Flatterball – Podcast für europäische Fußballkultur

Flatterball, der wohl interessanteste, sympathischste und einfach beste Audio-Podcast zur Fußballkultur Europas (wobei der Akzent auf Kultur liegt), widmet sich mit seiner neuen Folge einem ernsten und schwierigen Thema: Homophobie im Fußball. Wie problematisch das Thema im deutschen Lieblingssport ist und im öffentlichen Diskurs noch längst nicht angekommen, im gesellschaftlichen Sinne also steinzeitlich (mann muss sich hier wirklich mal schämen), führt die Sonderausgabe sensibel und auf der Suche nach Lösungsansätzen gekonnt vor Augen und Ohren.

Aus Anlass eines besonderen Geburtstages gibt es heute eine ganz besondere Folge. Justin Fashanu, der erste schwule Profifußballer, der sich während seiner aktiven Zeit outete, wäre am vergangenen Samstag 50 Jahre alt geworden.

Aus diesem Anlass haben wir den ersten offen schwulen deutschen Fußballer zum Gespräch geladen. Mit Marcus Urban sprechen wir nicht nur über die tragische Figur Justin Fashanu, wir finden auch Zeit für Marcus Urbans ganz eigene Biographie: Seine Zeit als Jugendauswahlspieler in der späten DDR, seine aufsehenerregende Buchveröffentlichung “Versteckspieler” von 2008, sein privates und sein öffentliches Coming Out.

DIFFRAKTION // Filminstallationen – Filme – Filmperformances

Vom 15. bis 19. Februar werden unter diesem Titel Filminstallationen im Rahmen einer Ausstellung, sowie Filme und Filmperformances präsentiert. Ein Jahr nach der Eröffnung der neuen Räume im Stattbad Wedding öffnet LaborBerlin die Türen seines Zuhauses und zeigt Arbeiten seiner Mitglieder, von Freunden des Labors und assoziierten Filmlaboren.

DIFFRAKTION (trailer by Arnaud Gerber) from labor berlin on Vimeo.

DIFFRAKTION bezeichnet die Ablenkung von Lichtstrahlen und die Veränderung der Wellenform des Lichts an einem Hindernis. Die technisch-ästhetische Klammer der gezeigten Arbeiten bilden die Verwendung und Bearbeitung von analogem Filmmaterial und daran anschließend Fragen nach der Bedeutung und dem Wert der Materialität, sowie nach den Modi unabhängiger und kollektiver Arbeit mit dem analogen Bild. Film ist, im Gegensatz zu digitalen Bildmedien, immer noch der am längsten haltbare Bildträger, und seine künstlerische Verwendung stellt gewissermaßen eine Antithese zur Arbeit mit Video dar: Das Arbeiten mit Film abseits kommerzieller Strukturen erfordert sowohl eine besondere Ökonomie im Umgang mit dem Material, als auch die Bereitschaft zur Zusammenarbeit und zum Austausch von Wissen.

Ausstellung
15. Februar – 19. Februar
Mi – Sa | 14h – 19h
Vernissage | Dienstag, 15. Februar 2011 | 18h
Eintritt frei
Künstler: Clara Bausch, Guillaume Cailleau, Melissa Dullius & Gustavo Jahn, Juan David Gonzales Monroy, Mark André Pennock, Irène Revolte und Leïla Saadna

Film Screening
Freitag, 18.02. | 20h
Eintritt 2€
Künstler: Nike Arnold, Cedric Gaul-Berrard (L’Abominable / Paris), Vassily Bourikas & Yannis Yaxas (LabA / Athen), Lucile Desamory, Anja Dornieden, Mat Fleming, Constantin Hartenstein, Clemens Kowalski, Karsten Krause, Benjamin Krieg, Sara Lehn, Max Linz, Juan David Gonzales Monroy und Sophie Watzlawick.

Film Performances / Party
Samstag, 19. Februar | 20h
Eintritt 4€
Ab 21:00 audiovisuelle Performances von a_cis & pom piet (Diapositiv & Musik), Nike Arnold, Clara Bausch, Mikko Gaestel, Sara Lehn, Greg McLaren, Linn Löffler (16mm mit Live-Vertonung) und Juan David Gonzales Monroy (16mm & Diapositiv). Special Guest: Sylwester.
Ab 24:00 Party mit DJ Télépathe, Hubertus Bronko und Bill Robin. Visuals von Beatpix und Distruktur.

Site of the Week: Attraction

3 Freunde im Tokio des Jahres 2040 auf der Suche nach einem Mysterium. DDB Paris, Koji Morimoto und Studio unit9 haben einen wunderbaren interaktiven Film im Mangastil geschaffen, der Teenager mit den Gefahren und Risiken des Rauchens konfrontiert. Unterhaltsam, toll gemacht und eine Intention, die wir unbedingt unterstützen!

