Offener Brief an Robert Platzgummer – Mingamanga rockt

Matias Roskos
25. August 2009, 11:09 Uhr, 5 Reaktionen

Sehr geehrter Herr Platzgummer,
als erstes muss ich mich aufs Allerherzlichste für Ihr liebes Paket als Reaktion auf meinen Artikel über ihren Mingamanga-Comic bedanken. Als ich aus dem Urlaub zurück kam – Ich war übrigens allen Ernstes mit meiner Familie zwei Wochen in Bayern im Urlaub! Als Berliner! Und wir waren begeistert. Wirklich! – fand ich das Paket voll mit dem ersten Heft unter dem Titel “Bayern = des samma mia” auf meinem Schreibtisch. Darin auch der neue Mingamanga-Comic in gedruckter Form. So erfuhr ich auch, dass sie meinen Artikel im Internet gesehen hatten. Sie hätten übrigens ruhig ein “Hallo” oder so als Kommentar unter den Artikel setzen können! So etwas ist nicht verboten. Ganz im Gegenteil. Ein Autor freut sich darüber. Und dieses neue Internet, das manche so komisch “Web 2.0″ nennen (warum auch imma), bietet ja diese großartigen Möglichkeiten der Direktkommunikation. Zurück zum Thema.

Danke wollte ich sagen! Und ihnen mal was erklären über Berlin und so. Sie schreiben in ihrem Brief, der dem Paket beilag nämlich:

Ansonsten sind wir hier unten in München schon sehr gespannt darauf, ob und wie Sie Ihren Berliner Lesern ein Heft mit dem Titel “Bayern – des samma mia” ankündigen werden.
Nix für unguad und vui Spaß mid de Schundhefterln wünscht Eahna
Ihr
Robert Platzgummer

Ich hoffe, ich habe jetzt nix falsch abgetippt! Is net soa einfach.

Also: 1. Dieses Blog lesen nur zu einem bestimmten Prozentanteil Berliner! Wenn ich also Werbung für ihr Schundhefterln und dös Comic mach, dann mach ick dit für janz Deutschland. Und Österreich und die Schweiz gleich mit. Die lesen hier nämlich auch. Am Tag so 400 bis 500 Leute auf dem Blog. Und dazu nochmal 1.100 Feed-Abonnenten.

2. Was denken sie denn eigentlich, wie humorlos wir Berliner sind, häh?! Okay – wir sind arg kantig. Grantelig. Mürrisch. Großstadtgestresst. Das gebe ich zu. Wir ticken vielleicht auch ein bisschen anders wie ein typischer Bayer. Aber glauben sie mir: ich fand die Bayern im Urlaub nicht unsympathisch! Also die in ihren Worten durchklingenden Vorbehalte kann ich in keinster Weise teilen!

Und schlussendlich 3. Mingamanga ist ein großartiger Comic. So ziemlich das Beste, was mir in den letzten 275 Jahren in die Finger gekommen ist. Das betrifft die liebevoll gezeichneten, witzigen Charaktere genauso wie die Dialoge, die nicht aus “arggg”, “bäng”, “zisch” bestehen, sondern wo die Protagonisten sich auch was zu sagen haben. Zum Beispiel:

“Fang bloß nicht schon wieder an, ja? Und – hey! Wer hat’n Dir eigentlich erlaubt, daß Du mich “Staffie” nennst?” – “I! Weil sie “Musti” no vui greisliger ohert!”
“Hör mal, Alter, ich heiß nicht “Staffie” und nicht “Musti”, sondern MU-STA-FA! Klar!?” – “Des is ma aber z’ umständle, do bin i z’ faul dazua!”

Großartig, Herr Platzgummer! Und glauben sie mir. Kleine Türken haben wir hier in Berlin auch massenhaft. Und im Ruhrpott soll es sie auch geben. Auch in Hamburg, Bremen, Nürnberg usw. Das ist also nicht auf München beschränkt. Will sagen: vier Jungs die unterschiedlicher kaum sein können und die zusammen Abenteuer bestreiten und dabei erleben, was Freundschaft bedeutet – das ist etwas, was jeden ansprechen sollte. Egal wo und welcher Nationalität.

Das Spiel mit dem Bayerischen… Ich finds lustig und sympathisch. Ich mag den Bini. Weil er zu dem steht was er ist. Weil er Charakter hat.

So. Genug gelabert. Lieber Herr Platzgummer. Ich bin ein Fan ihres Mingamanga-Comics. Ob sie das nun wollen oder nicht. Ein Berliner. So. Das haben sie nun davon. Ich freue mich schon auf den nächsten gedruckten Comic! Und bin auch bereit dafür was zu bezahlen! Bekomm ich den hier irgendwo in Berlin?

Mit vielen Grüßen aus dem Moloch Berlin ins wunderbare Bayern
Matias Roskos

PS: Wer ein Heft “Bayern – des samma mia” mit dem neuen Mingamanga-Comic drin haben möchte, Bescheid sagen. Ich habe jetzt ein paar Exemplare. Können im Friedrichshain persönlich in Empfang genommen werden! Verschicken is ein bissel teuer, ne?

mingamanga

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Über den Autor

Matias Roskos
2708 Beiträge

Matias Roskos ist der Gründer des VisualBlog. Neben seiner Tätigkeit als Blogger ist er noch Inhaber von Deutschlands erster Community- und Crowdsourcing-Agentur VOdA. Als Crowdsourcing-Evangelist beschäftigt er sich als Redner und Autor mit dem Thema Open Innovation, Crowdsourcing und Socialnetworkstrategien. Er schreibt für diverse andere Webprojekte und betreibt das Fachblog Socialnetworkstrategien.de

5 Reaktionen

  1. Kommentar von Robert Platzgummer
    29. August 2009, 15:55 Uhr

    Grüß Gott, Herr Roskos,

    vielen Dank noch einmal, daß Ihnen meine Mingamangas gefallen und Sie so fleißig die Werbetrommel dafür rühren.

