste Idee, die mir in den Sinn gekommen ist. Sprich, ich habe die Wettbewerbsseite geöffnet, hab mir alles durchgelesen, die Mister Wong Seite angeschaut und kam direkt auf die Idee, den Kopf, welcher für mich Zentral schien, auf eine Werbeplattform zu setzen. Die Menschen im Vordergrund und die Beleuchtung kamen erst ganz am Schluss hinzu. Ich wollte eigentlich noch etwas weiteres einreichen: Eine grosse, stehende und winkende Mister Wong Statue. Einmal in Form eines Lego Männchens und einmal in realistisch. Habe es dann aber Aufgrund Zeitmangel gelassen.
    Nutzt du die Social Bookmarking Plattform “Mister Wong” selbst regelmäßig?
    Ich bin erst durch den oben erwähnten Blogeintrag auf Mister Wong gekommen und habe deswegen noch keine lange Liste. Ich werde aber in Kürze eine grosse Anzahl von Künstler Links posten, welche ich in meinen persönlichen Favoriten habe.
    Wie lange hast du daran gearbeitet und welche Software hast du benutzt?
    Nicht sehr lange. Ich hatte von Anfang an die konkrete Idee im Kopf. Dann habe ich gleich die Idee mit Bleistift auf den ersten Fetzen Papier gezeichnet, der vor mir lag und bin direkt in Adobe Photoshop gegangen um die Idee zu realisieren. Total bin ich vielleicht drei Stunden daran gesessen.
    Wo kann man im Netz andere Arbeiten von dir sehen? Und worin siehst du deine Stärken und deine Perspektiven? Ist Grafikdesign für dich nur ein Hobby oder ist es dein Beruf?
    Momentan gibt es im Internet nicht viel von mir zu sehen, ausser einem Lern-Thread in einem Grafiker Forum, in dem ich in Kürze neues posten möchte. Auch habe ich schon seit längerem eine Seite für mich in Arbeit. Ich hoffe, das ich es endlich mal schaffe die Seite rauf zu laden, wenn sie fertig ist. Bitte noch ein bisschen Geduld. Mein Zukunftswunsch ist es, als Illustrator und Concept Artist zu arbeiten. Deswegen möchte ich, sobald ich meine Lehre abgeschlossen habe, den Vorkurs für Gestaltung besuchen und danach eine Fachhochschule für Gestaltung. Meine Stärken sehe ich darin, dass ich durch meine Ausbildung in einem technischen Beruf sehr viel Wissen sammeln konnte, die mir helfen, authentische Konzepte zu entwerfen. Mir macht es Spass Dinge bis ins letzte Detail zu entwickeln. Ich denke das sich meine Konzepte dadurch auszeichnen (werden), dass alles daran einen Sinn ergibt und durchdacht ist.
  • PAGE-Interview mit einem Adobe-Mann

    Matias Roskos
    28. November 2006, 08:56 Uhr, 0 Reaktionen
    Kategorie: Allgemein

    In der aktuellen PAGE (12.06) findet sich ein interessantes Interview mit dem Senior Vice President Creative Solutions (alles klar bei dem Titel?!) von Adobe, John Loiacono. Dazu muss man wissen, dass ich selbst drei Jahre als Flashprogrammierer gearbeitet habe und daher immer mit großem Interesse verfolge, was mit Flash passiert und möglich ist.
    Macromedia, die Firma die Flash einst gekauft, dann weiterentwickelt und zu DEM Animationstool fürs Internet entwickelt hat, wurde vor etwa einem Jahr von Adobe gekauft, so dass seit dem Programme wie Photoshop, Fireworks, Flash oder auch Freehand und Illustrator alle unter einem Dach vereint sind. Umso interessanter die Aussagen von John Loiacono.

    Herr Loiacono, was hat sich seit dem Kauf von Macromedia in Ihrem Unternehmen verändert? Wir haben den sehr dynamischen Unternehmergeist von Macromedia mit dem Know-how und der langen Erfahrung von Adobe zusammengeführt. So kommt ein beträchtlicher Teil des heutigen Adobe-Senior-Managements aus dem Macromedia-Kreis. Was sich auch geändert hat, ist, dass wir uns strategisch auf das ausrichten, was wir als Dynamic Media bezeichnen. Wir meinen damit, dass die Gestaltung von allen erdenklichen Komponenten bis hin zu Video, Audio, Web et cetera mit unseren Tools zu einer nahtlosen Erfahrung werden soll.”

    Das hört sich ja fast an, als hätte Macromedia Adobe erobert und nicht anders herum. Sehr witzig. Aber durchaus die richtige strategische Ausrichtung, wie ich finde.

    An anderer Stelle fragt die PAGE: “Viele Anwender fragen sich, was mit den doppelten oder sich überschneidenden Produkten wie Freehand und Illustrator oder Dreamweaver und GoLive passieren wird. Können Sie uns dazu etwas verraten? Sicher. Freehand hat schon seit Jahren keine wirkliche Weiterentwicklung erfahren… Illustrator ist unsere strategische Ausrichtung. In der kommenden Creative Suite wird definitiv Illustrator im Paket sein, ebenso wie Dreamweaver. GoLive wird nicht mehr dabei sein…” Wie es also zu erwarten war, werden sich Programme wie Freehand (Macromedia), GoLive (Adobe) und wohl auch Fireworks (Macromedia) langsam von der Bildfläche verabschieden. Eine konsequente Entwicklung. Die besseren Programme werden überleben und eine Weiterentwicklung erfahren. Flash war ja sowieso absolut konkurrenzlos.

    Da bleibt die Frage der Monopolstellung. Ähnlich wie Microsoft bei den Betriebssystemen hat Adobe aktuell eine ziemliche Monopolstellung bei der grafischen und der Animations-Software. Ist das gefährlich? Teils teils. Denn ich glaube, dass der Trend zu einem großen Teil zu Online-Anwendungen geht. Warum soll ich teure Software installieren, wenn ich online meine Bilder bearbeiten oder Flash-Animationen erstellen kann. Das Arbeiten wird sich immer mehr direkt ins Netz verlagern. Mit zunehmender Geschwindigkeit des Datentransfers kann ich bald auch problemlos Megabyte große Dateien online Bearbeiten. Es wird also Software geben, die gar nicht mehr auf meinem Rechner liegt, sondern auf Servern. Und ich werde online an meinen Dateien arbeiten können. Und durch diese Entwicklung wird das Adobe-Monopol vermutlich wieder aufgebrochen. Wenn Adobe dort nicht auch wieder die Nase vorn hat, was im Moment aber nicht so ausschaut.

    Dann spricht PAGE die Zukunft an und erhält eine interessante Antwort: “Wie wichtig ist die wachsende Zahl internetfähiger Endgeräte für kommende Produkte? Wir arbeiten derzeit ganz zentral an dieser Aufgabe: “Wie bringen wir Mobility in die Suite?” Wenn heute jemand Applikationen für diese Geräte gestaltet, nutzt er kreative Werkzeuge, also wollen wir mehr Features für Mobilität in unsere Tools integrieren. Wir haben nach der Akquisition von Macromedia eine komplette Organisationseinheit namens Mobile & Devices geschaffen, die sich ganz auf diesen Bereich konzentriert. Flash ist schon heute praktisch auf jedem PC auf dem Planeten präsent und wird in Zukunft die Plattform sein, auf der man Inhalte für jedes erdenkliche Endgerät entwickeln kann, vom High-Class-PC-System bis zu Anzeige- und Bedienelementen im Auto – nach dem Motto: “Write once, run anywhere”. Flash wird künftig zur universellen Entwicklungsumgebung.”

