Das hier ist wirklich grandioser Scheißdreck! Man verzeihe mir meine Ausdrucksweise *Räusper*. The ROCK’N'ROLL Wrestling Bash ist eine Trashveranstaltung vom Feinsten. Am mexikanischen Vorbild orientiert prügeln sich absurde Athleten in Masken wie El Mariachi, Colonel Killerfuck und Rockin’ Rabi Rubenstein, um nur einige zu nennen, in feinster Wrestlingmanier bis auch der letzte Tropfen des literweise zum Einsatz kommenden Kunstbluts vergossen ist. Die Show wird von der hauseigenen Kapelle The Wrestling Bash Orchestra live begleitet, die Songs sind perfekt auf die komplexen Choreografien der Artisten abgestimmt, um das Blut der Zuschauer wie der Kämpfenden ordentlich in Wallung zu bringen. Am 10. April kommt die in Köln angesiedelte Show der Trash-Wrestler nun nach Berlin ins SO36. Das VISUALBlog wird natürlich vor Ort sein und anschließend ausführlich darüber Bericht erstatten. Wer weiß, vielleicht wage ich mich unter Einsatz meines Lebens auch selbst an die Schlächter, Killer und Maniacs des Ensembles heran, um ein paar Stimmen (oder Schläge) einzufangen – HELL YEAHH.
Eine sehr gelungene Photostrecke von der Show gibt es hier.
In Friedrichshain gibt es neben ganz lieben Menschen und einer geilen Kneipenszene besonders zwei Dinge zu Hauf(en). Ersteres sind die, die aus den komischen Vierbeinern herauskommen und zweites sind klasse Graffitis. Letztes Wochenende hatte ich endlich mal wieder Zeit auf Phototour zu gehen und herausgekommen ist ein kleines, feines Friedrichshain Streetartalbum, was mit der Zeit hoffentlich noch wachsen wird. Beim Photographieren habe ich üblicherweise die Kamera vor der Nase und bewege mich dabei vor, seitwärts und zurück, was nicht ohne eklige Folgen bleiben kann (wiederum sei auf die ersten Haufen verwiesen). Wenn Streetart für mich auch solches beinhaltet, was von konservativeren Geistern gerne als Schmiererei bezeichnet wird, sind Hunde keine Künstler. Aber vielleicht könnte man hier mal ansetzen und es zum Thema eines Streetartworks machen. Nun ja, bevor ich gar nicht mehr davon wegkomme, höre ich mal lieber auf zu Faseln und wünsche viel Spaß mit dem Album. Auf unserer Fanpage freuen wir uns übrigens auch immer über Photos von euch!
Es ist wieder soweit – interfilm präsentiert: Night of the Terrifying Shorts. Nervenkitzel vom Feinsten!
Shorts Attack! startet mit einem nervenzerreißenden Abend in den Frühling! Neun Kurzversionen von Wahnsinn, Grauen und Schauer bieten ein unheimliches Vergnügen.
Eröffnet wird das Programm mit einer Parodie des Horror-Klassikers schlechthin, nämlich Kubricks “The Shining”, gefolgt von einem weiteren Meister des Unheimlichen, Edgar Allan Poe. Eine drastischere, sozialkritische Sicht auf das Genre liefert der preisgekrönte Zombie-Film “I Love Sarah Jane”. Von dem Verschwinden der Grenzen zwischen Realität und Fiktion berichten außerdem: surreale Geschehnisse, Familienporträts mit Monstern, nächtliche Gräuel, Hommagen an den Film Noir, Reflexionen über die Faszination des Bösen und Geschichten von Horrorfans, denen das Leben eine tragische Lektion erteilt.
Also in meinem Fall sieht das wohl so aus, dass ich Zen-Buddhismus, gemeinnützige Arbeit und eine Therapie bräuchte, um glücklich zu werden. Wo auf diesem Bild ist der Pfeil zur Sonne? Und die Option, die da heißt: Haben Sie bereits versucht eine von Material und sozialen Zwängen unbedachte Existenz zu führen, in einem wunderschönen, selbstaufbereiteten Bauernhaus an der Küste, wo sie täglich an ihren Romanen schreiben, auf langen Strandspaziergängen in Einklang mit der Welt wandeln und jeden Morgen vom bezaubernden Lächeln ihrer großen Liebe begleitet in einen erfüllten Tag starten? Na, wo ist dieser verdammte Kreis? Trotzdem eine geniale Idee.
