Wohin wird sich WordPress entwickeln

Matias Roskos
03. Februar 2008, 21:48 Uhr, 5 Reaktionen
Kategorie: Webdesign

Ich selbst nutze WordPress nun seit fast zwei Jahren und halte diese geniale Software für eine der besten Erfindungen im Netz überhaupt. Aber wo wird die Reise mit WordPress hingehen. Auf bwl zwei null ist zu lesen, das es 2009 ein semantisches WordPress geben wird, das dann selbst checkt, ob man einen Artikel tatsächlich selbst schreibt (oder nur abschreibt) und ob es auch ausgehende Links darin gibt. Hätten wir nicht Anfang Februar, sondern April würde ich glatt sagen: ein April-Scherz. Das hört sich für mich dann doch viel zu weit hergeholt an. Eine Software die meine Texte checkt und mit anderen abgleicht und dann Bewertungen vornimmt oder gar ein Veröffentlichen unterbindet?! Kann ich mir nicht vorstellen, dass das funktionieren soll. Aus verschiedenen Blickwinkeln. Zum einen: kann eine Software eine solche Leistung wirklich fehlerfrei leisten? *guck zweifelnd*

Und wird die Mehrheit der Blogger das akzeptieren? Ich hab da so meine Zweifel. Ich sehe schon zerraufte Wuschelköpfe, weil überall in den Arbeitszimmern Blogger vor sich hinfluchen, weil WordPress ihnen ständig verbietet einen Absatz so zu schreiben wie sie ihn gern schreiben würden. Weil angeblich vor zweieinhalb Jahren ein Studentin in ihrem nun schon seit über einem Jahr nicht mehr aktualisierten Blog mit fünf Einträgen einen ähnlichen Absatz veröffentlicht hatte. Nee – dat wird nischt! Aber ist vielleicht sehr kommunikativ, weil man auf die Art ganz neue Blogs und die Menschen dahinter kennenlernt.
Aber was funktionieren könnte, hatte ich neulich schon angedeutet. Immer häufiger wird WordPress als CMS eingesetzt, unabhängig vom Gedanken an ein Blog. Als simples Tool um Firmenwebseites schnell und unkompliziert aufzusetzen und dann leicht pflegen zu können. WordPress entwickelt sich weg von einer reinen Blogsoftware hin zu einer Software für verschiedene Online-Lösungen.

Wohin ich denke? Ich denke an den ganzen Bereich von Social Software. Also neben Weblogs auch an Wikis und (!!!) an Social Networks, an Communitys und noch einen Schritt weiter an Social Commerce Projekte.

Das Grundgerüst ist bei WordPress schon vorhanden. Klar – es fehlt eine starke und gut handelbare User-Verwaltung. Aber das ließe sich doch alles programmieren. Am besten Open Source! Viele Entwickler würden sich mit Freude auf WordPress stürzen und noch viel umfangreichere und komplexere Zusatzfunktionen schreiben, was ja jetzt schon fleißig für das reine Blogsystem geschieht.
Für viele entwickelt sich Facebook schon jetzt zu sehr zu einem Jahrmarkt. Sie suchen ihre Nische, fühlen sich dort nicht wohl. Eine Nische, die sie auf Facebook, MySpace, StudiVZ oder Lokalisten (noch?) nicht finden. Sie mögen es doch ein Stück intimer. Projekte wie Ning oder Mixxt setzen da an, können bisher aber nicht die erhofften Erfolge verzeichnen. Die Lösung wäre ein weiterentwickeltes WordPress. Oder ein WordPress-Ableger. Kostenlos, für jeden einfach installierbar. DAS ist es, was viele wollen. Ein WordPress für Social Networks und mit viel mehr Ecommerce bzw. Social Commerce Funktionalitäten.
Warum ich glaube, das gerade WordPress diesen Dienst leisten könnte und nicht ein junges, motiviertes Startup?