    Naja. Ein bisschen Träumen darf auch für John Loiacono erlaubt sein. Ganz so sehe ich es nicht. Ich denke, dass viele Inhalte mittels XML-Dateien übermittelt werden. Aber ganz klar: Flash wird eine gewaltige Rolle in der mobilen Zukunft spielen. Daran glaube auch ich. Aber das allein Dominierende? Nein. Das will wohl niemand hoffen. Ich jedenfalls nicht. Obwohl ich ein großer Fan guter Flashproduktionen bin.

  • Business Querdenker im Interview bei Hannes Treichl

    Matias Roskos
    16. November 2006, 13:38 Uhr, 0 Reaktionen
    Kategorie: Allgemein

    Auf dem ANDERS|denken Blog – das Blog von Hannes Treichl entwickelt sich übrigens immer mehr zu einem meiner absoluten Lieblingsblogs! – habe ich gerade ein sehr interessantes Interview mit Christian Gansch, Dirigent und Berater, gefunden. Hannes Treichl bezeichnet ihn als Business Querdenker. Als Dirigent hat er auf jeden Fall eine ganz eigene Sicht auf die Dinge. Und das ist überaus lesenswert und interessant. Hier ein kurzer Auszug aus dem Interview:

    “Sehr hart ins Gericht gehen Sie mit ‚Zwischenurteilsneurotikern’, die schon am ersten Tag der Umsetzung Erfolge sehen wollen.

    Manche Musiker glauben, das Dirigenten-Konzept einer einstündigen Sinfonie bereits nach zwei Probenminuten abschließend und zweifelsfrei beurteilen zu können, nicht anders wie bei neuen Strategien in Unternehmen. Diese Einstellung ist schlicht destruktiv.

    Neue Ideen brauchen Raum und Zeit, um sich entwickeln zu können. Permanente „Voraburteile“ mitten im Arbeitsprozess sind inzwischen zwar ein beliebtes Gesellschaftsspiel, aber sie verhindern bereits im Ansatz, dass überhaupt Neues entstehen kann. Diese sollten übrigens nicht mit einer selbstverständlichen kontinuierlich nötigen Qualitätskontrolle verwechselt werden.

    Sehen Sie sich als Querdenkern und falls ja, was bedeutet Querdenken für Sie?

    Ich sehe mich eher als jemand, der die täglich wechselnden Moden, Schlagworte und Zeitgeistströmungen, also diesen zum Standard gewordenen Relativismus mit äußerster Skepsis betrachtet, weil dabei das Individuum zu kurz kommt.

    Selbst Wertediskussionen haben inzwischen einen zeitgeistigen und damit beliebigen Anstrich. Menschen sind nicht in ein Schema zu pressen, unterschiedliche Charaktere müssen nicht gleichgeschaltet werden, damit sie eine Einheit bilden. Einheit kann auch aus menschlicher Vielfältigkeit entstehen, wie ein Orchester beweist.”

    Hier gehts zum kompletten Interview bei Hannes Treichl.

  • Interview mit Veruschka Götz, Professorin für Gestaltung an der Hochschule Mannheim auf dem Buenalog

    Matias Roskos
    02. November 2006, 13:34 Uhr, 0 Reaktionen
    Kategorie: Allgemein, Web 2.0

    Auf dem Buenalog habe ich gerade voll Genuss ein exzellentes Interview mit Veruschka Götz, Professorin für Gestaltung an der Hochschule Mannheim, gelesen. Es tut gut zu erfahren, das auch Professoren bzw. Professorinnen eine Sicht auf die aktuellen Entwicklungen im Netz haben, die nicht abgehoben ist, die sich wirklich mit dem Zeitgeist beschäftigt und die interessante Perspektiven aufzeigt. Kein weltfremdes Neben-der-Entwicklung-Stehen, sondern mitten drin sein und trotzdem aus der Perspektive des Beobachters analysierend.

    Unter anderem sagt sie auf das Thema Web 2.0 angesprochen: “Das Web 2.0, das von allen euphorischen Schreiern als die neue Weltrevolution ausgerufen wird, ist nur eine konsequente Weiterentwicklung vom passiven Konsumenten zum mündigen Nutzer. Überrascht hat die Entwicklung den wachen, seismographisch-sensiblen Surfer nicht wirklich. So ist das eben mit jeder Entwicklung, vergleichbar mit der Entwicklung eines Lebewesens: Ein Kleinkind hört immer wieder seinen Namen, und irgendwann fängt es an, ihn nachzuplappern, bis es dann in der Lage ist eigene Sätze und später dann eigene Kommentare zu formulieren. Anders ist das mit dem Web 2.0 auch nicht. Wir befinden uns hier im Stadium des “eigene-Sätze- Formulierens”.

    Schmunzeln musste ich bei folgender Passage: “Charmant bei den meisten Blog-Darstellungen ist die Analogie zum Buch: weiße Lesehintergründe, obwohl ganz klar ist, dass weiß/schwarz den größten Kontrast auf dem Bildschirm bietet, das auch noch mehr als beim Buch, weil hier die Strahlung des Kontrastes durch das Licht des Bildschirms unterstützt wird.” Also weiße Schrift auf schwarzem Hintergrund? Da vergisst sie aber den Gesamteindruck, der dadurch entsteht. Düstere Farben erzeugt meist auch eine düstere Stimmung. Weiß steht dagegen für eine aufgeschlossene Atmosphäre. Wir lesen Bücher ja auch nicht im Dunkeln, sondern machen Licht an ;)

    Es gibt in dem Interview noch viele wirklich gute Betrachtungen. Ich kann es jedem nur wärmstens empfehlen. Also ab aufs Buenalog und das Interview komplett lesen.

  • “Web 2.0 ist die Manifestation, dass das Web nicht gescheitert ist” -
    VisualBlog-Interview mit Robert Basic

    Matias Roskos
    05. September 2006, 13:53 Uhr, 9 Reaktionen
    Kategorie: Allgemein

    Wir führten ein Interview mit Robert Basic, der mit seinem Basic Thinking Blog Dauergast in den Top10 der deutschen Blog-Charts ist. Sein Weblog gehört für uns zu den besten und informativsten Blogs hierzulande. Und wir freuen uns daher sehr, das uns Robert Rede und Antwort stand.
    Das Interview führte Matias Roskos von VisualOrgasm im September 2006 per Email.

