Wessen Herz allgemein für Musikdokus und speziell für Ikonen der Gitarrenmusik schlägt, der sollte sich It Might Get Loud von Davis Guggenheim auf keinen Fall entgehen lassen.
Als riesengroßer Fan der White Stripes und von Led Zeppelin, sowie Liebhaber ausufernder Gitarrenriffs war es für mich ein absolutes Muss diesen Film zu schauen. Nun stellt sich natürlich die Frage, was neben dem Gitarrengott Page und dem Anwärter auf den Riffolymp Jack White The Edge in dem Film zu suchen hat. U2 war eigentlich nie mein Fall und von ausgeprägter Virtuosität im Klampfenspiel kann bei The Edge auch nicht gerade die Rede sein. Doch der Film hat alle meine Ressentiments zunichte gemacht – Und hier liegt gerade dessen Stärke: Drei Künstlern den Raum zu bieten, über ihren speziellen Zugang zu ihrem Instrument reflektieren zu lassen, ganz unvoreingenommen. Denn auch wenn The Edge handwerklich nicht das hohe Niveau seiner Mitspieler erreicht, ist seine Art das Instrument als Medium seiner inneren Klangwelt einzusetzen, etwas sehr Besonderes. Er veranschaulicht, wie wenig er eigentlich an den Seiten selbst arbeitet, um zu seinem speziellen Sound zu kommen, dafür aber ein technisches System geschaffen hat, das den Klang in seinem Sinne für ihn erzeugt. Dies ist seine Meisterschaft. Wenn man dann noch bedenkt, dass er auf seinen Output direkt reagiert und im Prozeß weiter verarbeitet, er also ein sehr fluide agierender Musiker zu sein scheint mit einer hervorragnden Intuition für dichte Klangwelten, kann man nur noch schwerlich an seinen Platz in diesem Film herum nörgeln. Andererseits nimmt er im Sinne des Filmkonzepts eine Art Brückenfunktion zwischen Page und White ein, da seine Anwesenheit für mehr Pluralismus aber auch Differenzierung sorgt. Und zuletzt ist der Typ einfach nur sympathisch.
Bemerkenswert ist noch die unglaubliche Stilsicherheit im Auftreten Jack White’s, manifestiert in der Kohärenz all seiner Facetten: Ob seine Kleidung, die Räume, in denen er sich aufhält oder der Wagen, den er fährt – alles ist irgendwie in die 30′er verrückt, stilvoll heruntergekommen, erdig (selbst die Website seiner Band The Raconteurs kommt im puristischen Amiga-Design daher). Immer wieder betont White den Kampf mit seinem Instrument, seine Musik findet ihre Wahrhaftigkeit im verrauchten Blues, in einer schroffen, einsamen Melancholie. Irgendetwas scheint er sich selbst und dem Leben abringen zu müssen, jedes Mal, wenn er zur Gitarre greift. Sein Spiel gräbt scharfen Ernst in seine ansonsten weichen, jungenhaften Züge, so ganz vom Dämon Blues besessen. Und zu Jimmy Page kann man eigentlich nicht viel mehr sagen, als dass er als weiser und ehrwürdiger Mentor anmutet, dessen herzhaftes Lächeln ihn zeitlos jung erscheinen lässt. Irgendwie komt er mir wie der Fiddler on the Green vor, nur eben mit Gitarre statt Geige.
Bald kommt die White Stripes Doku Under Great White Northern Lights hier hoffentlich auf DVD raus, auf die ich mich auch schon ganz besonders freue. Vielleicht läuft sie ja auch in einem kleinen Programmkino oder auf der Berlinale.






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