“NoLa Pearls” im Direktorenhaus

Southern Comfort bringt über sein Austauschprogramm „Southern Comfort Creative Exchange“ im März 2011 erstmalig junge, amerikanische Künstler nach Deutschland, deren Arbeit von der Kultur New Orleans‘ (NoLa) geprägt sind und ermöglicht so einen Einblick in die lebendige Kultur seiner einzigartigen Geburtsstadt.

Das Berliner Direktorenhaus zeigt in diesem Rahmen die Gruppenausstellung „NoLa Pearls“ und damit einen Querschnitt spannender zeitgenössischer Arbeiten zum Thema New Orleans. Die Stadt, die von Legenden umrankt ist und deren vielfältige, kulturelle Einflüsse von jeher Künstler unterschiedlicher Genres inspirierten, hat nach Wirbelsturm Katrina und nicht zuletzt durch die seitdem stattfindende Biennale eine neue, lebendige Kunstszene hervorgebracht. Die Gruppenausstellung zeigt, welchen Reiz die Kultur des New Orleans der Gegenwart auf eine neue Generation von Künstlern ausübt. Dabei spielen moderne, aber auch traditionelle Einflüsse in den Arbeiten eine wichtige Rolle und so zeigt sich in den Exponaten das Bild einer bunten, vielschichtigen und manchmal auch widersprüchlichen Stadt.
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Impressionen von der Eröffnung der transmediale

Gestern abend war ich bei der Eröffnungsveranstaltung der transmediale und habe euch ein paar Eindrücke mitgebracht.

Großartig fand ich den musiklaischen Act Crowd vs the DJ | Christopher Doering & Jay Cousins. Die Künstler haben zu ihrer Performance auf einer Leinwand eine Art digitales Nagelkissen projeziert. Die Besucher konnten sich auf ein Podest zwischen Band und Leinwand stellen und sich rythmisch zur Musik bewegen. Die Bewegungen formten sich dann in Echtzeit auf dem Nagelkissen aus. So wurde der Besucher zum VJ durch seine Bewegungen und interagierte mit der digitalen Erweiterung des Raums.

Drei Monitore zeigten im Loop die Funktionsweise der Graffiti Analysis / Graffiti Markup Language, ebenfalls ein sehr cooles Projekt, dass außerdem für die Open Web Awards nominiert ist. “Die GML ist eine Software für Graffitikünstler, mit der sie ihre Schreibgesten archivieren, analysieren und weiterverarbeiten können.”

Mein absolutes Highlight war jedoch eine eher klassische Installation von Reynold Reynolds: Labor Berlin #4: “The Secrets Trilogy”. In mehreren Räumen, die wiederum mit mehreren Leinwänden bestückt waren konnte man einen Experimentalfilm sehen. Die Räume waren komplett schwarz und leer. Im ersten Raum angekommen, wobei man selbst entschließen musste, wo denn der Anfang sei, lief ein Film auf einer Leinwand. Entgegen der Sehrichtung lief der gleiche Film, jedoch ein anderer Erzählstrang, auf einer weiteren Leinwand hinter oder seitlich der Betrachter, so dass man seine Blickrichtung jederzeit wählen musste. Nie liefen alle Leinwände gleichzeitig. In den anderen Räumen spielten andere Teile des Films, die alle in formellem und inhaltlich symbolischem Zusammenhang standen, auch durch die Wiederkehr einer bestimmten Frauenfigur. Man musste sich den Film also räumlich wie auch zeitlich selbst organisieren. Die Bilder waren enorm intensiv, ästhetisch hoch anspruchsvoll. Auf der reinen Formebene wurde ebenfalls über Zeit reflektiert, da die Darstellung sehr langsam gefilmt und anschließend zeitgerafft wurde. Diese Sequenzen wurden wiederum mit Slow-Motion-Aufnahmen kombiniert. Daraus ergibt sich ein sehr spezieller Bilderfluss, der, obwohl flüssig, auch immer abgehackt und unterbrochen wirkt. Man kann sich das wie eine Reihung von Einzelbildern vorstellen, ähnlich einem Stop-Motion-Film, bei gleichzeitig ruhigen und sanften Kamerafahrten und -schwenks. Hier verbrachte ich den Großteil des Abends.

Ein sehr schönes und inspirierendes Erlebnis. Anders als im typischen Museumstrott, sind die Installationen allesamt auf Partizipation angewiesen, der Besucher wird Teil des Kunstwerks, beeinflusst und verändert es. Ob beim nicht digitalen Flötenschnitzen aus Karotten oder der persönlichen Emotionsschau am Rechner, die dann von einer Ausdruckstänzerin direkt mitverarbeitet wird, alles dreht sich um Teilnahme, Mitbestimmung, Kollektivität – das Kunstwerk für sich allein hat keinen Bestand. Der digitale Ausdruck eines edlen Gedankens.