    1. Seit wann bist du im Internet aktiv? Und wie sahen deine ersten Schritte aus?
    Schwer zu sagen. Wenn man die BTX-Zeit mitrechnet, sind es bestimmt schon an die 20 Jahre. In BTX kryptische Zeichen eingegeben und später im Browser gelernt, wie man URLs eingibt.
    2. Seit wann blogst du und seit wann gibt es dein “Basic Thinking Blog”?
    Start war April 2002, schon damals auf Basic Thinking, allerdings war es ein englisch-deutschsprachiges Weblog rund um das Thema Lotus Notes. Dann Umzug auf das MEX Blog im Rahmen eines Projekts der Wirtschaftsjunioren Frankfurt. MEX war/ist eine Plattform für Existenzgründer. Das Weblog müsste Juni 2003 an den Start gegangen sein. Und hat der gesamten Webseite MEX hinsichtlich der Aufmerksamkeit einen netten Schub verliehen. Mit Auslaufen des Projekts habe ich erneut meine Blogkoffer gepackt und habe das alte Basic Thinking Blog August 2005 wieder aus der Taufe gehoben. Den alten Content hatte ich nicht, also frisch fröhlich komplett neu angefangen.
    3. Wie oft wurdest du schon gefragt, ob Robert Basic dein richtiger Name ist?
    Eine Zahl mit vielen Nullen?
    4. Wie fühlt man sich als Dauergast in den Top10 der deutschen Blog-Charts?
    Fühlen tut man wenig, wichtiger ist, dass die Leser das Blog ok finden und sowohl ihren Spaß haben als auch gut infotained werden. Die Verlinkunsdichte – als Faktor für die Platzierung – in diesen “Charts” ist ein Indikator dafür, dass die Inhalte auch von anderen Bloggern aufgegriffen werden. Das macht es neben den Kommentierenden auf dem eigenen Blog noch spannender, wie sich Gedankengänge fortsetzen und variiert werden. Dieser Austausch bzw. Dialog macht den großen Reiz aus. Einfach gesprochen: “du bist Top10″ ist mehr ein Gradmesser für die zunehmende Vernetzung, die mir so ans Herz gewachsen ist.
    5. Auf deinem Blog schreibst du immer wieder über Spam im Zusammenhang mit deinem Blog. Ist es wirklich so schlimm?
    Auf einer Skala im Real Life von 1(easy)- 10(worst case) wäre das wohl ne 2. Auf einer Skala im Virtual Life ist es mehr ne 5. Aber momentan habe ich den Spam gut abgeblockt, doch das ist ein never ending Fight, mit dem man sich eben abfinden muss. Ab und an öffentliches Meckern ist sowas wie Dampf ablassen.
    6. Wieviel User hast du täglich? Sind dir die Zahlen überhaupt wichtig?
    Laut Statcounter.com sind es an Werktagen um die 3000 Unique Visitors. Dann noch die RSS Abonnenten, laut Feedburner.com sind es angeblich ca. 1.700 Abonnenten. Wie viele davon nun auch Direktleser sind und wie viele nur via RSS lesen? Keine Ahnung! Zahlen sind mir als Statistikfan des Spieltriebs wegen wichtig, Traffic ist mir wichtig, weil ich mit einem anderen Blogger einen privaten Wettbewerb aus Fun betreibe (man muss sich ja irgendwie necken :), Traffic ist mir wichtig, damit ich nicht alleine vor mich hinblubber und Traffic kann wichtig sein, wenn Du eines Tages AdSense-Millionär sein wirst :-)))
    7. Womit verdienst du dein Geld? Adsense? Vorträge übers Bloggen? Buchprojekte? Oder hast du noch einen “richtigen” Job nebenbei?
    Bloggen ist nach wie vor ein Hobby, zeitaufwendig. Hat quasi meine Forenaktivitäten komplett und Mailing teilweise ersetzt. Zunehmend kommen auch Dritte auf dich zu und wollen Tipps. Das mündet im Firmenumfeld in explizite Aufträge. Doch ist das nach wie vor ein Ding, dass ich passiv betreibe. Manche nennen bzw. schimpfen mich einen Weblog-Berater. Doch das wäre ich wohl, wenn ich konsequent aktiv auf Kundenfang gehen würde. So richtig entscheiden kann ich mich noch nicht, meine Eier auch in diesen Korb zu legen. Warum? Entweder werde ich eines Tages mit Werbegeldern zugeklebt, sollte die deutschsprachige Blogosphere explodieren. Luxus, oder? Man bekommt Kohle fürs Bloggen, was ich sowieso schon mache. Also sowas wie Kohle fürs Schlafen. Allerdings stehen dem Szenario noch viele unbekannte Variablen gegenüber. Und machen wir uns nix vor: Solche Mischthemen-Blogs wie meines werden gegen die upcoming Blogs auf Dauer einen schweren Stand haben, die sich intensiv auf ein Thema fokussieren und dazu noch wesentlich massentauglichere Topics verarbeiten. Oder was kann noch passieren? Die Blogs dümpeln weiter vor sich dahin und ein Engagement als sowas wie ein Blogspezialist würde sich damit auch ökonomisch nicht auszahlen. Firmen setzen ja nicht auf Trends, sondern meistens auf etablierte Kommunikationskanäle. Ich habe weder Lust, die Welt zu verändern noch verspüre ich den Drang, einen Markt zu schaffen. Zumal ich dafür auch nicht gebaut bin, um als mediales Organ die Werbetrommel für die Großartigkeit von Weblogs zu rühren. Gib mir ein Blog zum Hochpushen, das ist mein Ding, weniger das herumtheorisieren, wie sich wohl die Galaxis um Blogs dreht und warum man unbedingt auf dieses Pferd setzen sollte. Die letztere Teilfrage, wo die Brötchen z.Zt. gebacken werden: Ganz klassisch als IT Freelancer. Doch das dürfte sich in Zukunft bald ändern, da ich in aller Ruhe am Basteln von ein-zwei Projekten bin, die ich demnächst vorstellen möchte, wenn sie reif sind. Ah, nix mit Blogs, höchstens als Teilprojekt.
    8. Es wird ja viel diskutiert über Einnahmequellen und Geschäftsmodelle für Blogger. Wie siehst du das? Haben Blogger perspektivisch die Chance Geld zu verdienen in Deutschland? Und wenn ja – wer? Und wer eher nicht? Und womit?
