Nadine Roßa ist Grafik-Designerin und Herausgeberin des Design made in germany Magazins. Wir haben sie für unsere Leser um ein Interview gebeten, dem sie gern zustimmte. Vielen Dank dafür.
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Nadine, als was siehst du dich selbst? Grafik-Designerin? Illustratorin?
Ich glaube, im Großen und Ganzen sehe ich mich eher als Grafik-Desigerin, denn Illustration ist für mich ein Teil des Grafik-Designs. Illustration ist auch nicht mein „Haupt-Job“, wenn man es gegeneinander aufrechnen würde. Um zu verdeutlichen was ich mache, bezeichne ich mich oft als Designerin UND Illustratorin.
Wo und wann hast du deine Ausbildung abgeschlossen?
Mein Studium habe ich Ende 2009 abgeschlossen, aber ich habe vorher schon eine Ausbildung gemacht. Mir war immer schon klar, was ich gerne machen würde, ich hatte dieses Sinnkrise bezüglich meiner Berufswahl, die viele während der Oberstufe oder danach haben, nicht. Ich wusste, dass ich etwas mit Gestaltung machen will, aber natürlich damals nicht, wie das aussehen könnte. Als ich Ende der 90er Abitur gemacht habe, stolperte ich mitten in die Hochphase der New Economy und hab meinen eigentlichen Plan Design zu studieren erstmal vernachlässigt.
Zeitgleich entstanden neue Ausbildungsberufe, die so einprägsame Namen wie „Mediengestalter für Digital- und Printmedien, Fachrichtung Mediendesign“ hatten und das hörte sich alles ganz gut an. Da ich auf dem Brandenburgischen Land groß geworden bin, war auch relativ schnell klar, dass dort nicht viel in dieser Richtung passieren würde, also bin ich in die Medienstadt Köln gezogen. Dort habe ich meine Ausbildung in einer der neuen boomenden New Economy Firmen angefangen und alle (wirklich alle!) Höhen und Tiefen der New Economy live mit erlebt. Hinzu kam, dass die Stadt mich herzlich aufgenommen hat und ich mich deshalb im Herzen auch heute noch ein bisschen als Rheinländerin fühle. :-)
Ich habe nach meinem Abschluss auch noch zwei Jahre dort gearbeitet, aber ich hatte das Gefühl noch nicht genug gelernt zu haben. So bin ich 2004 wieder Richtung Osten nach Berlin gezogen, um an der HTW Berlin Kommunikationsdesign zu studieren. Ich habe mein Studium sehr genossen und mich ein wenig in der Welt rum getrieben, deswegen hat es auch etwas länger gedauert bis ich mich Diplom-Designer nennen konnte.
Seit wann zeichnest du schon?
Irgendwie schon immer glaub ich. Meine Eltern meinten mal zu mir, ich wäre immer ein sehr angenehmes Kind gewesen, mich hätte man nur mit Stiften und Papier an einen Tisch setzen müssen und ich wäre für Stunden beschäftigt gewesen.
Wenn man wie ich viel im Social Web unterwegs ist und zudem über ein vielfältiges Kreativ-Netzwerk pflegt, dann stolpert man auch immer wieder über dich. Warum bist du so extrem aktiv im Internet? Gibt es Zielsetzungen, die du damit verfolgst?
Witzig, dass du das sagst, das war mir ehrlich gesagt gar nicht so bewusst. Aber es stimmt schon, ich bin auf jeden Fall sehr Online-addicted. Ich habe neulich festgestellt, dass ich inzwischen sagen kann 11 Jahre Berufserfahrung zu haben, wenn man die Ausbildung mit einrechnet, das ist für Online glaub ich schon eine lange Zeit.
Ich denke, über die Jahre hat sich eher unbewusst ein kleines Netzwerk aufgebaut, was sicher automatisch passiert, wenn Projekte gut gelaufen sind oder man sich versteht. Ich habe auch viel mit jungen Unternehmen und Start-Ups zusammen gearbeitet, was die Präsenz im Netz sicher auch verstärkt. Gerade durch Twitter, Facebook und XING entstehen schnell Netzwerke, ohne dass man großen Aufwand betreiben muss. Sie lassen sich auch leicht pflegen. Aber letztendlich sind mir „reale“ Kontakte doch die liebsten. Ich freue mich auch immer, wenn ich jemanden, den ich bisher nur virtuell kenne, real kennenlerne.
Fotolia, iStockPhoto und andere Portale bieten für lau durchaus gute Illustrationen, Icons und Fotos an. Auf Marktplätzen wie 12designer oder trawlix kann man sich für wenig Geld Logos und Webdesigns erstellen lassen. Immer mehr setzen auf diese Crowdsourcing-Mechanismen. Wie stehst du dazu? Und hat man als Grafiker nicht darunter zu leiden?
