Diese Woche empfehle ich einen mehr als literarisch inspirierten Film: Kafka von Steven Soderbergh (1991).
Das tolle an dem Film ist, dass es sich streng genommen nicht um eine Romanverfilmung handelt. Vielmehr bedient sich der Regisseur frei an der absurden Motivik des Schriftstellers, die doch eigentlich so ganz unserer Welt entlehnt ist, und legt kurzerhand wesentliche Teile der Handlungen von Kafkas Das Schloß und Der Prozeß zusammen; ergänzt durch freie Interpretation im Geiste des Film Noir. Den philosophisch-existentialistischen Fokus abzuschwächen, ohne die Absurdität des Zufalls zu verabschieden und eine gleichsam spannende wie unterhaltende Geschichte zu erzählen, das ist die große (Eigen-)Leistung des Films und seines Machers. Dem Kritiker mag hier zu wenig Eigeninitiative am Werke sein. Doch gerade die Verweigerung einer allzu artifiziellen Interpretation auf der einen Seite und wortgetreuer Romanverfilmung auf der anderen, dafür aber ein vornehmlich visuelles System der Referentialität und Rekombination sowie die Betonung des kafkaesken Humors sind mir eine willkommene Abwechslung in der sonst so tristen und ernsthaften Rezeption des Schriftstellers, der die Postmoderne (oder Moderne, wie es beliebt) erfunden hat. Persönlich lese ich in Kafkas Werken nicht nur Schwermut, sondern auch einen überragend feinen Sinn für Humor, durchwirkt von Liebe, Verständnis und Verzeihen. Oder wie Albert Camus schrieb: „Sein [Kafkas] unglaublicher Urteilsspruch spricht diese hässliche und erschütternde Welt schließlich frei, in der selbst die Maulwürfe noch zu hoffen wagen.“

















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