    Das ist mehr eine prinzipielle Frage. Die ähnelt der Frage, ob ein Unternehmer Geld mit seinem Business verdienen kann. Die Realität: ich schätze mal, dass über 4/5 aller Vorhaben scheitern, eher mehr. Nur ein geringer Bruchteil kann von seiner Selbstsändigkeit leben und ein noch viel geringerer lebt mehr als gut davon. Reine Normalverteilung, mathematisch gesehen. Sprich, die Chance mit einem Weblog Geld zu verdienen, in welcher denkbaren und undenkbaren Form auch immer, ist also unwahrscheinlich. Aber nicht unmöglich. Was soll man sonst auch sagen? Man kann mit allem Geld verdienen, wenn die Umstände günstig sind (Dieter Bohlen macht mit schrottiger Musik, aber er ist ein genialer Geschäftsmann). Andere wiederum haben mehr Glück als Verstand, weniger eine Nase wei Bohlen (toller Vergleich, den ich da ausgerechnet auswählen musste). Meistens ist es aber das profane Arbeiten bis zum Umfallen, das Steh- und Lernvermögen (jeder baut Mist, jeder, nur muss man daraus lernen) und die notwendige Disziplin, sich in den Hintern treten zu können, was bei Angestellten der Chef übernimmt. 99% aller Blogger zeigen kein offenes Interesse, ihr Blog zu versilbern (ich rätsel jetzt nicht herum, wieviele darüber sinnieren, bringt nix). 1% würde gerne. Und davon wird möglicherweise nur jeder 5. auch was erschaffen. Nicht viel, oder? Viele Wege führen nach Rom, also “wer” ist kein Standardtyp Schema F, der es garantiert packt. Mit Glück hat das meistens nicht zu tun. Ausgeleiertes Beispiel Spreeblick: Johnny wurde mit der Jamba-Story bekannt. Viele sagen, das war der auslösende Lucky Punch. Nö, der hat danach noch zwei weitere Hits ausgepackt: Du bist Deutschland und Grup Tekkan. Das ist kein Zufall mehr. Der hat einen Riecher. Doch, wie monetarisiert man Bekanntheit und einen guten Riecher? Nur gut bloggen können, so dass man hin und wieder einen Massenauflauf erzeugt, reicht halt nicht. Jetzt noch nicht, weil allgemeine Blogosphäre in D zu klein ist? Also die Umstände? Stetige Einnahmen zu erzeugen beruht ja nicht auf One-Hit Wundern. Es geht um grundsolides Wirtschaften. Kurzum: Es gibt kein Patentrezept und wenn ich es hätte, wäre ich bald Sponsor in der Formel 1 :-) Das hört sich nicht so dolle an? Ein Blick über den Teich zeigt auf, dass die Blogkings wie Jason Calacanis und Nick Denton ohne finanziellen Background aus ihrem frühem Weblog-Imperium niemals eine Cash-Cow hätten erschaffen können. Sie haben sehr gute Schreiber bezahlt. Welcher Blogger macht das in Deutschland? Keiner (die unglücklichen Blogversuche der Verlage jetzt mal ausgenommen)! Hinzu kam der dicke Hype um Weblogs. Das hat deren Business stark begünstigt. Sie waren nun einmal diejenigen, die sich vor dem Durchstarten der Weblogszene früh und professionell aufgestellt hatten. Sprich: vernünftig Investieren, auch in die richtigen Schreiberprofis, den richtigen Riecher haben und darauf hoffen, dass der Markt die Dickschiffe aus dem Dock anhebt. Ob solche Konstellationen auch in D möglich sein werden, wer weiss das schon? Es werden sich aber auf jeden Fall auf der Ebene von Einzelunternehmern Blogs herauskristallisieren, die jetzt schon auf einem sehr guten Wege sind, via AdSense ihren Weg zu bestreiten. Noch wachsen diese Blogs unter dem Radarschirm und solange alle nur auf die A-Bloggeria schauen, können sie es auch konkurrenzlos tun :-) Auch wenn jetzt manch einem lange Ohren wachsen, eine Warnung: Ich würde mir diese Arbeit nicht antun. Es gehört schon viel Disziplin und Geduld dazu, die Früchte zu ernten. Die allermeisten Blogger könnten das nicht, weil einfach der Wille dazu fehlt.
    9. Welches Blogsystem empfiehlst du den Usern? WordPress? Oder hast du noch andere Favoriten?
    Wordpress hat sicher den Vorteil einer sehr großen Community. Ewig viele Plugins, Templates, Tipps und auch aktive Foren sind ein Faktor. Als Newbie-Blogger würde ich es mir sehr wohl überlegen, lieber auf einer Plattform wie Blog.de oder ähnliche Hosting-Blogs einzusteigen. Warum? Da dort die Vernetzungsmöglichkeiten aufgrund der Bauweise dieser Plattformen leichter sind als alleine im Meer von Milliarden von eigenständigen Websites zu bloggen. Ja, die Königsklasse mag ein eigenes Blog auf einer eigenen Domain sein. Und zugleich ein harter Weg, um wenigstens zu einigen Lesern zu kommen. Und dann sollte man mit einem eigenen Blogtool auch wissen, wie man Templates anpasst, ohne sich die Finger abzubrechen. Man sollte wissen, wie man Plugins installiert. Man sollte wissen, was HTML sein soll, etcpp… also was für die ganz Mutigen. Im Ernst: Blogtools wie Wordpress, Movable Type oder Expression Engine sind noch nicht so volkseasy. Das kann frustend sein. Obwohl die Tools eine Art von kleiner Revolution ausgelöst haben, um das Befüllen von Websites dramatisch zu vereinfachen. Und es steht noch eine weitere Evolution aus, die diese Tools für Jedermann/frau bedienbar macht. Aber man sieht es ja jetzt schon, worauf die Mehrheit der Blogger abfährt: Den großen Zulauf der User verspüren die Bloganbieten wie Blogger, Typepad, Blog.de, Twoday, MySpace etcpp… allesamt fertige, einsatzbereite, gehostete Lösungen. Dem User das Blog, die Technik sei die Sorge des Anbieters.
    10. Neben deinem eigenen Blog – wo im World Wide Web bist du noch aktiv? Gibt es Foren, wo du dich regelmäßig rumtreibst? Hast du einen eigenen Myspace, den du hegst und pflegst? Lädts du auf Youtube oder Sevenload Videos hoch? Oder bist du Flickr-Dauergast?
    Mein Blog und fertig. Der andere Krimskrams ist für mich ein Zusatz fürs Blog. Flickr (nicht mehr) für Bilder ins Blog hauen, Videos via YouTube oder Sevenload platzieren. MySpace kannst du mich jagen. Grusel. Flickr… hab kein Interesse an Fotos. YouTube als Konsument. OpenBC als Alibi-Netzwerker. Eines Tages werde ich mich wohl verstärkt in 3D Welten wie Second Life und Klonen rumtreiben. Und wenns geht, dort mein Blog mitnehmen. Wie? Technisch geht das doch… nicht… ah ja, so what. Eines Tages halt… und ich freue mich schon sehr darauf, denn mein Bauch sagt mir, dass die Erlebniswelt viel intensier sein wird als heute. An einigen Tagen kommt doch hin und wieder das Gefühl auf, wie eintönig doch diese Textwüsten sind. Ewig lesen, lesen, lesen. Wir sind doch keine Bücherwürmer. Unendliche Textwüsten haben auf Dauer keine Chance gegen 3D Welten. Aber, hehe, ich werde mich auch gedulden, bis diese simulierten Welt filigraner werden. Noch sind die Interaktionsmöglichkeiten zu grob und zu eingeschränkt.
    11. Wie gelangst du an den Großteil deiner Informationen? Welche Portale oder andere Kanäle nutzt du dafür?
    Mailing, RSS, Blogs, Suchmaschinen, Alerts, Telefon, RL Gespräche, Telephatie .-)
    12. Man kommt zur Zeit wohl am Schlagwort Web 2.0 nicht vorbei. Wie ist deine Meinung zu diesem Thema? Ein unerklärlicher Hype? Eine logische und konsequente Weiterentwicklung des Internets? Und was entwickelt sich daraus aus deiner Sicht in der Zukunft?