TwittFont ist ein kleines, feines Tool, mit dem man seinen Twitterstream animiert auf der eigenen Website darstellen kann. Die Tweets kommen per sanftem ein- und ausfaden ein wenig langsam angeflattert, also eher ein Fall für die entspannten Gemüter (siehe slow media). In meinem Fall sieht das dann so aus.
Erik Johansson ist freischaffender Photograph aus Schweden. Er lebt in Göteborg und hat sein Studium mit einer Arbeit über ‘interagierendes Design’ abgeschlossen. Seine Photos zeichnen sich durch eine Radikalität perspektivischer Verschiebungen und Verzerrungen aus. Er hebt die physikalischen Gegebenheit des Raums auf, schafft Höhen und Tiefen, wo es keine gibt, zerreißt und zerschneidet die Welt und macht damit auch auf die eigentliche Arbeit zeitgenössischer Montage aufmerksam, wenn die Bilder am Rechner manipuliert, zerstückelt, deformiert und wieder zusammengesetzt werden. Ganz direkt schafft er den Bezug zu den Arbeiten von Maurits Cornelis Escher, in dem er dessen sog. unmögliche Figuren und optischen Täuschungen in der Bildkonstruktion teils eins zu eins übernimmt, nur eben nicht als Zeichnung, sondern als Photomanipulation. Ein weiterer Aspekt seiner Arbeiten ist die Deformation menschlicher Körper, erweitert durch eine sehr humorvolle Ebene, etwa wenn sich ein Mensch selbst bügelt oder die eigene Faust wie in einem Kissen im Gesicht verschwindet. Die Realität verkehrt sich bei Johansson auf eine Weise, dass beim Fall einer Vase die Arme zwar zu Bruch gehen, das Keramikobjekt aber unversehrt den Sturz übersteht. Er zeigt uns, wie die Welten ineinander einbrechen können und lässt einmal das gemalte Wasser eines Bildes auf den mehr oder weniger tatsächlichen Boden laufen, ein anderes Mal wird das Meer selbst als blaue Farbe auf die Holzdielen gemalt. Oder man rudert traumvergessen im Bett auf den See hinaus, verlegt einen Himmelsspiegel in den Häusergassen plattenweise. Konstruktion und Realität, Photographie und Manipulation: Die Bilderwelt des Erik Johansson ist ebenfalls die ‘gemachte’ Welt in der wir leben, tagtäglich, wo auch immer uns die Bilder heimsuchen und beherrschen.
Vor einiger Zeit schon war ich zu Besuch im Jüdischen Museum in Berlin, und ich muss schon sagen, dies war eine sehr wertvolle Erfahrung. Seit langem beschäftige ich mich explizit mit Kunst in ihrem Zusammenhang mit Raum, aber auch generell mit der Fragestellung, was Raum bzw. Einräumung mit Erinnerung, Existenz und Kultur zu tun hat. Die von Daniel Libeskind entworfene Architektur nun besitzt eine vehement intellektuelle Dimension. Der Grundriss des Gebäudes, aus der Vogelperspektive gedeutet als aufgebrochener Davidstern, vermittelt einen symbolischen Gehalt der fundamentalen Ver- und Zerstörung, die vor allem das europäische Judentum durch die Schoah erlitten hat. Natürlich ist das Gebäude Begegnungsstätte und Mahnmal zugleich. Alles ist aus der Form geraten, die Gänge sind schief und abschüssig, schwere Eisentüren führen in kalte, leere und finstere Türme, die dem Besucher weit mehr als nur einen Schatten auf das Gemüt legen. Ein winziges Fenster spendet spärlich Licht, so hoch oben, das es einem nie zu erreichenden Hoffnungsschimmer gleicht. Von höher gelegenen Teilen des Museums aus blickt man in abgeschlossene Höfe, die in ihrer betonenen Ummantelung und klaustrophobischen Enge das Vorgefühl eines Gefängnishofes evozieren; wir