  • Weil schon jetzt Millionen Menschen weltweit WordPress nutzen. Sie stehen WordPress sehr positiv gegenüber. Die Marke ist etabliert. Und die gewaltige Nutzercommunity würde ein erweitertes WordPress wie eine gewaltige Lawine um die Welt tragen. Geniale Mundpropaganda von Millionen von Enthusiasten.
  • Es gibt schon jetzt eine erfahrene und hoch motivierte Entwickler-Szene rund um WordPress, die mit Freude neue Features, Applikationen, Zusatztools – nennt es wie ihr wollt – programmieren würde.
  • Viele haben Angst vor Datenkraken wie MySpace oder Facebook. Liebend gern würden sie sich in einer Nische im Netz einrichten, wo ihre Daten nicht direkt bei einer solchen Firma liegen, sondern auf einem Server ihrer freien Wahl.

Wirklich gute Gründe FÜR WordPress zu solch einem gewaltigen Sprung anzusetzen. Bitte tut es!


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Über den Autor

Matias Roskos
2707 Beiträge

Matias Roskos ist der Gründer des VisualBlog. Neben seiner Tätigkeit als Blogger ist er noch Inhaber von Deutschlands erster Community- und Crowdsourcing-Agentur VOdA. Als Crowdsourcing-Evangelist beschäftigt er sich als Redner und Autor mit dem Thema Open Innovation, Crowdsourcing und Socialnetworkstrategien. Er schreibt für diverse andere Webprojekte und betreibt das Fachblog Socialnetworkstrategien.de

5 Reaktionen

  1. Kommentar von Matthias
    03. Februar 2008, 23:55 Uhr

    Huch! Mein Artikel sollte eigentlich erst am (Rosen)Montag erscheinen – ein paar Minuten am Sonntag Abend reichten wohl schon für diese Replik! Nun denn… ;-)

  2. Pingback von bwl zwei null » Auch Blogs entwickeln sich weiter
    06. Februar 2008, 08:04 Uhr

    [...] Damit werden Blogs tendenziell immer offener und durchlässiger und es ist vielleicht gar kein so großer Schritt mehr zur Vision von Matias Roskos (VisualBlog), der sich ein WordPress für Social Networks wünscht, einschließlich der Integration von E-Commerce. Das eigene Blog quasi als Profil in einem Social Network? Warum eigentlich nicht? [...]

  3. Pingback von Noch kein Faschings-Gag » VisualBlog - das VisualOrgasm-Weblog
    09. Februar 2008, 15:42 Uhr

    [...] Nachtrag: ich hatte ja im Laufe der Woche schon den Faschingsgag von bwl zwei null  “entlarvt” und hielt Cems Idee mit einem Startup-Weekend-Startup direkt an die New Yorker Börse zu gehen ebenfalls für einen Faschingsgag. War aber keiner… Ups. Sorry, Cem. Aber dat ist zu sehr Blase und zu wenig unternehmerisch verantwortlich aus meiner Sicht. [...]

  4. Kommentar von Kino Freak
    29. Februar 2008, 19:49 Uhr

    Ich weiß nicht recht. so konfuss wie wordpress programmiert ist und dadurch natürlich entsprechend langsam sehe ich da wenig potenzial für weiteres.

    man muß sich auch fragen wozu?
    cms systeme gibt es an mass und die sind teils auch nicht schlecht!

  5. Kommentar von Matias
    29. Februar 2008, 20:58 Uhr

    @Kino Freak
    Mit dem “konfus” magst du ja Recht haben. Aber WordPress wird ständig verbessert und weiterentwickelt.
    Und nenn mir bitte ein einziges kostenloses und wirklich mächtiges und zugleich relativ einfach zu installierendes CMS, womit man ein Social Network aufbauen könnte?!
    Und jetzt bitte nicht Typo3. Da braucht man fünf Jahre, um es zu kapieren!

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