Da hast du natürlich Recht und ich beobachte diese Entwicklung schon länger. Ich glaube, dass der Markt des Crowdsourcing sich noch entwickeln muss, da wird gerade viel ausgetestet. Wahrscheinlich haben die Plattformen irgendwo alle ihre Berechtigung, zumindest erfreuen sie sich offensichtlich regen Zuspruchs von beiden Seiten. Aber sie kommen sehr schnell an Ihre Grenzen, gerade wenn es um aufwändigere Konzepte geht. Das kann man da schwer abbilden.
In ein Logo, für das man nur vielleicht 200 Euro bekommt für einen Kunden, den man nicht kennt, steckt man natürlich kein Herzblut und das sieht man den Ergebnissen sehr oft an. Andererseits: Braucht der kleine Handwerksbetrieb um die Ecke wirklich ein High-End-Corporate-Design? Am Ende bilden die Portale auch einfach nur den Gesellschaftsgeist ab: Viel haben wollen und wenig bezahlen.
Als Bedrohung empfinde ich sie allerdings nicht, wenn die Jobs komplexer werden, braucht man früher oder später jemanden mit dem man zusammen sitzen und brainstormen oder den man anrufen kann. Das einzige, was mich stört ist, dass die Kunden durch diese Art zu arbeiten, ein bisschen „versaut“ werden, weil sie dann denken, dass es immer so läuft: Viele Entwürfe aus denen man sich das aussuchen kann, was einem selbst und vielleicht noch der Ehefrau am besten gefällt. Und wenn keines gefällt, macht es ja nichts. Kostet ja (fast) nix.
Du bist eine heiße Verfechterin des “ß”. Warum? Könnten wir nicht auch ohne “ß” leben?
In der Tat, ich bin eine große Befürworterin des Buchstabens. Obwohl oder vielleicht gerade weil ich ihn in meinem Nachnamen habe und sehr wohl weiß, was das bedeuten kann. Für meine Diplomarbeit habe ich mich des Eszetts angenommen und ein Buch darüber gemacht, was sein Image ein bisschen aufpolieren sollte, denn der Buchstabe hat über die letzten Jahrhunderte ein wenig gelitten, was ich sehr schade finde. Und die Reaktionen auf meine Arbeit bestätigen mich sehr darin, denn der Buchstabe hat mehr Anhänger als man manchmal glauben möchte.
Wenn man sich ein wenig mit deutscher Sprache befasst, merkt man auch sehr schnell, dass er sehr wohl eine Berechtigung hat. Und nur weil er nicht in die globalisierte Welt passt, muss man ihn ja nicht gleich abschaffen. Jede Sprache hat ihre Nuancen und das ß ist eben eine Nuance der deutschen Sprache. Vielleicht könnte man ohne ihn leben, aber man könnte auch ohne Schokolade oder Kaffee leben, aber wäre das nicht unheimlich schade, wenn man darauf verzichten müsste?
An welchen anderen Online-Projekten bist du beteiligt?
Vor einiger Zeit habe ich mit ein paar Freunden zusammen spielerkabine.net aufgebaut, ein Portal für Amateurfußballer, das inzwischen dem Kicker gehört. Ein anderes Projekt ist die Twitter-Advertising Plattform be-a-magpie.com, die ich für Freunde gestaltet habe. Ich gebe das Online-Magazin von Design made in Germany zusammen mit Patrick Marc Sommer heraus und blogge für Dmig und wenn es um Illustration geht, für Freistil-Online.
Außerdem arbeite ich freiberuflich viel für Start-Ups oder Internetfirmen. Online-addicted eben.
Was dürfen wir von dir für 2011 erwarten?
Ich habe wieder viele Ideen im Kopf von denen ich am Ende wahrscheinlich nur einen Bruchteil angehen kann. Demnächst wird es die sechste Ausgabe des Dmig Magazins geben, daran arbeiten wir gerade. Und im Frühjahr wird ein Buchprojekt über studentische Typografie-Projekte mit meiner Beteiligung erscheinen, daran wird auch gerade gearbeitet.
Ansonsten erscheint ebenfalls im Frühjahr ein Kinderbuch, das ich für einen Schulbuchverlag illustriert habe (siehe die Fotos mit der roten Henne). Ich würde auch in diesem Jahr gerne wieder illustrierte Bücher machen.
Außerdem nehme ich mir schon sehr, sehr lange vor, meine eigene Website anzugehen, das ist sehr lange liegen geblieben und steht für 2011 mal wieder auf meiner Agenda. Und ich feile auch an ein paar noch nicht so spruchreifen Online-Projekten. Oh je, so viel vor, so wenig Zeit…
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Ich bedanke mich für das interessante Interview, Nadine, und wünsche viel Erfolg für alles, was du dir vorgenommen hast für 2011!












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