Im aufwendig produzierten, neuen Video von KIZ haben sich die Berliner Rapper die Ästhetik des Film noir zu eigen gemacht und verarbeiten eine Vielzahl an Referenzen auf die Klassiker des Genres.
Im aufwendig produzierten, neuen Video von KIZ haben sich die Berliner Rapper die Ästhetik des Film noir zu eigen gemacht und verarbeiten eine Vielzahl an Referenzen auf die Klassiker des Genres.
Die Woche wird es wieder etwas dunkler und (post)moderner mit A Scanner Darkly von Richard Linklater (2006).
A Scanner Darkly basiert auf dem gleichnamigen Roman von Philip K. Dick, einer dystopischen Geschichte über die Auflösung des Individuums in einer von Überwachung geprägten Gesellschaft, Drogensucht und Selbstverlust. Richard Linklater hat eine einzigartige Ästhetik entworfen, die allerdings auch etwas gewöhnungsbedürftig ist. Alle Szenen wurden real gefilmt und dann in Comicform übersetzt bzw. überzeichnet. Dadurch wirkt die hier entworfene Welt auf seltsame Weise realer, als es im Comic sonst der Fall ist, gleichzeitig jedoch auch abstrakter, versetzter und verzerrter. Die Geschichte ist ein klassisch existenzielles Verwirrspiel, die ihre Tiefe und Komplexität insbesondere den hervorragenden (wenn auch sehr langen) Dialogen verdankt. Woody Harrelson und Robert Downey Jr. liefern in jeweils ihrer Version durchgeknallter Süchtiger eine glänzende Vorstellung, die Spannung bleibt bis zum unvorhersehbaren Ende erhalten. Die Demarkationslinie zwischen Gut und Böse verschwimmt und niemand kann sich mehr sicher sein, wo er eigentlich steht – oder wer er überhaupt ist. Ein Film nicht nur für Exzentriker und Philosophen.
Diese Woche empfehle ich einen mehr als literarisch inspirierten Film: Kafka von Steven Soderbergh (1991).
Das tolle an dem Film ist, dass es sich streng genommen nicht um eine Romanverfilmung handelt. Vielmehr bedient sich der Regisseur frei an der absurden Motivik des Schriftstellers, die doch eigentlich so ganz unserer Welt entlehnt ist, und legt kurzerhand wesentliche Teile der Handlungen von Kafkas Das Schloß und Der Prozeß zusammen; ergänzt durch freie Interpretation im Geiste des Film Noir. Den philosophisch-existentialistischen Fokus abzuschwächen, ohne die Absurdität des Zufalls zu verabschieden und eine gleichsam spannende wie unterhaltende Geschichte zu erzählen, das ist die große (Eigen-)Leistung des Films und seines Machers. Dem Kritiker mag hier zu wenig Eigeninitiative am Werke sein. Doch gerade die Verweigerung einer allzu artifiziellen Interpretation auf der einen Seite und wortgetreuer Romanverfilmung auf der anderen, dafür aber ein vornehmlich visuelles System der Referentialität und Rekombination sowie die Betonung des kafkaesken Humors sind mir eine willkommene Abwechslung in der sonst so tristen und ernsthaften Rezeption des Schriftstellers, der die Postmoderne (oder Moderne, wie es beliebt) erfunden hat. Persönlich lese ich in Kafkas Werken nicht nur Schwermut, sondern auch einen überragend feinen Sinn für Humor, durchwirkt von Liebe, Verständnis und Verzeihen. Oder wie Albert Camus schrieb: „Sein [Kafkas] unglaublicher Urteilsspruch spricht diese hässliche und erschütternde Welt schließlich frei, in der selbst die Maulwürfe noch zu hoffen wagen.“