Es ging zuletzt mehrfach durch die Medien: in den USA hatte ein Familie versucht ein Jahr lang ohne jegliche Produkte “Made in China” auszukommen. Und auch im deutschen Fernsehen versuchte man es einen Monat lang. Und musste in beiden Experimenten feststellen, das dieses fast unmöglich ist. (siehe hierzu den Tagesspiegel-Artikel “Überleben ohne Made in China”).
Wie einige ja wissen, bin ich neben meiner umfangreichen Web-Tätigkeit auch Inhaber eines Spielwarengeschäftes in Berlin-Friedrichshain, dem Zwergen-Saloon. Das Tagesgeschäft wird dort jedoch in erster Linie von meiner Lebensgefährtin abgewickelt. Was nicht heißen soll, das man mich dort nicht auch noch ab und zu im Verkauf antrifft. Ein oft spannender Kontrast zum Internet.
Ja – auch im Zwergen-Saloon gibt es einige Produkte “Made in China”. Ginge es auch ohne? Meine klare Antwort: ja, wenn man will, ginge es auch ohne. Zum Glück. Aber mit hohem unternehmerischem Risiko. Es gibt noch (bzw. wieder) etliche Firmen, die tatsächlich noch hierzulande fertigen. Dazu gehören Erzi, Ebert, Anker, OGAS Spielschiffe, Baufix, Kellner Steckfiguren, Annedore Krebs, Spielstabil, Wader und noch etliche mehr. Aber, auch das muss klar und deutlich gesagt werden, wir würden einige unserer umsatzstärksten Segmente einbüßen, wenn wir komplett auf chinesische Ware verzichten würden. Ich denke da unter anderem an die Spielfiguren von Papo und an den ganzen “Kleinkram” wie Flummies, Spielkarten, Bücher (!!!), Puzzle, Tattoos usw., die einen so niedrigen Preis haben und daher viel gekauft werden. Diese Artikel kommen fast ausschließlich aus Fernost.
Alternativen zeigt die Initiative “Ja zu Deutschland” auf, von der ich hoffe, das sie schnell wächst und viel Medienecho erfährt. Den Menschen dort draußen kann und MUSS bewusst gemacht werden, das sie ein Stück weit selbst verantwortlich sind für das massive Abwandern von Arbeitsplätzen und Geldern nach China, ein Land, das die Menschenrechte tagtäglich mit Füßen tritt. Aber es geht nicht nur GEGEN China, sondern vor allem auch FÜR Deutschland! Denn Arbeitsplätze hierzulande heißen zum einen, das man viel besser sagen kann, was an Farben, Schutzlacken, Klebstoffen, Basismaterial (Holz aus D) und dergleichen in der Produktion verwendet wurde. Die Produktion ist durch die Verwendung einheimischer Rohstoffe deutlich von Nachhaltigkeit geprägt. Und: es werden Arbeitsplätze in Deutschland geschaffen, die Menschen/Familien ein Auskommen sichern und das Leben hier in Deutschland wieder lebenswerter machen. Wenn DAS keine Argumente sind? FÜR Deutschland.
Wir würden etliche Kundinnen und Kunden verlieren, würden wir uns nur auf Produkte “Made in Germany” oder “Made in Europe” beschränken. Und das können wir uns (noch) aus wirtschaftlichen Gründen nicht leisten.
Aber was man als Spielwarengeschäft tun kann, ist ganz bewusst den Anteil an Produkten aus Deutschland hoch zu halten. Und genau das tun wir. Haben wir die Wahl, nehmen wir immer die Firma, die hierzulande produziert. Auch wenn dann die Buddelschippe womöglich 10 Cent teurer ist. Dafür ist immer auch die Qualität deutlich besser. Aber bestimmte Produktgruppen werden gar nicht mehr in Europa gefertigt. Da haben wir im Einkauf keine Wahl.
Und was man noch tun kann, ist eine Fertigung in Deutschland zu unterstützen, besser zu promoten (was wir auch tun – wir empfehlen bevorzugt im direkten Gespräch mit der Kundin das Produkt aus Deutschland) und selbst hierzulande zu fertigen. Genau darum haben wir ganz bewusst für unser BabyRocker.de auf den Standort Deutschland gesetzt.
Man kann etwas tun FÜR den Standort Deutschland! Aber ganz ohne China ist es super schwer als Einzelhändler zu überleben. Ich will nicht sagen unmöglich. Vielleicht, aber wirklich nur vielleicht, ginge es sogar mit dem Überleben. Aber es wäre ein existentielles Risiko, das wir uns zumindest leider leider nicht leisten können.






Eine Reaktion
09. April 2008, 01:12 Uhr
Brennpunkt China
Ein Schelm, wer da schlechtes denkt – ich glaube, das sich jeder seine eigene Meinung über China’s Politik bildet. Anläßlich der bevorstehenden Olympischen Spiele in China und der aktuellen Tibet-Konflikte wünschen sich viele ein konsequenteres Eingreifen durch die Politik. Letztendlich scheitert es am schnöden Mammon. Man würde zuviel auf’s Spiel setzen, wenn man bestehende Abkommen und Lieferverträge oder Olympia selbst ernsthaft boykottieren würde!
Die eigentliche Frage ist ja – bringen uns 10 ausgebrachte Links im vorangegangenen Artikel der Lösung dieses Problems ernsthaft näher? Ich meine, ich bin ein Alleinunterhalter, Musiker und DJ. Ich singe auch gern mal für den Frieden – aber auch das hat zugegebenerweise absolut nichts mit der eigentlichen Problematik zu tun!