Die 60 besten Sexfilme, und noch viel mehr – Interview mit der Macherin des “Feigenblatt”

Matias Roskos
26. November 2010, 10:20 Uhr, 1 Reaktion
Kategorie: Erotik

Anja Braun ist die Macherin des “Feigenblatt”, des erotischen Kulturmagazins für Frauen und Paare, das sich zum Ziel gesetzt hat das Thema Erotik von einer ganz anderen Seite zu beleuchten. Raus aus der Schmuddelecke. Hinein in eine Welt der Erotik, die von Stil, Charme, Weiblichkeit und freudvoller Lust geprägt ist.

Ich habe Anja Braun vor zehn Jahren im Rahmen einer Multimedia-Ausbildung kennen gelernt. Nun kreuzten sich unsere Wege zum zweiten Mal. Und ich war verblüfft, was sie in den vergangenen Jahren da geschaffen hat. Respekt!

Hier das Interview mit ihr.

Hallo Anja. Seit wann gibt es das Feigenblatt nun schon?

Die Erstausgabe ist 2005 erschienen, die war allerdings nur 32 Seiten dick, fast ohne Anzeigen und hat auch gar nichts mehr mit dem heutigen Magazin gemeinsam.

Und, bist du zufrieden mit der Entwicklung des Blattes?

Absolut! Wir wachsen zwar langsam, aber während die großen Verlage ständig neue Titel mit großem Aufwand in den Markt schicken und dann gleich wieder aufgeben, haben wir ein kontinuierliches Wachstum. Unsere Jubiläumsausgabe zu unserem 5-jährigen Bestehen kann sich wirklich sehen lassen.

Wodurch hebt es sich von anderen Erotik-Magazinen deiner meiner Meinung nach ab?

Wir versuchen wegzukommen von der Künstlichkeit der gängigen Bildsprache. Keine dümmlichen Posen, nicht nur extrem junge, dünne Frauen und die Männerfotos nicht nur in Waschbrettbauchoptik. Auf redaktioneller Ebene glaubwürdige Geschichten, Artikel, die nicht nur an der Oberfläche kratzen und vor allem keine Ratgeber, die immer nur wieder den besten Sex aller Zeiten versprechen. Das ist ja schließlich keine olympische Disziplin!

Feigenblatt-Cover Winter 2009

Wie kommt man auf die Idee ein Erotik-Magazin heraus zu geben? Und wer setzt heute noch auf Print? Kann man damit wirtschaftlich erfolgreich sein?

Ich habe mich schon immer für erotische Literatur und Fotografie interessiert. Nur gab es keine Zeitschrift, die das Thema auf anspruchsvolle Art und Weise aufgreift – schon gar nicht für eine weibliche Leserschaft. Das war eine Herausforderung!

Ein Online-Magazin war keine Option – ich wende mich hauptsächlich an Paare, die das Heft gemeinsam anschauen, sich daraus vorlesen. Das funktioniert nicht vorm Rechner. Wir setzten auch auf schöne Papierqualität, hochwertigen Druck – das ist ein Unterschied zum Durchklicken einer Online-Bildgalerie.

Was die Wirtschaftlichkeit angeht: Ich habe Glück, ich muss nicht allein für meinen Lebensunterhalt aufkommen. Aber nach fünf Jahren steht das Magazin auf sicheren Füßen und ich kann zwei Mitarbeiterinnen beschäftigen (eine in Vollzeit, die andere in Teilzeit). Ich denke, das spricht für den Erfolg.

Wie hoch ist eigentlich die Auflage?

Wir sind zur Zeit bei 15.000 Exemplaren – für nächstes Jahr planen wir wieder eine Erhöhung.

Wurden von den letzten Ausgaben alle Hefte verkauft?

Bei den Kiosken gibt es schon noch Rückläufer, aber die lassen wir uns zurückschicken und verkaufen sie an Nachbesteller, so dass wir nach und nach alles abverkaufen. Durch die monothematische Ausrichtung verliert eine Ausgabe ja nicht so schnell an Aktualiät – und viele Leser sammeln das Heft.

Feigenblatt-Cover Frühling 2010

Wo bekommt man das Feigenblatt?

Über unsere Webseite www.feigenblatt-magazin kann man es als Abo beziehen und alte Hefte nachbestellen, aber das Heft gibt es auch im Zeitschriftenhandel und in paarfreundlichen Erotikshops. Wir kommen alle drei Monate raus und planen gerade eine Preiserhöhung von 5 auf 6 Euro.

Ihr habt auch eine Webseite dazu. Was findet man auf der Internet-Präsenz?

Abgesehen vom Heftarchiv und den Bestellformularen gibt es ein Blog mit ernsten und lustigen Nachrichten rund um Erotik und Sexualität, wir haben natürlich auch eine Facebook-Seite und einen (leider zur Zeit etwas vernachlässigten) Twitter-Account.

Ganz aktuell habt ihr ein neues Heft draußen, in dem es sich nur um Erotik-Filme dreht. Erzähl mal Näheres dazu? Geht es um Porn-Art? Oder eher Softerotik? Alte oder nur neue Filme? Ich bin neugierig.

