Womit lässt sich das eigene Profil in einem Social Network am besten vergleichen, möchte man es in Relation zum normalen Leben dort draußen setzen? Aus meiner Sicht: mit der eigenen Wohnung – einer virtuellen Wohnung. Darum hier also:
Der ultimative Social-Network-Wohnungsvergleich
Wenn ich mein Socialnetwork-Profil mit meiner Wohnung vergleiche, dann erwarte ich nachfolgend aufgeführte Zimmer. Ich vergleiche meine Wünsche mit den Möglichkeiten der hierzulande führenden Social Networks: StudiVZ bzw. MeinVZ, Wer-kennt-wen, MySpace und Facebook. In allen habe ich Profile, die ich mehr oder weniger intensiv nutze. Außen vor lasse ich ganz bewusst Xing, da dieses ein reines Business-Netzwerk ist, das zwar auch einem Social Network entspricht, aber mit ganz spezieller Ausrichtung. Es muss den hier von mir geforderten Ansprüchen nicht genügen. Xing hat seine ganz eigenen Stärken, die ich sehr zu schätzen weiß.
- Wohnzimmer
Hier soll es gemütlich sein. Ich möchte mich wohl fühlen. Dazu gehört eine Couch und auch ein Fernseher, vor dem ich entspannen kann. Ich möchte mein Wohnzimmer individuell einrichten können.
Das bedeutet für das virtuelle Pendant: umfangreiche Designanpassungen müssen möglich sein. Entweder in dem ich selbst zu Malerrolle und Tapeziertisch greife oder in dem ich auf vorgefertigte Designvorschläge in guter Qualität und ausreichender Anzahl zurückgreifen kann.- StudiVZ/MeinVZ: Note 6- würd ich sagen. Null Individualität. Auch das mit dem TV (Videoeinbindung) geht leider überhaupt nicht.
- Wer-kennt-wen: Note 6-. Nix geht. Gruselig. Keine Spur von Individualität, kein TV (Videos).
- MySpace: Eine glatte 1. Man kann individualisieren ohne Ende. Super. Führt zwar zum Teil zu grausigen Ergebnissen. Aber wers mag. Jedem das Seine. Genau das ist eine der ganz starken Seiten von MySpace.
Und auch TV, also Videos, sind überhaupt kein Problem. Sehr leicht einbindbar. Vorbildlich. - Facebook: Note 3. Am Design kann man nix verändern. Aber man kann wenigstens Apps dazunehmen und bestimmte Bereiche unterschiedlich anordnern. Wenn man nun noch das Design seines Profils verändern könnte, käme man ein ganzes Stück näher an die Qualität und den Spaß von MySpace heran.
Auch Videos lassen sich einbinden. Perfekt. - Fazit:MySpace ist hier einsame Spitze. Facebook wehrt sich gegen individuelle Designanpassungen. Warum weiß so richtig niemand. StudiVZ und Wer-kennt-wen, die beiden deutschen Socialnetwork-Schwergewichte sind hier so innovativ wie ne kalt gewordene Bratwurst. Traurig und schade. Keinerlei Individualität, keinerlei Videoeinbindung.
- Kinderzimmer
Zuhause spielen hier die Kinder. Die kleinen, wie auch die großen! Lego, Playmobil, Carrera, Puzzle, Gesellschaftsspiele, mit Aufstellfiguren wie den alten DDR-Indianern.
Ins Internet übertragen bedeutet das zuallererst: Games. Kann ich in meinem Social Network, in meiner virtuellen Wohnung Online-Games zocken? Wird mir Spaß und Ablenkung geboten?- StudiVZ/MeinVZ: Mal wieder nix. Note: 6.
- Wer-kennt-wen: Auch hier: nix. 6.
- MySpace: Naja – viel zu wenig. Wenn ich suche, würde ich bestimmt auch ein Widget finden. Aber nicht explizit, was schade und unklug ist, schaut man sich die Erfolge von Bigpoint & Co an. Note 4.
