48 Stunden Integration – Die Ausstellung im Kottbusser Tor

Gerade fand die Ausstellung von 48 Stunden Integration in den U-Bahngängen des Kottbusser Tors in Berlin / Kreuzberg statt. Am Vorabend wurden im Späti in der Skarlitzer Straße 66 ca. 300 vorbeilaufende Menschen fotografiert. Alle die Lust hatten, hielten einen Zettel mit ihrer individuellen Botschaft vor sich und wurden von dem Fotografen Masakatsu Yuasa abgelichtet. Der Abend hat einen riesen Spaß gemacht, es wurde spontan gefeiert, man unterhielt sich auf vielen Sprachen mit völlig Fremden.

Heute wurden die dort entstandenen Bilder eben in den Gängen der U-Bahn ausgestellt, den Passanten wurde ein wenig Hässlichkeit genommen und Entschleunigung geschenkt. Spontan fanden sich noch andere Künstler zusammen, die Gedichte, Bilder, Botschaften und Fotoarbeiten ausstellten. Die Gänge wurden einfach wild und bunt zugehangen. Eine rundum gelungene Aktion für alle und jeden, in der man einander begegnen konnte, jenseits der trockenen, stilisierten und überintellektualisierten Museumsatmosphäre: Streetart halt.

Wer sich für den vollen Text des von mir ausgestellten Gedichts interessiert, einmal weiterlesen:

Tausend Augen laden zum Sehen ein.

Tausend Augen laden zum Sehen ein,

doch was sehen sie, wenn sie der Einladung folgen?

Sie sehen jeden Tag die Dramen des Weltbürgerkriegstheaters,

eingängig aufbereitet um fünf, um sieben, um neun in der Frühe,

mittags, nachmittags, vorabends, abends und nachts,

rund um die Uhr informiert,

auch zwischen den Serien und während der Pausen,

als Werbeanhängsel.

Wir sehen Tod, Zerstörung, Konflikt und Unverständnis,

sehen Frauen in Blusen und Männer in Anzügen, die

anscheinend etwas damit zu tun haben.

Wir werden gerne daran erinnert, wie gut es uns geht,

eingängig aufbereitet um fünf, um sieben, um neun in der Frühe,

mittags, nachmittags, vorabends, abends und nachts,

rund um die Uhr,

eine schnelle Naturkatastrophe und eilige Spendengalas tun ihre Wirkung

und dann noch das Wetter:

es friert im Heimatlande.

(Timo Maier 2010)

6 Gedanken zu “48 Stunden Integration – Die Ausstellung im Kottbusser Tor

  1. Menschen in Kreuzberg, hier geht die Artenvielfalt.
    Monokulturen sind doch anfällig für Schädlinge oder….?
    Mischkulturen sind stark und vielfältig.
    Mischkulturen sind gut fürs Öosystem, denn jedes Wesen übernimmt andere Aufgaben und hat eine andere Einzigartigkeit.
    Yeah Berlin, Du bist die Hauptstadt
    Axel

  2. Pingback: Down In The Tube Station | Spreeblick

  3. Pingback: 48 Stunden Integration am Kottbusser Tor « Berlin based Streetart / Urban-Art Blog Since 1984

  4. Super-Beitrag und schöne, alltags-intervenierende Kunstaktion

    Warum gab es das nicht schon öfter? Genügend bereitwillige Initiatoren und Künstler dürften sich in Kreuzberg ja finden…

    Was sonst so passiert, hier ein Link zu meinem neuen Blog:

    http://ntropy.de/

  5. Pingback: 987/10: Video: Menschen, die von Freiheit träumen, sollten Zoobesuche nicht versäumen! #Videotipp | gesichtspunkte.de – Hier bloggt der Verwalter…

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