Zum Auftakt des Pictoplasma Festivals 2011 hier in Berlin haben Matias und ich uns gestern auf den Character Walk begeben. In 25 Galerien und Projekträumen wird derzeit ausgestellt, was die weltweite Illustratorenszene hergibt. Alle Locations haben wir zwar nicht geschafft, trotzdem sind wir mit jeder Menge Inspiration und einer prallen Fotogalerie zurückgekehrt.
Erste Station war die Künstlerin Rilla Alexander, die den Raum zentral mit einer Skulptur aus zerknülltem Papier besetzt, auf dessen Kuppe ihr alter-ego Sozi bücherlesend thront.
Darauf folgte in kurzem Abstand eine Besichtigung bei Iosefatu Sua, der den Raum mit einem ganz eigenwilligen Mix aus asiatischem Stil, griechischer Mythologie und schrillen Comic-Eingeborenen ausstaffiert.
Weiter ging es mit den wirklich wunderbar ekligen und morbiden Kunstwerken von Jeremy Dower.
In Dower’s Austellungsraum haben wir dann gleich noch den Missing Link gefunden, seines Zeichens Maskottchen des Festivals. Die Kostümträger hatten echt Glück mit dem Wetter, denn bei 30 Grad in so einem Anzug fröhlich über die Straßen zu hüpfen, stelle ich mir nicht sehr angenehm vor.
Große Freude haben mir die Bilder des Australiers Jeremy Ville bereitet, der die populärsten Comicfiguren wie Micky Maus, Die Schlümpfe oder etwa Bart Simpson in seinen popapokalyptischen Farbwelten im wahrsten Sinne des Wortes auseinander nimmt. Ich hatte noch Gelegenheit mit diesem außergewöhnlich freundlichen Mensch einen kleinen Plausch zu halten während er unablässig Figuren malte, die zerhackt am Boden liegen, besetzt von Vögeln, die genüsslich deren Eingeweide herauspicken.
Eine erste Pause gönnten wir uns beim Crim Collective. Hier haben die Organisatoren gleichzeitig ihr Hauptquartier aufgeschlagen und versorgen die Besucher mit kostenlosen Waffeln und Kaffee. Auf jeden Fall die beeindruckenste Location auf unserem Weg, ein verfallenes Haus, dessen Räume temporärer auf zwei Etagen mit Handwerksmonstern und mythischen Biestern bemalt ist, die sich gegenseitig auseinandernehmen.
Andere, wie Ville Savimaa waren noch bei den Vorbereitungen.
3753% Tordal belustigt das Publikum mit kleinen Pappkartons, die wild in der Gegend herum fuhren, mit den Augen zwinkerten und im hinteren Raum von einer Gruppe Künstlern unablässig neu gestyled werden.
Es folgte ein Besuch bei der Dudes Factory, in der McBess austellt. Der Laden hat übrigens neben allerlei Skulpturen auch sehr schicke T-Shirts.
Großartig fand ich The Blackheart Gang, die den Kurzfilm Tale of How im Loop vorführen, den es ebenfalls in einer sehr aufwendig gestalteten Buchedition mit DVD gibt.
Einer meiner weiteren Favoriten findet sich in der Ausstellung des Künstlerkollektivs The Bee Kingdom: The Gay Bomb. Das Plakat hätte ich am liebsten von der Wand weg gekauft.
Die bemalte Kuhskulptur stammt von der Bellevue Agency, deren Künstler sich auf so ziemlich allen Gebieten zeitgenössischer Kunst austoben.
Die Galerie L.J. aus Paris verwöhnt indes mit einer exquisiten Auswahl ihrer schönsten Werke.
Weiteres persönliches Highlight ist die Ausstellung von Raymond Lemstra. Dieser befand sich gerade im Interview, als ich die von ihm gestalteten Räumlichkeiten betrat. Ich hörte ihn gerade noch sagen, dass er viele Kindheitserinnerungen verarbeitet. Ein älterer Herr verfiel angesichts seiner Bilder in einen kurzen, ekstatischen Freudenausbruch, den ich gut nachvollziehen kann.
Vorletzte Etappe für mich war Roman Klonek, der im The Early Bird Hype ausstellt. Der Laden ist vollgestopft mit abgefahrenem Designerspielzeug – ein kleines Paradies.
Designertoys sind auch die Spezialität von Matt Jones aka Lunartik. Dieser hat sich irgendwie auf die Variation von Figuren festgefahren, die in Teetassen sitzen. Welche sonderlichen Formen so etwas annehmen kann, hat mich doch überrascht. Heimlicher Favorit hier ist ein Set, mit dem man plastische Chirurgie an Nippeln üben kann.
Hiermit sind wir am Ende unserer Reise auf dem Character Walk. Alle Fotos könnt ihr euch auf meinem Flickr ansehen, die Bilder stehen wie gewohnt unter CC-Lizenz. Matias Fotos könnt ihr auf seinem Reiseblog Burgen, Berge, blauer Himmel bewundern.


































4 Reaktionen
07. April 2011, 08:41 Uhr
Danke für die großartige Übersicht und Zusammenfassung! Kleiner Trost für mich, dass ich dieses mal nicht dabei sein konnte…
07. April 2011, 08:46 Uhr
[...] Bilder gibt es auch von meinem Redakteurs-Kollegen Timo Maier im VisualBlog und in seinem Flickr-Album. Viel Spaß mit seinen [...]
07. April 2011, 20:55 Uhr
MEin lieber man – sind das verrückte Kunstobjekte. Entweder man mag es oder man hasst es..
12. April 2011, 22:59 Uhr
Danke für die Bilder, hast ein paar Sachen mehr gesehen als ich… Interessant war übrigens auch das Filmfestival im Babylon Mitte – z.B. “Best of Moving Characters”. Siehe auch Empfehlung auf: http://offkino-berlin.de/?p=488