    Ich habe auch gar nichts gegen Berliner Fans, keine Sorge. Ich habe ja auch schon aus anderen Teilen “Preußens” Fanpost bekommen, sogar bis aus Hannover und Lübeck … da fällt Berlin wirklich nicht aus dem Rahmen.

    Tut mir auch leid, wenn Sie bislang vergebens auf einen Kommentar von mir zu Ihrem Artikel gewartet haben, aber ich hatte mir einfach gedacht, wieso soll ich da noch unbedingt öffentlich meinen Senf dazugeben müssen, wenn sich’s eh schon so nett liest? Außerdem hätte ich dann ja auch nichts mehr zum Schreiben fürs Paket gehabt. Ich gehöre da eigentlich eher noch zum Web 0.1 als zum Web 2.0. Bayern sind nun mal konservativ …

    Wir haben uns allerdings köstlich amüsiert (ja, wirklich!) über so wunderschön zweideutige Formulierungen wie “Keine Angst. Ja, es spielt in München. Ja, es sind bayrische Kids. Aber: die Story ist witzig, cool und nachdenklich zugleich” oder “Nur noch etwas bayrisch. Aber auf eine sympathische Art.”

    Das liest sich halt schon ein bisserl so, als stünden Sie unter Rechtfertigungsdruck, weil Bayern außerhalb Bayerns im Allgemeinen nun mal nicht als witzig, cool, nachdenklich und sympathisch gelten. Das haben wir vermutlich Edmund Stoiber zu verdanken. Oder Florian Silbereisen …

    Aber ich nehm’s Ihnen ja auch gar nicht übel. Grantig und kantig sind die Bayern schließlich auch, nur halt nicht ganz so wortreich wie die Berliner. So extrem sind die Unterschiede zwischen den Leuten sowieso nicht, wie man immer behauptet, nicht mal zwischen Bayern und Türken (das will mir übrigens auch fast keiner glauben …).

    In Berlin wird das aktuelle Heft vorerst leider nicht erhältlich sein. Das Verbreitungsgebiet beschränkt sich bislang auf die Münchner Innenstadt, da ich die Hefterln (Auflage 2.500 Stück, davon sind im Moment noch etwa 1.100 vorhanden) höchstpersönlich hier in diversen Geschäften und Wirtschaften auslegen muß. Ich stecke also etwa alle zwei Wochen so viel, wie ich tragen kann, in den Rucksack und mache dann eine kleine Stadtrundfahrt …

    Eine weitere Fortsetzung steht momentan auch noch in den Sternen. Voriges Jahr beim Erlangener Comicsalon ist mein Comic jedenfalls noch auf mehr oder minder höfliche Ablehnung gestoßen, da man bei den Verlagen derzeit auf “richtige” – also japanische – Mangas fixiert ist, aber auch deswegen, weil man sich anscheinend irgendwie nicht so recht vorstellen kann, daß das außerhalb Bayerns erfolgreich sein könnte (“Das wird sich höchstens in München und Umgebung verkaufen! Gehen Sie zu Laska Grafix damit!”).

    Auf dem Münchner Comicfest allerdings hat diesmal zumindest ein Comicmagazin Interesse daran bekundet. Mal sehen, was sich daraus entwickelt.

    Oiso, nix für unguat und an scheena Gruaß,
    Eahna Robert Platzgummer

  2. Kommentar von Matias Roskos
    29. August 2009, 16:48 Uhr

    Hallo Herr Platzgummer,
    DAS nenn ich doch mal einen Kommentar. Freu mich! :)
    So wie sie denken fast alle: “Nett von dem dass der was über mich schreibt.” Aber woher soll ich denn wissen, dass derjenige es auch gelesen hat, wenn er nicht kommentiert?
    Aber so langsam kommen die Möglichkeiten des Web 2.0 auch bei den Normalsterblichen an. Und das ist gut so.
    Wenn ich irgendwie helfen kann… Laska verlegt auch Fremd-Comics?
    Wär extrem schade, wenn es mit Mingamanga nicht weitergehen würde!!!

  3. [...] im Wert von 5,00 Euro Einer meiner absoluten Lieblings-Comics zur Zeit. Siehe auch diesen Blogbeitrag von mir [...]

  4. Kommentar von C64
    25. Februar 2010, 10:36 Uhr

    ick bin och preuße, und ick les mingamanga jern! jefällt ma jut dit ding. ;)

    Viele grüße an Herrn Platzgummer.

  5. Kommentar von Xaver Himpsl
    14. September 2010, 11:13 Uhr

    Servus Leute
    Hier noch ein Gruß aus Bayern.
    Ich halte mich selbst für den größten Fan der Mingamangas.
    Hab es geschafft alle Drucke die es bis jetzt von ihnen giebt (zumindest soweit ich weis…) zu beschaffen. Was teilweise gar nicht so einfach war. Kann nur empfehlen wenn man vom Robert noch eine coole Geschichte lesen will einmal hier reinzuschauen. http://www.volkverlag.de/neuerscheinungen/neuerscheinung-wiesn-gschichtn
    Ist zwar nicht von den mingamangas, aber nichtsdestotrotz eine hervoragende Geschichte!
    Xav

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