- Facebook: Hier wird ziemlich viel Albernes getan. Man wird mit Schneebällen beschmissen, kann Pokern oder muss sein Auto umparken. Dank der Application-Politik ist Facebook hier ganz weit vorn. Wünschen würde ich mir einen eigenen Bereich für Games, mit Qualitätssiegel.
Note 2. - Fazit: Facebook ist hier einsame Spitze. die Application-Politik zahlt sich aus. MySpace holt auf, tut aber in dem Bereich noch nicht wirklich viel. Traurig ist das Bild bei allen deutschen Playern, die sich einfach keine passenden Partner suchen. Warum auch immer…
- Schlafzimmer
Entspannen, träumen, lesen, massieren lassen, Sex.- StudiVZ/MeinVZ: In Sachen Sex gibt es unsäglich viele Gruppen. Sollte man das vorbildlich nennen? Auf jeden Fall geht da einiges, etliches davon auch unter der Gürtellinie. Nicht umsonst wird StudiVZ als die größte Datingplattform Deutschlands bezeichnet. Da kann man dem Portal durchaus eine 2 für geben.
- Wer-kennt-wen: Naja. Eher mau. Wer-kennt-wen ist so sexy wie Omas Sofa aus den 50ern. Ich geb mal ne 5.
- MySpace: Fast alles findet man auf MySpace. MySpace ist ohne Frage Hot & Sexy.
Auch hier wieder eine glatte 1. - Facebook: Eher konservativ. Was nicht schlecht sein muss. Aber ein bissel chilliger und heißer könnte es ruhig sein. Facebook ist nicht wirklich sexy, was aber auch an den Leuten und der strukturellen Ausrichtung von Facebook liegt. Das gibt eine 4 als Note.
- Fazit: Hier ist StudiVZ erstaunlich stark. Das erklärt, unter anderem, auch seinen Erfolg. StudiVZ ist nunmal vor allem eine Datingplattform und weniger ein wirkliches Online-Zuhause. Aber ein bissel mehr sexy ist einfach MySpace. Da stimmt das ganze Drum und Dran.
- Küche
Kochen und Genuss, guter Wein, ein prall gefüllter Kühlschrank, stylisches Geschirr, Kerzen, Gewürze…
Wie soll man das ins Internet übertragen? Wohl am ehesten, wenn man an Ecommerce denkt. Also ein Warenhaus zum Bestellen all dessen, was ich online bestellen kann. Und das in einem angenehmen Ambiente. Dazu noch Empfehlungsmöglichkeiten, damit meine Freunde sehen, was ich Cooles gekauft habe oder was ich gern zu Weihnachten hätte.- StudiVZ/MeinVZ: Fast nix. Ab und zu gibt es auf der Startseite eine Kaufempfehlung, zum Beispiel zu Brands4friends, was aber alles reine Werbung ist. Aber immerhin: Note 4.
- Wer-kennt-wen: Nix. 6.
- MySpace: Naja, wenn man sucht. Aber von der Plattform selbst kommt nix. 5.
- Facebook: Nix, (noch?) kein Facebook-Marktplatz. Jedenfalls nicht wirklich. 5.
- Fazit: Kein Social Network hat wirklich spannende Ecommerce-Bereiche. Dabei würde sich eine enge Zusammenarbeit mit Amazon oder auch Projekten wie Etsy oder Dawanda anbieten. Auch Live-Shopping wäre absolut denkbar. Und Social-Commerce-Projekte wie Smatch oder Edelight könnten eine echte Bereicherung für das eigene Socialnetwork-Profil sein.
Wo bleiben die sinnvollen Kooperationen? Ich würde gern direkt in Facebook oder auf MySpace shoppen und meine gekauften Produkte durchaus auch anderen empfehlen! “Hey, schaut mal. Habe gerade von Brands4friends diesen coolen Gürtel bekommen…” Aber ich gehe fürs Empfehlen nicht extra auf eine neue Plattform. Das ist Blödsinn. Wann fangen endlich die sinnvollen Kooperationen zwischen den Networks und Social-Commerce und Ecommerce-Plattformen an? Siehe hierzu auch meinen Artikel “Die künftigen Erlösmodelle für Social Networks – So wird die Zukunft aussehen“
- Bad
Duschen oder Baden. Kosmetik. Entspannen.