    In meiner Definition ist Web 2.0 die Manifestation dessen, dass das Web nach dem Crash eben nicht gescheitert ist. Dass die User das Web eben doch immer stärker in ihren Alltag integrieren. So wie ein Telefon heute keinen mehr vom Hocker haut, anno 1900 aber schon. Mehr in Web 2 hineinzuinterpretieren wäre Marketing. Die Entwicklungen sind ja schließlich allesamt sehr, sehr langfristig, wenn auch die Schritte im Jetzt groß aussehen mögen. Aber hey, was ist schon “groß”, dass man etwa Texte nun auch auf Webseiten lesen kann, statt auf Papier oder Stein? Technisch gesehen stellt das eine Entwicklung von “lediglich” 3000 Jahren dar. Wie lange hat es gedauert, dass die Leute von Pferden auf Autos umgesattelt sind? Fast ein Jahrhundert? Was ich damit wegen Web 2 sagen will: Man spricht von zunehmender Dynamik, alles wird schneller, immer mehr Webseitenapplikationen kommen raus, doch bis Menschen etwas in breiter Masse annehmen, vergehen Jahrzehnte. Also Gemach mit den Pferden, Web 2.0 ist kein Raketenstart in eine neue Welt. Web 2.0 ist ein Buzzword, mit dem manche hat gutes Geld verdienen, ihr gutes Recht. IT-Historiker werden evtl. erst in 50 Jahren dieses Jahrzehnt beurteilen können, was es wirklich gebracht hat. Ob das Web 2 vielleicht doch was Entscheidendes war oder nur etwas leicht turbulentere Jahre.
    13. Siehst du ein echtes Potential für Crowdsourcing-Projekte hier in Deutschland? Oder meinst du eher, man sollte die Finger davon lassen, weil sich damit kein Geld verdienen lässt? (Diese Frage stelle ich u.a. auch aus rein egoistischen Gründen. Denn ich plane mich in diesem Segment noch stärker als bisher zu engagieren.)
    Warum sollte ein Unternehmen nicht einen Teil der aktiveren Kunden enger einbinden? Der Kunde entscheidet über Wohl und Wehe. Die Firma kann proaktiv oder passiv steuern. Warum also nicht so früh wie möglich die Kunden quasi um Rat und Tat bitten? Und wenn die Kunden tatsächlich sogar eigene Produktlinien kreieren und fürs Buzz sorgen, genial. Fragt sich halt nur, ob man genügend Kunden akkumulieren kann, die zu diesem Tipping Point führen. So dass andere Kunden davon profitieren, weil die Produkte tatsächlich passgenauer werden. Es kann aber speziell in D ein etwas größeres Problem sein, die Begeisterungsfähigkeit der Kunden zu wecken. Manche Nationen sind ja von Grund auf etwas distanzierter und reservierter. Wozu ganz sicher die Deutschen und die Briten gehören. Die Briten haben den Vorteil für Firmen, dass sie mE auch gerne plemplem sind. Deutsche neigen viel eher zur Krümelkritik und plemplem zu sein, ist kein erstrebenswerter, sozialer Status hier. Letztlich sind das aber sicher nur Tendenzen und super grobe Schubladenschiebereien. Hey, unter 80 Mio Einwohnern in D und 40-50 Mio Websurfern werden genug dabei sein, die man aktivieren und begeistern kann.
    14. Zum Schluss noch eine Frage, die dir wohl schon dutzende Male gestellt wurde. Aber es muss einfach sein: Was macht ein gutes Blog aus? Was empfiehlst du allen, die ein eigenes Blog starten wollen?
    Ohwehh, ich bin müde. Also: Irgendwie eigener Inhalt, auch wenns wie bei einem DJ gemixt wäre, eigene Sprache, eigene Kanten und Ecken, das nennt man wohl Wiedererkennbarkeit. Liebe zur virtuellen Kommunikation, Neugier, Offenheit, Experimentierfreudigkeit. Aber ganz ehrlich: Im Kern glaube ich nicht daran, dass es ein mathematisches Grundprinzip gibt. So wenig, wie es bisher Psychologen gelungen ist, Liebe zu erforschen. Warum kommen zwei Partner zusammen? Na? Siehste! Nun könnte man sich btw fragen, ob Single-Agenturen nicht allesamt etwas versprechen, was mehr dem “Zufall” unterliegt. Zufall i.S.v. etwas Undefinierbarem. Es gibt Typen, auf den stehen die Männer/Frauen. Es gibt Blogger, auf den stehen die Leser. Aber was es ist? Ich habe keine Ahnung. Ganz, ganz ehrlich. Jeder ist anders. Jeder bloggt anders. Jeder tickt anders. Jeder fühlt anders. Jetzt erschaff mal daraus ein Erfolgskonzept. Man kann lediglich bestimmte Eckpunkte einhalten. Aber das ist nur das Drumherum. Wie man sich aber innerhalb dieser “Grenzen” bewegt, darauf kommt es an. Ich nenn es irgendwie Rock&Roll. Es muss den User berühren. Berührt es ihn nicht, ist man ein 08/15 Blogger. Auswechselbar, ohne Face. Mit der Zeit entwickelt man eine Art Bauchgefühl für Dinge, die einen selbst und die Leser interessieren. So ein individuell geeichtes Matching kannst Du aber kaum auf andere Blogger übertragen. Der muss als Person seinen eigenen Weg finden. Wie heisst es bei Matrix? Durch die Tür musst Du selbst gehen, ich kann Dir lediglich die Tür zeigen. Oder so ähnlich. Das ist das, was ich manchmal bei Interessierten rüberbringen muss. Der bloggen will, gut bloggen will. Entweder ich packe es, aus ihm herauszukitzeln, wie er tickt und was ihn wirklich interessiert. Dann kann ich ihm möglicherweise seinen eigenen Weg aufzeigen. Oder dir gelingt es nicht, ein erkennbares Bild vor seinem geistigen Auge zu zeichnen. Das ist der Grund, warum es kein Standardschema gibt. Eventuell trifft es das: Wo Menschen sind, menschelt es. Jeder ist eigen. So auch sein “Blogstyle” und “Blog-Weg”.
    Hier noch ein paar Standardfragen, die wir jedem Interviewten stellen und die einfach sein müssen:
    a) Du wurdest wann und wo geboren?
    1966, Zagreb/Kroatien
    b) Hast Du irgendwas studiert oder eine andere Ausbildung genossen?
    BWL, Dipl-Kfm (wo ist eigentlich der Schein, lol)
    c) Welche Webseiten besuchst Du regelmäßig und warum?
    RSS-List, Bookmarks, Zufall, Blogs halt, warum aber? Weils mich interessiert.
    d) Was sind Deine Lieblingsseiten? Welche sind Deiner Meinung nach extrem gelungen?
    Weblogs. Pure Human .-)
    e) Wohin willst Du unbedingt mal reisen?
    In die Galaxis, kein Scherz, leider werde ich das nicht erleben können.
    f) Wen würdest Du selbst gern mal interviewen?
    Madonna, bitte nicht lachen, ich bewundere diese Frau für ihre Wandlungsfähigkeit und Geschäftssinn. Auch Richard Branson, die Marketingsau schlechthin im positiven Sinne.
    g) Von wem würdest Du Dir Artwork ins Wohnzimmer hängen?
    kein Interesse an Kunst
    h) Stehst Du auf Designer-Action-Toys? Und wenn ja – von wem steht was auf Deinem Schreibtisch? Deine eigenen?!
    kA, was ist das?
    i) Deine Lieblingsband/Sänger/Sängerin? (drei bis zehn Stück)
    wie es kommt; Lieblinge habe ich keine, aber eher alte Schinken als neue.

