Das Filmjahr 2011 – Eine Zusammenfassung des Ersehenen

Timo Maier
30. Dezember 2011, 20:49 Uhr, 5 Reaktionen
Kategorie: Allgemein, Film

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Auch dieses Jahr habe ich wieder einen großen Haufen Filme, Serien und Andersartiges geschaut. Einiges davon war der pure Augenschmaus, manches schlicht unterhaltsam, anderes tödlich langweilig und wieder anderes einfach nur unterirdisch schlecht. An dieser Stelle sollen allerdings nur solche Bewegtbilderzeugnisse genannt werden, die ich dem Cineasten von Welt guten Gewissens auf die Netzhaut legen möchte.

22. Mai von Koen Mortier, das brilliante Nachfolgewerk vom Ex Drummer-Regisseur, hat mir im wahrsten Sinne des Wortes die Schuhe ausgezogen.

Hedwig and the Angry Inch, ein Queer-Rock-Musical von John Cameron Mitchel aus dem Jahr 2001, welches hierzulande nicht im Kino verwertet wurde und erst dieses Jahr im Zuge einer Arsenal-Premiere die Leinwand schmückte.

Eine Trash-Satire par excellence lieferte Quentin Dupieux dieses Jahr mit Rubber ab, der Geschichte eines Reifens, der mittels telekinetischer Kräfte (oder so) Menschen tötet – Killer!

Auch das deutsche Kino hat meine Sinne für sich gewinnen können und zwar mit Picco von Philip Koch, einem sehr düsteren, klaustrophobischen Film über einen deutschen Jugendknast, in dem, angelehnt an reale Geschehnisse, drei inhaftierte Jugendliche einen Mithäftling zu Tode foltern.

Wer wenn nicht wir handelt vom Deutschland der sechziger Jahre und den Anfängen der RAF. Im Gegensatz zum furchtbaren Machwerk Baader Meinhof Komplex wird hier der Fokus auf die vor allem psychische Entwicklung der beiden historischen Figuren Gudrun Ensslin und Bernward Vesper gelegt und Zeitgeschichte kritisch hinterfragt.

Bereits zu Anfang des Jahres kam der letzte Film der Coen Brothers in die deutschen Kinos. Auch, wenn es sich nicht um ein Meisterwerk à la No Country for Old Men handelt, gehört der coenesque Spätwestern True Grit zu meinen Lieblingen 2011.

Mein Kinojahr wurde eigentlich mit Black Swan von Darren Aronofsky eröffnet. Phantastisch gefilmt, hochemotionalisierend und eine großartig komponierte Filmmusik – ein Must-see.

2011 war für mich besonders das Jahr der Serien. Hier gilt es vor allem die neue HBO-Serie Game of Thrones hervorzuheben, die auf der noch unvollendeten Fantasyliteraturvorlage A Song of Ice and Fire von George R.R. Martin basiert. Des Weiteren kam die langersehnte vierte Staffel von Breaking Bad heraus, die zu Beginn etwas schleppend, ab der zweiten Hälfte allerdings auf Hochtouren bis zum fulminanten Staffelende fährt. Ebenso die vierte Staffel von True Blood, diesmal höchst satirisch, als Kommentar auf die miese, überbordende Teenievampierfilmmarketingmaschinerie, und wie immer mit viel Sex, Blut und Trash. Der absolute Hammer war allerdings die zweite Staffel von Boardwalk Empire, die mit zum Besten gehört, was ich an Serie je gesehen habe. Eine absolute Empfehlung für alle, die die Mafiaserie zu Zeiten der Prohibition in den USA nicht kennen.

Zum Schluss noch ein paar filmische Entdeckungen, die ich dieses Jahr gemacht habe, auch wenn deren Veröffentlichung nicht in 2011 liegt.