Virtuell könnte das bedeuten… Keine Ahnung. Wer hat einen guten Vorschlag? Was fehlt noch in der virtuellen Wohnung?- StudiVZ/MeinVZ: noch offen wegen Ideenlosigkeit des Autors.
- Wer-kennt-wen: noch offen wegen Ideenlosigkeit des Autors.
- MySpace: noch offen wegen Ideenlosigkeit des Autors.
- Facebook: noch offen wegen Ideenlosigkeit des Autors.
- Balkon
Nicht jeder hat ihn, nicht jeder will ihn. Aber wer in der Großstadt lebt, ist oft froh über ein bisschen Grün und die Möglichkeit im Sommer in der Sonne frühstücken zu können und sich mit Freunden oder der Familie die Fotos aus dem letzten Urlaub anzuschauen.
Was kann das übertragen aufs Internet bedeuten? Fotoalben. Ein Social Network kommt heute nicht ohne Fotos aus.- StudiVZ/MeinVZ: Vorhanden. Man kann sogar Leute auf den Fotos markieren. Leider geht das nicht in den Gruppen, wo das Einbinden von Bildern aus einem eigenen Album nicht möglich ist. Unverständlich und schade. Note: 3.
- Wer-kennt-wen: Fotos gibt es. Verlinken darauf kann man mittlerweile. Note: 3.
- MySpace: Fotos und Videos können auf MySpace archiviert werden. Vorbildlich. Auch das Markieren ist kein Problem. Vorbildlich. Nur ein bissel versteckt, wie ich finde Note: 2.
- Facebook: Bezeichnet sich selbst als größte Bildergalerie der Welt. Man kann Alben anlegen und Leute darauf verlinken. Man kann diese Bilder auch wunderbar in Gruppen posten. Perfekt. Note: 1.
- Fazit: Alle Social Networks bieten Fotoalben an. Das ist super. Aber auch hier hat Facebook einen enormen Vorsprung, MySpace kann gut mithalten.
- Flur
Zuhause stehen dort die Schuhe, hängen die Schlüssel und die Jacken. Ist er groß genug, ist oft auch Platz für ein Bücherregal.
Übersetzt ins Internet könnte man hier meine Linksammlung erwarten. Also Bookmarks ala Delicious oder Mister Wong, gern auch eingebunden als Mashup.- StudiVZ/MeinVZ: Fehlanzeige. Note 6. Nix bookmarking.
- Wer-kennt-wen: Fehlanzeige. Note 6. Keine Bookmarks.
- MySpace: Noch nicht ausprobiert. Aber über Widgets müsste das machbar sein. Wird aber leider nicht explizit angeboten. Man will wohl nicht zu externen Seiten verlinken, wenn es sich vermeiden lässt. Note 4.
- Facebook: Gibt es entsprechende Facebook-Apps? Sicherlich. Facebook ist hier also sicherlich Spitzenreiter, Dank seiner Application-Politik. Wird aber auch nicht als extra ausgewiesenes Tool angeboten. Schade. “Socialbookmark on Facebook” wär ein cooles Feature. Note 4.
- Fazit: Social Bookmarks kommen in Social Networks noch viel zu selten vor. Warum eigentlich? Warum muss ich extra zu Mister Wong oder Delicious oder StumbleUpon surfen? Könnte man doch direkt einbinden ins Profil.
Das wäre meine normale Wohnung. Einiges davon bieten mir die Social Networks schon. MySpace und Facebook mit gewaltigem Qualitätsvorsprung gegenüber den deutschen Spitzenreitern, die ihre Bewohner eher in billigstem Sozialbau vegetieren lassen und das in Interviews immer damit begründen, das die Nutzer mit mehr völlig überfordert wären. Traurig. Für WIE schlicht halten die ihre Nutzer eigentlich. Um nicht zu überfordern gibt es intelligente Usability-Konzepte. Usability.de könnte da sicherlich beim intelligenten Planen helfen.
