Fotografie: Kubikfoto überschreitet bewusst Grenzen

Die Genies von Kubikfoto haben ihre Technologie erstmals in einem Musikvideo eingesetzt, vor dem man staunend und Kopf schüttelnd zu gleich sitzt. Und das aus mehreren Gründen. Eins vorne weg: da ich nicht zu denen gehöre, die glauben, dass Filme, Bücher und Computerspiele in denen Gewalt gezeigt wird die Jugend verderben, ich mir gern auch mal einen Horrorfilm ansehe und die FSK für ein undurchschaubares Zensurübel halte, hab ich auch kein Problem damit, dass hier zu posten. Denn klar: das interaktive Horror-Video zum „Haus in Neuruppin“ von K.I.Z. ist nichts für Schöngeister und selbst wenn man sich den Point&Click-Clip versucht aus rein genialistisch-technischen Gesichtspunkten anzusehen, brauchts schon leicht betäubte Geschmacksnerven.

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Ob die Welt den gerappten Tagesablauf und die Wochenendplanung eines Serienkillers und die detaillierte Beschreibung seiner Freizeitaktivitäten in der Mark Brandenburg wirklich braucht, sei hier mal nicht zu Ende gedacht. Theodor Fontane dreht sich beim hören des Textes sicherlich im Grabe um und ich wiederum höre schon den Aufschrei der Jugendschützer, wenn Lied und dazugehöriges Video durch sind. Das Storyboard ist eine Gratwanderung. Man kann es gut finden oder auch nicht (ich für meinen Teil finde die künstlerische Verpackung von K.I.Z. überhaupt einfach nur schlecht), sollte sich aber unbedingt mit den Machern des Videos intensiver beschäftigen. Und wer sich dafür nicht in die zweifelhaften Abgründe Berliner Aggro Rapper begeben möchte, der schaut halt einfach so im Portfolio von Kubikfoto vorbei. Er wird Sensationelles finden.

Als vor gut zwei Jahren die erste Arbeit von Kubikfoto, einem interdisziplinären Team aus Fotografen, Psychologen und Informatikern die sich auf die Entwicklung und Umsetzung interaktiver Multimedia-Anwendungen spezialisiert haben, auftauchte war ich regelrecht sprachlos. Das interaktive Kubikfoto setzt neue Maßstäbe in der Flash-Programmierung und basiert auf neuesten Erkenntnissen aus Wahrnehmungspsychologie und Hirnforschung. „Gelungene Kommunikation ist die Fähigkeit, in den Köpfen der Menschen eine Wirklichkeit zu erzeugen, die in Schwingung versetzt“, erläutert Peter Kruse, Honorarprofessor für Allgemeine und Organisationspsychologie an der Universität Bremen und Mitbegründer von Kubikfoto. „Nicht die Intention des Senders einer Botschaft ist entscheidend, sondern der Grad der emotionalen Einbindung des Empfängers“. Kommunikation, so Prof. Kruse, ist ein Phänomen der Resonanzbildung. In der Vielfalt der Informationen, die heute auf den Menschen einstürmen, ist es schon eine Kunst, überhaupt bemerkt zu werden. Einerseits fordern die mediengewohnten Konsumenten Bilder, um einer Sache ihre Aufmerksamkeit zu schenken – ohne Bilder geht es kaum noch. Andererseits begrenzen die Bilder die eigene Phantasie, fördern schnelle Abnutzung und Langeweile. Jeder der die Frustration kennt, den die Verfilmung eines geliebten Buches auslösen kann, weiß wovon hier die Rede ist. Der Königsweg zur Lösung des Widerspruchs ist Interaktivität. Wenn ich selbst ein Teil des Geschehens werden kann, liegt der Reiz im Entdecken und in der Möglichkeit, sich mit eigenen Beiträgen einzubringen. Volle Interaktivität ist im Internet oder auf dem Handy aber schnell eine Frage der Datenmenge, die heruntergeladen werden muss. Diesbezüglich ist das Kubikfoto eine Klasse für sich. Da die virtuellen Welten über echte Fotografien erzeugt werden und der Eindruck der begehbaren Vielfalt erst im Kopf des Betrachters entsteht, erreicht Kubikfoto eine maximale Wirkung auf der Basis minimaler Ladezeiten. Perfekt umgesetzt nun also in einem Musikvideo. Ich bin gespannt, was noch alles kommt…