sehen uns mit symbolischer Leere konfrontiert, wir sehen das, was einst zusammengerückt in ähnlichen Räumen fristete: Menschen, die auf ihre Ermordung warteten. Man fühlt sich unwohl, man erfährt die Geschichte als in Stein gehauenes Verbrechen an der Menschheit. Die Leerstellenkonzeption entfaltet hier ihre volle Wirkung: Siehe, diese Türme sind leer, hier klafft eine Wunde für die Ewigkeit, das, was Europa an jüdischer Kultur genommen wurde, wird nicht mehr wieder kehren. Ohnehin geht es maßgeblich um Sehen und Erfahren. Wir sehen aus einem kleinen Fenster in eine Schlucht hinab, deren Boden mit Metallscheiben schreiender Gesichter bedeckt ist, als Ausdruck namenlosen Entsetzens. Wir sehen durch Schießscharten ähnelnde Fenster bang auf die Welt außerhalb des Museums, bang in unsere eigene Zukunft. Und wir folgen Treppen, die uns ins Nichts oder genauer, vor eine Wand rennen lassen. Natürlich berühren sich hier Ideologie und Propaganda im Zeichen einer negativen Dialektik. Aber gerade das der intellektuellen Durchdringung entrückte Gefühl, das so dezidiert herauf beschworen wird, nicht durch Pathos, sondern durch ein höchstes Maß an Reduktion, die Unfassbarkeit des Verbrechens, dem man sich in Anbetracht der Einzelschicksale aufbereitet in vignettierten Vitrinen zwar bewusst zu machen versucht, dieser Versuch jedoch scheitern muss, sind es, worauf es eigentlich ankommt. Die Räume treten in Kommunikation zu den Besuchern, sie reden zu uns vom Unaussprechlichen.
Das Museum ist in Gänze von einem harten Kontrast geprägt. Im Eingangsbereich wird der fundamentale Schock des Genozids maßgeblich durch die zu diesem Zweck funktionalisierte Architektur vermittelt. Inhaltlich wird dieses Konzept mittels der Ausstellung einiger weniger Einzelschicksale getragen. Ein Teeservice, ein alter Koffer, ein paar Schriftstücke und dazugehörige Photographien ihrer vormaligen Besitzer, nur dürftig versehen mit einem rudimentären Lebenslauf, Momentaufnahmen von Einzelnen, bevor sie in das große Kollektiv der Vernichteten eingingen. Nach dem endlosen Aufstieg dann die eigentlichen Museumsräume. Hell und hoffnungsvoll, bunt und intermedial wird hier jüdische Geschichte dargestellt. Die Einzelschicksale hat der Besucher hinter bzw. unter sich gelassen und betritt nun den Gang durch die Jahrtausende alte jüdische Geschichte, stringent und chronologisch aufbereitet. Die auf Opfer- und Individualhistorie verengte Perspektive wird vom großen historischen Überblick abgelöst, ein krasser Paradigmenwechsel. Viele der dortigen Installationen basieren auf Interaktion und symbolischer Partizipation an einer besseren Zukunft – für alle Menschen. Hier stößt man auch auf Exponate, die vollkommen absurd wirken und deren Ausstellung den oft zitierten jüdischen Humor preisgeben; wie zum Beispiel eine Vitrine voller neumodischer Kippot, vornehmlich der religiösen Ausübung vorbehaltene Kopfbedeckungen, die verziert sind mit Comicbildern von Superman, Batman und Charakteren der US-Amerikanischen Serie Friends. Wann immer ich das Hereinbrechen popkultureller Ikonographie in religiöse Formalismen beobachten darf, verwirrt es mich, nicht intellektuell, sondern ästhetisch oder geschmacklich – das ist wie Wackelpudding mit Senf essen. Aber der jüdische Humor ist nicht umsonst einer der großartigsten der Welt, und als ebenso großer Bewunderer von Mel