  • Interview mit Eduardo Recife (Brasilien)

    Matias Roskos
    21. August 2005, 17:08 Uhr, 1 Reaktion
    Kategorie: Allgemein
    1. Viele kennen Dich als exzellenten Font-Designer, der immer wieder ausgefallene Schriften kreiert, weit ab vom Mainstream. Andere wiederum kennen Dich aufgrund Deiner digitalen Kunstwerke. Als was siehst Du Dich selbst? Fontdesigner, Digital-Artist? Künstler?
    Mir haben diese etikettenhaften Bezeichnungen noch nie gefallen. Und manchmal stören mich die Begriffe “Künstler” und “Designer” schon ein wenig. Besonders weil sich heutzutage jeder x-beliebige einfach Designer oder Künstler nennen kann. Das ist irgendwie in Mode gekommen. Ich mache von allem ein bisschen was…
    2. Du hast im Frühjahr 2005 etliche Ausstellungen in den USA bestückt. Erzähl uns mehr darüber. Wie kam es dazu? Wo überall warst Du mit Deinen Werken? Was genau hast Du ausgestellt? Prints? Wie gut hast Du verkauft? Kamen Aufträge dadurch rein?
    Es fing so an, dass ich Einladungen von … erhielt, ob ich meine Arbeiten nicht auf ein paar Ausstellungen zeigen möchte. Ich habe meine Zeit nie dahingehend ausgerichtet, dass ich Kunst als Hauptjob machen wollte… Ich liebe es daran zu Arbeiten, aber manchmal ist die Zeit einfach nicht auf deiner Seite, da ich noch an ein paar Werbungssachen arbeite, von denen ich immer noch hauptsächlich lebe. Manchmal muss ich mir Zeit für die Kunst nehmen und kann nicht an den Werbeprojekten arbeiten, weil Kunstarbeiten für die Ausstellungen fertig werden müssen. Ich mache meistens gemischte-Medien-Zeichnungen auf Tafeln(?) (Akrylfarbe und Bleistift). Die Kunstwerke werden gewöhnlich in der Eröffnungsnacht verkauft, also gibt es eine großartige Reaktion. Außerdem verkaufe ich die meisten Werke (Zeichnungen) online, geradewegs von der Website.
    3. Ist es schwer oder eher leichter, als Brasilianer in der weltweiten Designszene auf sich aufmerksam zu machen? Betrachten Dich die Leute als Exoten oder war es scheißegal, wo Du herkamst?
    Ich vermute, dass das nicht wirklich relevant ist. Komisch ist nur, dass die meisten Kunden, Website-Besucher und Emails nicht aus Brasilien kommen.
    4. Ich habe in einem Interview von Dir gelesen, dass Du am liebsten richtige Post bekommst und dass Du schon die verrücktesten Sachen in Deinem Briefkasten gefunden hast. Erzähl mal!
    Ja, es ist immer toll Sachen per Post geschickt zu bekommen. Vor zwei Jahren habe ich einen Karton voll mit Fotos, Zeitungsausschnitten, Postern usw. erhalten. So etwas macht den Tag zu einem guten Tag. Ich bekomme eine Menge Artwork, CD’s, Bücher und das sind zum Teil richtig gute Sachen. Aber das absurdeste war das Foto von einem nackten Typen, das zusammen mit einem Brief bei mir eintraf.
    5. Du arbeitest als Freelancer, richtig? Planst Du für die Zukunft eine eigene Agentur, mit Mitarbeitern, Büros und ähnlichem? Oder wirst Du für immer und ewig ein Einzelkämpfer bleiben?
    Ja, z.Zt. arbeite ich als Freelancer. Ich bereue nichts, außer das ich alleine arbeite. Es ist SEHR langweilig. Auf der anderen Seite möchte ich aber keine Agentur starten… man muss sich einfach um zu viele Dinge kümmern. Ich mag es, wenn ich meinen eigenen Zeitplan machen kann und Zeit habe an meinen persönlichen Dingen zu arbeiten… Aber es wäre auch nett einen Platz mit ein paar anderen Leuten zu teilen, die genau das gleiche machen… Das war eigentlich mein Plan für 2005, aber es hat nicht geklappt.
    6. Woher kommt der Großteil Deiner kommerziellen Aufträge? Aus Brasilien? Südamerika? USA? Asien? Europa?
    Wenn du die Aufträge für (Werbe)schriftarten meinst – kann ich gar nicht genau sagen, da “Myfonts” sich darum kümmert. Aber die meisten Website-Besucher und Klienten kommen aus den USA.
    7. Wie schon gesagt – man kennt Dich vor allem aufgrund der zahlreichen Freefonts, die Du ins Netz gestellt hast und aufgrund Deines Artworks. Machst Du eigentlich auch Webdesign? Also das Design für Webseiten?
    Ich habe schon ein paar Websites gemacht. Es ist aber nicht das was mir am meisten Spaß macht. Besonders weil ich dabei mit einem Programmierer (html, asp, etc…) arbeiten muss. Außerdem ist Webdesign sehr zeitaufwändig, weil man sich ständig um irgendwas kümmern muss, ändern, updaten… Und ich mag es nicht an einem Projekt über einen längeren Zeitraum zu arbeiten. Also arbeite ich hauptsächlich mit Illustrationen und Drucken.
    8. Gibt es schon konkrete Projekte für das Jahr 2006? Auf welchen Konferenzen werden wir Dich sehen?
    Soweit sehen die Pläne so aus ein paar Sachen misprintedtype, T-Shirts, Poster und ein paar limited-Editions zu machen. Ich bin kein großer Fan von Konferenzen und Reden halten etc.
    9. Was ist für Dich typisch brasilianisch? Wir in Europa haben ja etliche Klischees für Deine Heimat: bildschöne Frauen, grandiose Fußballer, endlos lange und überfüllte Strände, Großstädte voll Kriminalität… Korrigier doch mal ein wenig unser Bild!
    Alles was du gesagt hast ist wahr. Natürlich sind nicht alle Städte voll von Kriminalität, aber Gewalt ist schon präsent… Wir haben ein paar paradiesische Plätze, Strände, Wasserfälle, Berge und das Wetter ist fantastisch! Auf der anderen Seite haben wir große Armut und eine sehr korrupte Politik, die das Land zu dem machen wie ist.
    10. Gibt es Grafik-Designer und/oder Künstler, die Du bewunderst? Die Vorbilder oder Inspirationsquellen für Dich sind?
    Das ist immer eine schwierige Frage… Ein paar Leute die ich bewundere, sind Fred Otnes, Cy Twonbly, NeasdenControlCentre und eine ganze Reihe mehr von zeitgenössischen Künstlern.
    Hier noch ein paar Standardfragen, die wir jedem Interviewten stellen und die einfach sein müssen:
    a) Du wurdest wann und wo geboren?
    Belo Horizonte/Brasilien – August 1980
    b) Hast Du irgendwas studiert oder eine andere Ausbildung genossen?
    Ich bin zu einer Designerschule hier in Brasilien gegangen, aber glaub mir, ich bin trotzdem Autodidakt.
    c) Welche Webseiten besuchst Du regelmäßig und warum?
    Fecalface, Surfstation und Brasilinspired, um zu sehen, was in der Kunst-/Designwelt so abgeht.
    d) Was sind Deine Lieblingsseiten? Welche sind Deiner Meinung nach extrem gelungen?
    Fecalface, Youworkforthem, etc… Ich mag Webseiten die von Starvingeyes.com designd sind.
    e) Wohin willst Du unbedingt mal reisen?
    Nach Thailand und Kuba.
    f) Wen würdest Du selbst gern mal interviewen?
    g) Von wem würdest Du Dir Artwork ins Wohnzimmer hängen?
    Von so vielen Leuten. Meine Top 5 sind: Clayton Brothers, KGBE Rotgut, Chris Lindig, Camille Rose Garcia and Wayne Bertola.
    h) Stehst Du auf Designer-Action-Toys? Und wenn ja – von wem steht was auf Deinem Schreibtisch?
    Daran bin ich nicht sonderlich interessiert…
    i) Deine Lieblingsband/Sänger/Sängerin? (drei bis zehn Stück)
    Tool, Placebo, Digitaria, Radiohead, New Order, Foo Fighters, Bad Religion, Lagwagon, Millencolin und ich höre mir immer noch Nirvana an.
  • Interview mit Pascal Leroy (Belgien)