Das Thema “Pornofilm” in einem frei verkäuflichen Heft zu behandeln ist in Deutschland ja etwas schwierig, da es als Werbung für Pornografie ausgelegt werden kann und die ist verboten. Aber die Leser und auch die Leserinnen interessiert das, auch weil in dem Bereich gerade so viel passiert. Immer mehr Frauen drehen Sexfilme, und auch männerdominierte Produktionsfirmen merken, dass ihre Rammelstreifen nicht mehr so gut ankommen bzw. sich kein Geld mehr damit verdienen lässt.

Feigenblatt Sonderheft

Ich fand es schade, dass wir über diese spannende Entwicklung im Feigenblatt nichts schreiben können. Darum habe ich ein Sonderheft gemacht, das nicht am Kiosk sondern gratis in Erotikshops verteilt wird, damit es nicht so leicht in Kinderhände kommt. Im Heft stellen wir nicht nur alternative (Frauen-)Pornos vor, sondern auch die Klassiker wie “Deep Throat” und “Emanuelle” aber auch die besten erotischen Kinofilme und Lehrfilme.

Was war deiner Meinung nach die bisher spannendste Story?

Vielleicht unser Heft zur männlichen Sexualität. Frau denkt ja oft, dass die ganz einfach ist – die Einsendungen unserer männlichen Gastschreiber zu diesem Thema haben mich dann echt umgehauen. In Frauenzeitschriften geht es ja immer nur um weibliche Erotik, aber bei den Männern ist es mindesten genauso kompliziert. Und in dieser Ausgabe haben wir es dann auch geschafft, bis auf eine Ausnahme nur Männer zu Wort kommen lassen, wo sonst die meisten Texte im Feigenblatt aus weiblicher Feder stammen.

Das Heft ist aber leider schon vergriffen ;-)

Gibt es Überlegungen, das Konzept des “Feigenblatt” aufs Internet zu übertragen und dort parallel zur Printausgabe Geld zu verdienen? Wie könnte das aussehen?

Im Augenblick nicht, weil ich zum Lesen von längeren Texten das Medium Zeitschrift immer noch am geeignetsten finde. Wenn überhaupt, dann könnte ich es mir für bloße Lesegeräte wie den Kindle oder vielleicht auch das Ipad vorstellen (wobei Letzteres wegen der Thematik Erotik vermutlich nicht möglich sein wird).

Feigenblatt-Cover Herbst 2009

Nehmen wir einmal an, einer der großen Player der Erotik-Branche, zum Beispiel Beate Uhse oder Orion, würde zu dir kommen und das Feigenblatt kaufen wollen. Wie würdest du reagieren? Wäre das spannend für dich?

Natürlich ist das eine verlockende Vorstellung – fragt sich nur, wieviel vom ursprünglichen Konzept des Feigenblatts noch übrig bliebe, wenn ein kühler Rechner das analysiert. Wie sowas endet, kann man ganz gut bei der “Alley Cat” beobachten. Burda hat das Konzept im Frühjahr eingekauft und seidem eine einzige Ausgabe rausgebracht – dann kam nix mehr. Da bleibe ich lieber meine eigene Chefin.

Die letzte Frage: Worüber muss in einer der nächsten Ausgaben unbedingt einmal geschrieben werden? Was ist dein absolutes Traum-Thema?

Ein Traum-Thema habe ich eigentlich nicht. Das tolle an Sexualität ist doch, dass es so viele Facetten und Möglichkeiten gibt – wäre ja sonst auch sehr schnell langweilig.

Vielen Dank für die Zeit, die du uns zur Verfügung gestellt hast, Anja. Ich wünsche dir und dem “Feigenblatt” allen erdenklichen Erfolg in den kommenden Jahren. Ich finde es toll, dass es solche Projekte in einer Zeit des permanenten Informations-Overkill, nach vorn gebracht mit unglaublich viel Engagement, Herzblut und Liebe zum Detail, noch oder besser: wieder gibt.

Kontakt für alle Interessierten:

Feigenblatt Magazin
Anja Braun
————————–
Teplitzer Straße 28-30
14193 Berlin

www.feigenblatt-magazin.de


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Über den Autor

Matias Roskos
2772 Beiträge

Matias Roskos ist der Gründer des VisualBlog. Neben seiner Tätigkeit als Blogger ist er noch Inhaber von Deutschlands erster Community- und Crowdsourcing-Agentur VOdA. Als Crowdsourcing-Evangelist beschäftigt er sich als Redner und Autor mit dem Thema Open Innovation, Crowdsourcing und Socialnetworkstrategien. Er schreibt für diverse andere Webprojekte und betreibt das Fachblog Socialnetworkstrategien.de

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  1. [...] hatten wir ja bereits die Macherin, Anja Braun, interviewt und mir ihr über Qualität im Bereich Erotik und den Erfolg ihres Print-Magazins geplaudert. Und [...]

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