Künstler des Monats – Performance Art in Counterstrike

Eva und Franco Mattes haben ein sehr intelligentes Performance-Werk im digitalen Raum geschaffen. Als Raum, in dem die Performance stattfinden sollte, wählten sie den Ego-Shooter Counterstrike, in dem online zwei Parteien (Terroristen und Counter-Terroristen) sich solange bekämpfen, sprich gegenseitig töten, bis eine der beiden Parteien, je nach Zielvorgabe der Map, die Partie gewonnen hat. Danach geht die blutige Schießerei von vorne los. In diesem hektischen, auf Reaktion angelegten Spiel, stand die Figur der Künstler einfach in der Gegend rum und wollte die anderen Spieler davon überzeugen, sie nicht zu töten. Immer wieder erklärten die Künstler im spielinternen Chat: “Bitte erschießt mich nicht.” und “Ich bin ein Künstler”. Diese Aussagen führten zu Beleidigungen, hönischem Gelächter und natürlich dazu, dass die Figur fortlaufend getötet wurde.

Hier geht es zur Website der Künstler: 0100101110101101

Nun kann man sich fragen, ob dies überhaupt einen Sinn macht. Ich denke schon, da Performance Kunst gerade die Aufgabe hat, in Räumen zu intervenieren, die von künstlerischen Auseinandersetzungen und Reflektionen weitestgehend befreit sind. Durch das Eindringen der Kunst in solche Räume sollen Fragen aufgeworfen und die den Raum Besetzenden, in diesem Falle also eine Horde junger, männlicher Menschen, mit sich und ihren Handlungen konfrontiert werden. Auf die Frage hin, warum das Blutvergießen hier spielerisch zelebriert wird, antwortet ein Mitspieler: Freiheit. So haben die Künstler dann auch das Video und ihre Performance betitelt: Freedom. Dass die Spielenden hier der eigentliche Gegenstand des künstlerischen Prozesses sind, entgeht diesen völlig.

Persönlich finde ich das Kunstwerk absolut gelungen, da es die Grundbedingungen des Spiels klar durch die Spielenden selbst formuliert: Entweder du tötest oder du hast hier nichts zu suchen. Der Vorgabe einfach nur überleben zu wollen bei gleichzeitigem Verzicht auf Teilnahme an einem gewalttätigen Akt wird hier versagt. Die Ausweitung der Kunst auf den digitalen Raum, was nicht bloß Veröffentlichung sondern konkret die Arbeit mit digitalen Angeboten meint, halte ich für sehr wichtig und selbstverständlich.

Nur um dem Mißverständnis vorzubeugen, möchte ich noch erwähnen, dass ich keinerlei Probleme mit Ego-Shootern und diese selbst über lange Zeit begeistert gespielt habe, was nicht bedeuten soll, dass ich diese nicht gleichzeitig immer für fragwürdig hielt. Von der These, dass diese gewaltförderlich seien, was zumeist der Grund ist, dass selbige bei jeder Gelegenheit als Sündenböcke herhalten müssen, halte ich gar nichts. Die psychologische Struktur der Spielenden hingegen, ihre Motivation und Auseinandersetzung innerhalb eines solchen digitalen Raumes, finde ich hochinteressant. Auf nichts anderes lenkt die obige Performance zunächst den Blick.

STATTMEDIA | 04.02.2011

Kommenden Freitag schon was vor? Nein? Dann hab ich hier was für dich: in nur einer Nacht widmet sich STATTMEDIA der Aufgabe, Musik und Multimediadesign zu verbinden und schafft so eine Multimediaparty der besonderen Art. Außergewöhnlich dabei: den Besuchern wird eine interaktive Rolle zugesprochen.

Durch eine komplexe und in Echtzeit auf jede Bewegung reagierende Umgebung hinterlassen die Besucher und Besucherinnen ihre Spuren. Interaktive Audio- und Videopads entlocken jedem Schritt eine unvorhersehbare Kreativität und Energie. Die speziell für das STATTBAD Wedding entworfene Laserinstallation umrahmt die dabei entstehenden elektronischen Klänge.

Neben den beiden DJs und Producern Pixeldot und The Shaidon Effect, die mit diesem Event ihr neues Projekt MEDIALAB vorstellen, verleiht Peter Pixzel (WYS! / Fabric,London) dieser Nacht einen einmaligen Sound.

// Music //
- CRISTIANO PIXELDOT (Unit 7,London)
- THE SHAIDON EFFECT (Italy,Berlin)
- PETER PIXZEL (WYS! Fabric,London)

// Visuals //
- SUPER (Berlin)
- PETRA VON KANT (Dancity,Italy)

// Interactivity //
- 02L > OUTSIDE STANDING LEVEL (Italy,Berlin)

Viel Spaß!