Auf der anderen Seite der Leinwand

Timo Maier
22. Januar 2010, 21:12 Uhr, 1 Reaktion
Kategorie: Film, Kultur

Der erste Film, den ich im Zuge des Filmfestival Max Ophüls Preis 2010 sah, war eine Doku über ein Kino: Das Moviemento in Berlin/Kreuzberg. Da das kleine Programmkino zu einem meiner Lieblingskinos gehört, und ich zudem noch in der unmittelbaren Nachbarschaft wohne, habe ich mich auf Auf der anderen Seite der Leinwand ganz besonders gefreut. Und die Vorfreude wurde nicht enttäuscht, ganz im Gegenteil, der Low- bis Nobudget Film ist äußerst gelungen. Der cineastische Raum wird hier selbst zum Protagonisten erhoben, dessen Biographie zweifelsohne nicht nur abwechslungsreich, spannend und vielschichtig ist, sondern auch kaum bekannt. Hier arbeiteten einflussreiche deutsche Künstler und Filmschaffende wie Tom Tykwer, Wieland Speck, Blixa Bargeld und Dani Levy (das meint auch den Kartenabriss über die Vorführung bis hin zum Kloputzen), hier kam die Rocky Horror Picture Show zu ihrem Recht, hier wurde das Fundament für Regiekarrieren gelegt sowie für X-Films, geboren aus den zufälligen Begegnungen oben genannter Menschen. Zusammengenommen ist dies alles ein wichtiges Kleinod deutscher Kinogeschichte, welches Regisseur Bernd Sobolla zusammen mit seinem Cutter Udo Röben geborgen und inszeniert hat. Die Erzählenden tragen die Geschichte schwung- und liebevoll durch den Film, der zudem noch hervorragend geschnitten ist (lässt man die etwas eigenwilligen Brücken zur Trennung der verschiedenen ‘Lebensabschnitte’ des Kinos mal weg).

Sobolla selbst versteht den Film zwar als Hommage an alte Zeiten, möchte aber zuvorderst keine Nostalgie wecken. Der Blick zurück dient ihm als Inspiration, um ein Arthouse-Kino vom Morgen zu schaffen. Im Gespräch mit ihm betonte er vor mir noch mal sein Anliegen, ein Bewusstsein zu bilden für das Kino als Raum der Begegnung für Filmemacher und Interessierte, die sich dort direkt austauschen und gegenseitig befruchten können. Ein Anliegen, dass ich nur unterstützen kann.

Aufgrund persönlicher Befindlichkeiten zwischen Besitzern und Regisseur wird der Film leider nicht im Moviemento selbst spielen, kommt aber im Rahmen der Berlinale für zumindest eine Aufführung (zurück) nach Kreuzberg. Persönlich würde ich mich über eine Weiterverwertung auf DVD samt Bonusmaterial freuen, da wohl noch eine ganze Materialfülle an Geschichten und Anekdoten vorhanden ist, die nicht im Film vorkommen, da sie dessen Rahmen wohl gesprengt hätten. Das (gemeinsame) Sehen auf DVD entzieht sich zwar dem Ideal der Kinovorführung, schafft aber ebenfalls kleine Räume, in denen Diskurs und Inspiration gedeihen können.


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Über den Autor

Timo Maier
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Timo Maier arbeitet als Konzepter, Kommunikationsberater und Online-Redakteur, ist Filmfanatiker, Kulturwissenschaftler, freier Schreiber und liebt Live-Musik, Wolken und Details. Hier auf Twitter und Facebook

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  1. [...] öffnet das Moviemento in Berlin / Kreuzberg wieder seine Pforten für das diesjährige Pornfilmfestival. Schon der [...]

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