
Zwei Etagen des neuen Berliner Postbahnhofs sind mit den Kunstwerken der Ausstellenden auf der STROKE.ARTFAIR geschmückt, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, Streetart bzw. urbane Kunst wirtschaftlich zu verarbeiten. Die Perspektive scheint mir eindeutig: Vermarktung. Die Künstler präsentieren sich und ihr Schaffen an weißen Trennwänden, einige gestalten ihre Bereiche detailverliebt, kreieren echte Räumlichkeit, gestalterische Mikroatmosphären. Modisch gekleidete Damen und Herren schwirren durch die Halle, in Stöckelschuhen und schwarzen Strumpfhosen schlürft die Damenwelt Cocktails und wirkt hier und da verloren zwischen dem zeitgenössischen Ausdruck von Gesellschaftskritik samt Auflagenangabe und Preisschild, Sponsorenständen und der Bar. Kunstsammler versuchen Wertsteigerungen zu berechnen, ein Bild zeigt ein kleines Mädchen, das sich aus einem Maschinengewehr formt, darunter steht “Wir wissen nichts außer der Lüge” – 680 Euro bitte!
Streetart mutiert hier zu einer Mischung aus Lifestyle Event und Kunstmarkt. Dem trägt auch die Untertiteländerung Rechnung: Kunst für das 21. Jahrhundert. Urbane Kunst war gestern, die Ästhetik wird beibehalten, die Seele trägt nun Preisschilder. Ich schaue mir die Kunst des 21. Jahrhunderts lieber auf der Straße an, dort, wo sie meiner Meinung nach hingehört.



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