Der Essayfilm Egessin möglicherweise erzählt die Geschichte einer sterbenden Stadt in Ostdeutschland: “Es geht nicht um eine Chronologie der Ereignisse und die klaren Fakten sind nicht das Wesentliche, sondern Rohmaterial und Grundlage für einen Stimmungsteppich über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft einer von so genanntem Strukturwandel oder Strukturbereinigung betroffenen Region.” (via)

Die erste und einzige Staffel von Im Angesicht des Verbrechens des Regisseurs Dominik Graf habe ich mittlerweile zweimal gesehen und selbige als das Beste empfunden, was die deutsche Serienlandschaft hergibt. Mir ist völlig unverständlich, wie man in einem Land, dessen Serien sich insbesondere durch hingerotzte Drehbücher, schlechte Schauspieler und Lindenstraße-Ästhetik auszeichnet, eine Serie absetzen kann, die alles richtig macht und an HBO-Qualität herankommt.

Meine liebste Neuentdeckung ist der Regisseur Harun Farocki der ebenfalls in einer Art filmischer Esseays die Bedingungen der Bildergestaltung in verschiedenen Formaten und Medien en Detail nachvollzieht und deren Wirkungszusammenhang zwischen Mensch, Gesellschaft und Macht beleuchtet, wenn er etwa “die Schöpfungsrealitäten deutscher Game- und Talkshows beobachtet. Dort wird der Alltagsmensch ausgeschlachtet; billig ist er und willig wie Vieh, gerne lässt er sich von seinen Betreuern leiten. Aber hat der Alltagsmensch einen Schauwert? Und hat er eine andere Gnade verdient als die eines Blickes, der die herrschenden Verhältnisse mit einer selten kargen Klarheit zeigt?” (via)

Eine fantastische DVD-Kollektion seiner Werke gibt es auf Amazon.

Was hat euch 2011 aus den Kino- und Wohnzimmersesseln gehauen? Ich bin für jede Empfehlung dankbar!



Über den Autor

Timo Maier
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Timo Maier arbeitet als Konzepter, Kommunikationsberater und Online-Redakteur, ist Filmfanatiker, Kulturwissenschaftler, freier Schreiber und liebt Live-Musik, Wolken und Details. Hier auf Twitter und Facebook

5 Reaktionen

  1. Kommentar von bernd
    02. Januar 2012, 20:50 Uhr

    Zum Thema Serien: Zustimmung, mal abgesehen von True Blood, da bin ich schnell wieder ausgestiegen. Tip: Sons of Anarchy, selbst unter Serienaddicts hierzulande wenig bekannt, absolut empfehlenswerte Darstellung eines MC’s a’la Hells Angels mit Anleihen bei Shakespear (Hamlet) und Ron Perlman als alterndem Alpharocker.

  2. Kommentar von Timo Maier
    05. Januar 2012, 10:35 Uhr

    Sons of Anarchy habe ich mir auch angeschaut. Leider ist die Serie an vielen Stellen schwach geschrieben. Die vierte Staffel hatte z.B. einen fulminanten Auftakt und dann kommt am Ende dieser lächerliche Turn. Was echt schade ist, da die militärisch-mafiösen MC-Strukturen klasse abgebildet sind und sich auch einige wirklich gute Schauspieler (meist Nebenrollen) hier tummeln. Eine gute Serie für Männer, die auf Gewalt, Zynismus und Motorräder stehen.

  3. Kommentar von Dave
    16. Januar 2012, 17:15 Uhr

    Die Serie Game of Thrones ist richtig genial ! Mir hat sie auch sehr gefallen und freue mich auf die nächsten Staffeln

  4. Kommentar von Yannick Gerst
    28. Januar 2012, 18:22 Uhr

    Schöne Zusammenfassung. War bestimmt super aufwendig. Aber hat sich gelohnt, denn ich habe mir mit Freude alles durchgelesen. Gab wirklich den ein oder anderen guten aber auch bekloppten Film. Bin gespannt was in 2012 alles auf die Leinwand kommt.

    Dir und euch einen schönen Abend noch.

  5. Kommentar von Yannick Gerst
    28. Januar 2012, 18:22 Uhr

    Sorry meine Seite war falsch, vielleicht taucht du Sie einfach aus. War ein e zu viel :-)

    Danke

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