Brooks und Filmen wie Zug des Lebens nehme ich dies hier vor allem schmunzelnd wahr und freue mich umso mehr über ein weiteres skurriles Exponat, ein japanisches Dildokästchen. Doch auch beim Gang durch die in warmes, freundliches Licht getauchten Räume erinnert der Blick durch enge Fenster in die erwähnten Höfe fortwährend an erlittenes Grauen. Auch die Außenfassade mit dem tristen, stumpfen Grau ihrer blechernen Verkleidung und den schmalen Fensterschlitzen deutet auf den irreparablen Schaden hin; so scheint es von weiter weg, als klaffen zahlreichen Wunden aus dem Gebäude selbst, als sei es schartig und zerrissen. Zum Ende der Ausstellung hin begegnet man noch einigen wenigen Exponaten, die kurz und knapp noch einmal die Auswirkungen des Holocaust anhand der Bilder verstümmelter Leichen wach rufen. So könnte man deuten, dass dieser trotz allem nur ein weiterer Ausschnitt innerhalb der Geschichte eines Volkes ist, das hier vorranging durch die Weglassung weiterer Zeitzeugnisse seinen Stolz betont.
Allgemein stellt das Museumskonzept den Genozid nicht der jüdischen Geschichte und Kultur gegenüber, es integriert ihn, macht diesen in jedem Moment sichtbar, mal unterschwellig, mal dezidiert, und deutet noch im Eingangsbereich, diesmal eher unfreiwillig, über sich selbst auf die aktuellen Ereignisse hinaus. Angefangen von den mit Maschinengewehren bewaffneten Beamten, über die Flughafendurchleuchtung des am Körper getragenen Habs und Guts bis hin zu der Einzelabtastung mit dem Metalldetektor war ich noch in keinem Museum, in dem eine solche Angst vor Anschlägen herrscht. Besucht dieses Museum, es ist ein Garant für vermischte Empfindungen, Skurrilität und Nachdenklichkeit.
Der Graffiti-Künstler MadC hat zu Anfang des Jahres damit begonnen, ein hervorragendes Archiv-Projekt für Streetart aufzubauen. Hier findet man Wände, Skizzen, Ausstellungen und noch Vieles mehr, alles hervorragend photographiert und archiviert // +++ MADC.TV +++
Ach, die guten alten Trash-Monster-Filme. Classic Cinema Online hat diese Woche einen ganz besonders ’schönen’ herausgesucht. // War of the Monsters (1966)
Andrej Krahne ist Marken- und Werbedesigner, hat ein klasse Portfolio und geht Aufklärung zur Verhütung typographisch an. // Andrej Krahne – Durex
Rauchen ist auch so ein Thema, bei dem immer wieder Aufklärungsarbeit in emotionalisierender Bildform geleistet wird. // 63 Reasons to Stop Smoking
Markenlogos sind den zeitlichen Wandlungen der Ästhetik unterworfen – hier eine Sammlung von 45 Re-brandings. // Top 45 Logo Re-branding of 2009
Caschy hat auf seinem Blog ein paar Beipiele für Werbespots aus der Kategorie Shockvertising gesammelt. Thema der Spots ist die Fahrlässigket der Unternehmen, den Arbeitsplatz für ihre Mitarbeiter ausreichend zu sichern und diese damit vor arbeitsbedingten Unfällen zu schützen. Sehr drastisch, für mich auch eher Trash-Kurzfilme // Schockvideos vs. Botschaft: was zieht mehr?
Die Fußball-WM nähert sich, die Vorfreude ist bei Vielen groß und die Werbespots lassen nicht auf sich warten – ein Beispiel für eine echt gelungene Umsetzung // The Evolution of Football Visa Advert Commercial
Und zum Schluss noch eine Anti-Folter-Kampagne von Amnesty International. Die Botschaft wird klar, erlebbar und atmosphärisch äußerst dicht kommuniziert – absolut gelungen. // STOPPEN SIE FOLTER: BRINGEN SIE LICHT INS DUNKEL!