    Matias Roskos
    14. Juli 2005, 16:44 Uhr, 0 Reaktionen
    Kategorie: Allgemein
    1. Erst einmal herzlichen Glückwunsch zum großartigen Erfolg von Group94 in den vergangenen zwei Jahren! Kaum eine Agentur in Europa wurde so oft erwähnt, wenn es um die besten Webprojekte ging.
    Ihr überzeugt immer wieder durch ungewöhnliche Flash-Seiten, bei denen Ihr immer wieder neue Navigations-Ideen gekonnt umsetzt. Ist Flash Eure größte Stärke?
    Danke schön. Ja, es ist wahr, dass Group94 eine Menge Aufmerksamkeit durch die Design-Community erhalten hat und ich müsste lügen, würde ich behaupten, das uns das kalt lässt. Wir investieren viel Aufmerksamkeit in jedes kleine Detail unserer Projekte und es fühlt sich großartig an, das andere Designer diese Bemühungen zu würdigen wissen. Das zeigt mir, dass unsere Visionen und unsere Entscheidungen richtig waren.
    Das ultimative Ziel in jedem Projekt ist es für uns das bestmögliche Medium als Schaufenster für das Produkt unseres Kunden bzw. die Vermittlung seiner Message zu finden. In der konzeptionellen Phase versuchen wir so offen wie möglich zu sein und so kann es durchaus passieren, dass das Ergebnis eine ganz unkonventionelle Seite ist oder aber eine ungewöhnliche Navigation entsteht, wenn wir der festen Überzeugung sind, dass dieses die beste Lösung ist. Aber eine innovative Navigation ist nie das Ziel an sich!
    In dieser Hinsicht ist Flash eine Software, die es uns erlaubt zu realisieren was immer uns in den Sinn kommt. Und: ja, wir haben mit der Zeit gelernt was Flash alles kann (oder auch nicht).
    2. Wie viele Leute gehören zu Group94? Wie viele davon sind Flasher?
    Wir sind bei Group94 sechs Leute, ein Projektmanager und fünf Leute im Studio, davon vier die täglich mit Flash arbeiten. Im Normalfall ist jeder von uns in alle Projekte integriert und die Aufgaben sind nicht streng abgegrenzt. Ich pflege zu sagen: bei Group94 machen Programmierer das Design und Designer programmieren. War ein Witz! Aber grundsätzlich ist jedes Projekt das Ergebnis unserer Teamarbeit.
    3. Woher kommt der Name Group94?
    Das ist ein wohlbehütetes Geheimnis und nur ganz wenige wissen woher der Name kommt. Wenn mich Leute danach fragen, erkläre ich ihnen immer, dass sie enttäuscht wären, wenn sie es wüssten, weil der Ursprung des Namens so banal ist. Ich erinner mich noch gut an die Enttäuschung auf den Gesichtern der wenigen, denen ich es erzählt habe. Also – lassen wir es ein Mysterium bleiben!
    4. Group94 ist eine Agentur in Belgien. Seht Ihr Euch mehr als belgische Agentur oder schon eher als europäischer Dienstleister?
    Einer der sicherlich interessantesten Aspekte im Internet zu arbeiten ist sicherlich die Tatsache, dass die ganze Welt nur einen Mausklick entfernt ist.
    Wir sind vertraglich verbunden mit Kunden überall auf der Welt. Natürlich ist ein Meeting mit einem Kunden, sagen wir aus Brüssel, einfacher. Aber wir haben die Erfahrung gemacht, dass der Kontakt per Email und Telefon für alle Beteiligten genauso zufrieden stellend sein kann. Und die Ergebnisse solch interessanter Projekte wie www.bale.com.au (es liegt auf der Hand, das wir nicht zu einem Meeting nach Australien rüber geflogen sind) oder das Präsentations-System für RMJM Asien, das wir gemacht haben (hier trifft das Gleiche zu, denn sie sitzen in Hongkong) zeigen das deutlich.
    Ich habe auch nie den Fotografen Douglas Fisher getroffen. Auch nicht Sean Kennedy Santos. Ihn traf ich erst, als das Projekt fertig gestellt war.
    Auf der anderen Seite erfordern sehr komplexe Projekte durchaus auch Treffen, bei denen die Betreffenden physikalisch anwesend sind. Zurzeit arbeiten wir an der Überarbeitung der Seite von Magnum Photos. Größe und Komplexität dieses Projektes erfordern definitiv Meetings, bei denen wir zusammen an einem Tisch sitzen.
    Aber ich würde es auch nicht als Strafe ansehen für ein Meeting nach New York fliegen zu müssen!
    5. Wohin geht der Trend Deiner Meinung nach hin im Jahr 2006? Wird es immer mehr Flash-Seiten im Netz geben? Wird es bald auch verstärkt Flash für Handy-Applikationen geben?
    Ja, das denke ich auch. Das Internet wird immer wichtiger im Alltag jedes Einzelnen. Jeder Geschäftsmann hat begriffen, dass die Präsenz im Internet wichtiger ist als alle anderen Kommunikationskanäle. Und dieser Bereich muss professionell umgesetzt werden. Es gibt ausreichend zu tun für uns alle und das ist gut so.
    6. Arbeitet Ihr auch für Handy-Content-Anbieter?
    Wir arbeiten für einen der größten Internet-Provider hier im Lande. Und dieser wiederum ist Teil des größten Mobilfunkanbieters Belgiens. Auf eine gewisse Art tun wir es also tatsächlich schon.
    Aber wir programmieren bisher keine Inhalte für PDA’s oder Handys. Und um ehrlich zu sein, wir sind nicht sonderlich interessiert das zukünftig zu tun. Ich bevorzuge es Designs zu entwerfen, die für einen 17 Zoll-Monitor gedacht sind.
    7. Erzähl was über Deine Ziele und Hoffnungen für 2006 und Group94.
    Es wäre toll, wenn alles so bleiben könnte wie es ist. Wir sind ein kleines Team von engagierten Leuten. Das erlaubt uns sehr fokussiert für die Art von Projekten zu arbeiten, für die wir bekannt sind.
    Wir haben mehr Angebote wie wir annehmen können. Von daher würde es schon Sinn machen zu expandieren. Aber meine Angst ist es, das in einer größeren Struktur die Qualität unserer Arbeit leiden würde. Und das will ich auf gar keinen Fall.
    8. Wie und wo entspannst Du am besten, wenn Du mal nicht arbeitest?
    Was bedeutet das: “nicht arbeiten”?
    9. Gibt es eigentlich eine Familie? Frau und Kinder? Oder ist Group94 Deine Familie?
    Die Antworten lauten: Ja. Ja. Nein.
    10. Warum gibt es in Belgien eigentlich so verdammt leckeres Bier?
    Mann, echt keine Ahnung. Aber ich hoffe, dass ich es eines Tages rausfinde, und aus dem Grund trinke ich es literweise. Ich werde nicht aufgeben, und ich halte Dich auf dem Laufenden, wenn Du willst. ;)
    11. Wann bist Du mal in Berlin, damit wir zusammen einen leckeren Cocktail trinken können? Sehen wir Dich vielleicht zur Fußball-WM in Berlin? Auch wenn Belgien es mal wieder nicht schafft.
    Mach keinen Fehler, Junge! Belgien schafft das noch. Und dann ist es Fakt, dass wir Deutschland im Viertelfinale raushauen. Klar werde ich da sein. Und Du wirst mich unbedingt treffen wollen, weil mein Kofferraum dann voll sein wird mit feinstem belgischen Bier!
  • Interview mit Rainer Michael (Deutschland)