Oft ist die virtuelle Wohnung bei weitem noch nicht das Zuhause, das man sich vorstellt. Zu wenig Personalisierung, zu wenig eigener Stil, zu wenig Möglichkeiten sich wirklich häuslich einzurichten.
Ein Anfang ist gemacht. Die kommenden zwei Jahre werden zeigen, wie weit die Social Networks sich auf die Nutzer einrichten. Einige werden dabei auf der Strecke bleiben, weil sie einfach nicht begreifen wollen, das man nur mit Innovationen die Menschen weiter an sich binden kann. Die Erwartungen der Nutzer sind hoch, zu Recht. Und sie werden wachsen, Schritt für Schritt. Wer kann mit wachsen? Facebook und MySpace sind hier deutlich besser aufgestellt als StudiVZ und Wer-kennt-wen. In meiner Benotung schlägt sich das wie folgt wieder (Gesamtnote):
- StudiVZ: 4,5
- Wer-kennt-wen: 5,2
- MySpace: 2,8
- Facebook: 3,2
Wer-kennt-wen ist komplett durchgefallen. Hier muss in der Zukunft eine Menge passieren, will man das Rennen um das “Traum-Zuhause” der Zukunft nicht verlieren! Mag ja sein, das Einfachheit zu Anfang der Schlüssel zum ersten Wachstum ist. Aber kennen die Menschen sich erstmal etwas besser aus im Netz, sind sie genauso schnell weg! Denn wechseln kostet nix.
StudiVZ ist nur ein bisschen besser, weil man so herrlich daten kann dort und vieles über die Fotoalben läuft. Ansonsten ist es gruselig langweilig auf StudiVZ.
Klarer Sieger ist MySpace. Dieses Network punktet durch die vielen Individualisierungsmöglichkeiten und dem Einbinden von so ziemlich allem was geht. Das macht Spaß und zieht viele spannende Menschen an.
Ähnlich schauts bei Facebook aus. Nicht umsonst sind beide weltweit etwa gleich stark. Facebook muss seinen Vorsprung im Bereich Widgets und Applications weiter halten und sollte unbedingt in Sachen Individualisierung des eigenen Profils umdenken.
Beide, MySpace wie auch Facebook, sind gut gerüstet für die Zukunft. Doch Stillstand wäre ihr Tod. Es muss immer weiter gehen mit neuen Tools, mit Innovationen, mit dem Zuhören, was die Nutzer – die aktuellen, wie auch die künftigen (!) – möchten und erwarten. Die Reise geht immer weiter.
Da wir ja alle davon träumen, das es uns so richtig gut geht und das in der virtuellen Welt auch viel leichter simulierbar ist, stelle man sich nun einmal vor, ich möchte nicht meine normale, alltägliche Wohnung vorfinden, sondern gern in einer Villa wohnen. Mein bevorzugtes Social Network soll mir also alles bieten, was meine Traumvilla mir bietet. Übertragen auf den virtuellen Raum. Ich denke, das ist wahrlich nicht zu viel verlangt.
Doch dazu mehr dann in der Fortsetzung dieses Artikels in ein paar Tagen.






2 Reaktionen
31. Januar 2009, 18:36 Uhr
Ein sehr interessantes Gedankenspiel dieser Vergleich zwischen einem Social Network Profil und einer Wohnung. Mal sehen, ob ich dies in meine Diplomarbeit, die sich mit dem Thema Social Software in Verbindung mit Social Network Plattformen auseinander setzt, einarbeiten kann. Ralph
05. Februar 2009, 08:01 Uhr
[...] 5, 2009 · Keine Kommentare Gerade bin ich beim Stöbern durch meine vielen Blogs auf diesen Beitrag im VisualBlog gestoßen. Ich weiß, ich habe ihn erst spät gesehen – schmunzeln musste ich dennoch. Verschiedene Social [...]