Crowdsourcing for Hits? Funktioniert das? – Ein paar grundsätzliche Gedanken zu gutem Crowdsourcing

Matias Roskos
16. April 2008, 12:04 Uhr, 0 Reaktionen
Kategorie: Kultur, Open Innovation

Jonathan Imme hat mich dankenswerterweise auf einen spannenden Blogbeitrag zum Thema “Crowdsourcing for Hits” im Music Think Tank aufmerksam gemacht. Dort gehts nicht um die prinzipielle Frage, ob Crowdsourcing überhaupt Sinn macht. Es freut mich immer häufiger zu lesen, wie Crowdsourcing – gut und seriös umgesetzt – bei immer mehr Menschen eine echte Option für gute Mundpropaganda und sinnvolles Involvieren einer großen Gruppe von Internet-Nutzern ist. In diesem Blogposting nun geht es um die Frage, ob es machbar ist mit Hilfe von Crowdsourcing definitive Hits zu produzieren:

Here’s the problem – crowdsourcing really works well when the sum of the crowd possesses more knowledge than the expert(s); after all, an expert can never know as much as one thousand people (for example). However, when it comes to songs ISN’T ALL YOU NEED TO KNOW in the package? Everything – melody, harmony, tempo, pitch, octave, beat, rhythm, fullness of sound, noise, brilliance, lyrics and chord progression – is in the package. If we are moving toward a world where people are more interested in single songs than albums or artists – what else do you need to know about a song to pick a winner? Does the expert have all the knowledge he or she needs to make a decision? Can the sum of the crowd possibly possess more knowledge about a song than the expert(s)?

Bei Crowdsourcing, wir bei VOdA nennen es bekanntlich lieber Communitysourcing, müssen etliche Parameter stimmen, damit es “funktioniert”. Es gibt keine einfachen Lösungen und Erfolgsgarantien. Wer das verspricht ist ein Blender! Aber man kann in enger Zusammenarbeit mit dem Kunden die Eckpunkte definieren, die die Wahrscheinlichkeit erhöhen, das Crowdsourcing erfolgreich ist.

Zum einen steht die Frage: Woher kommt die Community? In unserem Fall ist es meist so, das wir unsere geniale Kreativ-Community mit ins Feld führen. Und damit haben wir dann schonmal eine solide Basis, auf der man eine spannende CS-Aktion, wie zum Beispiel den Kicker-Contest, aufsetzen kann.
Bei Bands kann das eine schon existierende Fangemeinde sein, die selbstverständlich perfekt für Crowdsourcing geeignet ist.
Dann sind da die nicht zu unterschätzenden Incentives. Sind diese nicht vorhanden oder nicht einigermaßen adäquat zu der erwarteten Leistung der User, dann geht sowas schnell in Richtung AAL (andere arbeiten lassen) und erhält einen schalen Beigeschmack. Incentives müssen da sein. Und sie müssen motivierend wirken.
Mal ist es Geld, gerade im Musikbusiness können das aber auch Dinge sein, die ganz direkt mit der Band zusammenhängen: Backstage-Tickets, Sonder-CD-Editionen, Free-Download schon vor einem Release und so weiter.

Es sollte desweiteren einen Rahmen geben, der von der betreuenden Agentur in enger Abstimmung mit dem Kunden der Community vorgegeben wird. Er sollte nicht zu sehr einengen (dann schreckt er ab). Aber jeder Mensch braucht Eckpunkte, an denen er sich festhalten kann. Wie ein Fussballfeld Seitenlinien braucht. Klare Regeln, ohne zu demotivieren.

Eine CS-Aktion sollte nie ohne permanente, professionelle Betreuung auskommen. Communitymanager mit Erfahrung sind wichtige Personen, damit Crowdsourcing nicht nur funktioniert, sondern auch allen Spaß macht. Sie kommunizieren mit der Community, laden ein, beantworten Fragen, sondieren Trolle aus, schauen das kein Bullshit in den Kommentaren und Foren gepostet wird und schauen wo an der Aktion noch Optimierungen vorgenommen werden können.

Die Zielrichtung einer Crowdsourcing darf nie aus den Augen verloren werden. Diese sollte von vornherein intern klar definiert sein. Geht es ausschließlich um Mundpropaganda? Geht es um ein konkretes Ergebnis – ein Design, eine bestimmte Anzahl von Kreatividee, eine differenzierte Meinung zu Produkten, Songs, whatever – oder will man erstmal sehen, wohin die Reise gehen kann. Auch Letzteres ist denkbar.

Zurückkommend auf die eingehende Frage: kann man Hits mittels Crowdsourcing schon vorab definieren?

Also eine Produktion von Hits via Crowdsouring ist vorstellbar, aber ein Heidenaufwand. Ich selbst stehe wenig auf Retrobands. Ich mag echte, ehrliche Musik. Also: lasst es lieber.

Aber (!!!) gute Bands via Crowdsourcing ausfindig zu machen und zu pushen – DAS wird funktionieren. Genauso wie es vorstellbar ist potentielle Hitsongs mittels Crowdsourcing zu definieren. Sogar Verbesserungsvorschläge für einen Song halte ich für durchaus denkbar.

Aber: Band und/oder Song sollten bereits existieren und “echt” sein! Dann macht es Sinn zusammen mit einer gut aufgebauten Community am Erfolg einer Band oder eines Songs zu arbeiten. Mit Meinungsbildung in einem Wiki, einem Blog oder einer anderen Software-Lösung für Communitysourcing. Auch gerade im Kreativbereich – CD-Cover, Handybilder, Character für den Tourbus, Plakat, Buttons und und und – lässt sich eine Community perfekt einbinden. Man braucht “nur” eine schon funktionierende Kreativcommunity (wie wir sie nunmal schon seit Jahren haben) und am besten dazu die Fans der Band, die dann mitdiskutieren, voten, entscheiden.

Daran hätten dann alle Spaß und Band bzw. Song können erfolgreich durchstarten. Aufbauend auf gutem Crowdsourcing und einer damit eng zusammengeschweißten und positiv motivierten Community.

Womit ich schon wieder beim Thema SNS (Social Network Strategien) wäre…



Über den Autor

Matias Roskos
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Matias Roskos ist der Gründer des VisualBlog. Neben seiner Tätigkeit als Blogger ist er noch Inhaber von Deutschlands erster Community- und Crowdsourcing-Agentur VOdA. Als Crowdsourcing-Evangelist beschäftigt er sich als Redner und Autor mit dem Thema Open Innovation, Crowdsourcing und Socialnetworkstrategien. Er schreibt für diverse andere Webprojekte und betreibt das Fachblog Socialnetworkstrategien.de

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