    Matias Roskos
    14. Juli 2005, 16:38 Uhr, 0 Reaktionen
    Kategorie: Allgemein
    1. Rainer, erzähl doch mal ein bissel über das WM-Team. Wann wurde die Agentur gegründet? Wie lange habt Ihr gebraucht, um auf diesen Namen zu kommen?
    Das WM Team wurde Ende 1999 gegründet. Der Name setzt sich aus den Anfangsbuchstaben der Gründer – Constantin Weimar und Rainer Michael – zusammen. Die Ergänzung “Team” ist allerdings der wichtigste Teil, denn wir setzen auf Teamarbeit. Der Name war eigentlich recht schnell gefunden und zum Glück waren alle wichtigen Domains noch frei…
    2. Wieviel Leute seid Ihr mittlerweile? Und wie ist die Aufgabenverteilung, vor allem bei Euch beiden Gründern?
    Wir sind momentan 9 Leute. Dazu kommen einige Freelancer, die uns bei speziellen Aufgaben unterstützen. Constantin Weimar kümmert sich eher um den Kundenkontakt, die Aquisition und die Konzeption. Ich bin für das Design und die Produktion zuständig.
    3. Mit dem Flash-Award in New York … Wann war das? Und: wie war das? Erzähl mal (noch mal).
    Der Award in New York ist schon eine ganze Weile her – 2001. Da haben wir unsere eigene Webseite eingereicht – übrigens die erste Webseite, die wir komplett in Flash umgesetzt haben. Damals kannten wir die Flash-Szene noch gar nicht und waren über den plötzlichen Erfolg doch etwas überrascht.
    4. Könnt Ihr die alte, berühmte WM-Team-Seite mit den Bauarbeitern überhaupt noch sehen? Ich finde sie nach so langer Zeit übrigens immer noch extrem gelungen!
    Wir müssen uns die alte Seite gar nicht mehr ansehen, denn wir arbeiten aktuell an der neuen. Trotzdem danke für das Lob! Ich hoffe, die neue Seite wird dir auch gefallen. Die Bauarbeiter – unsere “Worker” – sind natürlich wieder dabei!
    5. Wer hat die Illustrationen gemacht und wer hat die Seite programmiert?
    Die Basis der Seite stammt von mir – also der Worker, die Art der Animation, das Intro, etc… Dazu kamen eine Menge Ideen, Animationen und die Programmierung aus dem Team.
    6. Woher stammt die Idee für diese Fabrik bzw. Baustelle?
    Die Idee für die Worker stammt aus unserem Team-Gedanken. Wir sehen das WM Team nicht als eine Künstler-Truppe sondern eher als “Anpacker”. Da passte der “ehrliche” Arbeiter, der die Ärmel hochkrempelt und loslegt, einfach gut zu uns.
    7. Nach dem Flash-Award wart Ihr sozusagen berühmt. Hat man das gespürt? Gab es jeden Tag 10 Praktikantinnen, die bei Euch anfangen wollten? Gab es mehr und interessantere Aufträge?
    Wir haben eine Menge Mails aus aller Welt bekommen und der Traffic ging so beängstigend nach oben, dass wir Sonderkonditionen mit unserem Provider aushandeln mussten um nicht in finanzielle Schwierigkeiten zu kommen – schließlich war Traffic damals teuer und wir waren gerade frisch gegründet…
    Der Award-Gewinn hat uns erst etwas gebracht, als wir selbst die Pressearbeit angekurbelt haben – schließlich kannten hierzulande nicht viele Menschen den Flashforward – Award. Danach zeigten dann aber auch größere Firmen Interesse und hörten genauer hin.
    Dazu kamen natürlich eine Menge Bewerber – auch weibliche – die bei uns anfangen wollten und wir suchen immer gute Leute. Aber wir gelten mittlerweile als Praktikantenschreck, weil unsere Anforderungen sehr hoch sind. Kaffee kochen und dabei gut aussehen reicht bei uns nicht…
    8. Wer sind Eure wichtigsten Partner? Bahlsen, richtig? Wer noch?
    Also momentan arbeiten wir sehr viel für die Continental AG. Deren Fanportal zur Fußballweltmeisterschaft – die Contifanworld – wird von uns gepflegt und ständig erweitert. Ausserdem haben wir gerade einige Arbeiten für Bahlsen und Sennheiser fertiggestellt und arbeiten jetzt wie gesagt an der neuen WM Team Seite.
    9. Wie sieht die Zukunft vom WM-Team aus? Wie soll es wohin weitergehen?
    Wir bleiben wo wir sind: Das WM Team macht Entertainment im Web. Das können wir, da haben wir Spaß dran und es macht auch Sinn für unsere Kunden. Aber, da sich Flash weiterentwickelt und neue Plattformen erobert, werden wir uns mitentwickeln.
    10. Ich hab gehört, Ihr wollt Dependancen in London und Berlin eröffnen. Stimmt das?
    Nein, woher hast du das denn? Wir arbeiten hauptsächlich für deutsche Firmen und sehen unseren Schwerpunkt in Deutschland. Trotzdem arbeiten wir natürlich gern auch international, wenn das Interesse da ist.
    11. Arbeitet Ihr auch an Handy-Content?
    Wie gesagt, wenn Flash soweit ist, sind wir es auch. Sobald Flashlite eine Verbreitung erreicht hat um für unsere Kunden attraktiv zu sein, werden wir entsprechende Anwendungen anbieten. Ich glaube, wir können unsere Fähigkeiten im Mobile-Bereich gut einsetzen.
    12. Ihr arbeitet extrem viel mit Flash. Würdest Du das als Eure besondere Stärke bezeichnen? Seid Ihr eine reine Flash-Agentur oder macht Ihr auch andere Webseiten und Print-Geschichten?
    Also, ich würde uns ungern als Flash-Agentur bezeichnen. Unsere Games entstehen ja mindestens zur Hälfte in Photoshop… Aber, wenn man Entertainment im Web macht, kommt man um Flash nicht herum und wir setzen sehr darauf. Es gibt einige Jobs, die einen gewissen HTML Anteil haben. Aber Print ist uns unheimlich, das können andere besser…
    13. Die meisten Agenturen sitzen in Hamburg, Berlin, München oder Düsseldorf. Ihr in Hannover? Was reizt Euch so an Hannover? Weil es Eure Heimat ist? Oder was noch? Erklär mal.
    Hannover ist angenehm unspektakulär und man kann hier sehr gut arbeiten. Aber du hast Recht, Hannover ist halt unsere Heimat und es gibt keinen Grund zum Umziehen.
    Hier noch ein paar Standardfragen, die wir jedem Interviewten stellen und die einfach sein müssen:
    a) Du wurdest wann und wo geboren?
    Am 9. August 1970 in Hannover-Langenhagen.
    b) Hast Du irgendwas studiert oder eine andere Ausbildung genossen?
    Ich habe Werbekaufmann gelernt, habe aber schon mit 16 meine ersten Grafik-Jobs gemacht und mein eigenes Geld verdient – hauptsächlich mit Games. Studiert habe ich nie, dafür war keine Zeit…
    c) Welche Webseiten besuchst Du regelmäßig und warum?
    Eigentlich keine. Wir schicken uns intern sehr viele Links mit neuen Sachen und da bin ich selten auf Design-Portalen, oder so…
    d) Was sind Deine Lieblingsseiten? Welche sind Deiner Meinung nach extrem gelungen?
    Lieblingsseiten habe ich nicht, aber bei den letzten Flashforward-Nominierten waren einige sehr gute Sachen dabei…
    e) Wohin willst Du unbedingt mal reisen?
    Ich würde mir gern mal Asien ansehen. Wenn ich den Computer irgendwann an den Nagel hänge, dann würde ich gern nach Spanien ziehen – ans Meer…
    f) Wen würdest Du selbst gern mal interviewen?
    Irgendeinen Superstar – nur um zu erfahren, dass es gar nicht so cool ist, ständig von weinenden Menschen angekreischt zu werden. Vielleicht auch nicht…
    g) Von wem würdest Du Dir Artwork ins Wohnzimmer hängen?
    Puh, momentan habe ich eine Serie von Skateboard-Decks von Girl im Wohnzimmer hängen. Und bei den Fox-Hotel-Projekt haben einige Designer gute Arbeit abgeliefert, z.B. die Jungs von Viagrafik oder Tokidoki – das könnte ich mir auch vorstellen…
    h) Stehst Du auf Designer-Action-Toys? Und wenn ja – von wem steht was auf Deinem Schreibtisch? Deine eigenen?!
    Nee, Jo – der Junior AD aus dem Team – hat den ganzen Schreibtisch voll damit und ich habe direkt einen fetten Jason aus “Freitag der 13te” zur Abwehr aufgestellt. Ich bin eher der DVD-Sammler (bald 300 Stück)…
    i) Deine Lieblingsband/Sänger/Sängerin? (drei bis zehn Stück)
    Ich mag elektronische Musik, z.B. Prodigy oder Front 242. Ausserdem gefallen mir einige der deutschen Bands wie Mia und Wir sind Helden ganz gut. Dazu noch ein paar derbe Gitarren und ich bin glücklich.