Nachtrag: Auf Wunsch von Martin Oetting komme ich hier – übrigens sehr gern! – seinem Wunsch (siehe Kommentar zu diesem Artikel) nach und stelle klar, das er nie behauptet hat, Crowdsourcing wäre was für Kindergartenkinder!!!!
Aber ich hätte mir trotz alledem gewünscht, das ein so ausgewiesener Fachmann in Sachen Mundpropaganda wie Martin Oetting (und für den halte ich ihn auf jeden Fall.), etwas differenzierter mit solchen wie von ihm geposteten Zitaten umgeht und nicht einfach daruntersetzt:
Das ist was dran.
Da ist nix dran, Herr Oetting. (Keine Angst – ich sehe das Ganze mit einem Augenzwinkern und hoffe du auch!) Aber im Kindergarten gab es vielleicht Malwettbewerbe, aber es gab keinen Kunden, keine Marke mit der sich auseinandergesetzt wurde. Und es gab keine Mechanismen wie es sie jetzt gibt: Kommentare, Votings, Blogs die das Ganze im Netz weitertragen, Wikis, private Nachrichten, Twitter und und und. Die ganzen Elemente, von denen ja auch TRND und ihre Mundpropaganda-Aktionen leben. DA ist ein gewaltiger Unterschied zu 1970 oder 1980 und zu Kindergarten-Malwettbewerben.
Und Crowdsourcing überhaupt in diesen Zusammenhang zu stellen und dazu dann nur zu sagen “Da ist was dran.” tut vielen engagierten Menschen, die sich intensiv mit diesem Thema beschäftigen, weh und wird dem ganzen Thema in keinster Weise gerecht. Ganz im Gegenteil.
Aber wie gesagt: ich kann drüber schmunzeln!
Hier nun der Original-Blogbeitrag:
TRND hat ne Krabbelgruppe aufgemacht. Schon vor einer ganzen Weile. Man wollte ne neue Cola entwickeln. Ein spannendes Projekt, wie ich finde. Aber für einen der Mundpropaganda-Experten bei TRND ist Crowdsourcing was fürs Vorschulalter. Leider findet Martin Oetting Crowdsourcing so ganz allgemein ziemlich doof und zitiert nun jemand anderen mit den Worten:
Crowdsourcing? Das habe ich schon als Sechsjähriger mitgemacht. Da hat die Sparkasse gesagt: ‘Wir machen einen Malwettbewerb, und aus den zwölf besten Bildern machen wir einen Kalender.
Uiuiui. Ein gewagter Schnellschuss Herr Oetting, einfach mal so alle Kreativen, egal ob bei Threadless, Lafraise, Myfootballclub, A better tomorrow oder zum Beispiel bei unserem gerade gestarteten Kicker-Contest als Kindergartenkinder zu bezeichnen. Und da fragt man sich doch, wie du dem Herrn die Vor- (und auch Nachteile) von Crowdsourcing näher gebracht hast. Wenn wir mit Leuten über Crowdsourcing reden, erklären wir die verschiedensten Formen, wie man die Kreativität der Vielen gut und sinnvoll für A) ein spannendes Endergebnis und B) gute Mundpropaganda (!!!) einsetzen kann. Contests sind da wahrlich nur EINE Variante. Aber eine für alle Beteiligten leicht verständliche. Vielleicht auch weil der ein oder andere es schon aus seiner Schul- oder meinetwegen auch Kindergartenzeit kennt.
Ick weeß, Martin. Ganz so haste es nich gesagt. Und du wirst jetzt bestimmt sagen: “Ganz so hab ich es auch nicht gemeint.”
Und ich weiß: ein bissel Provokation ist meist nicht schlecht, gerade in einem Blog. Aber das ist schon ganz schön arm bärbeißig. Und ich verstehe noch nicht mal warum. Denn Crowdsourcing ist eine geniale Sache, wenn es denn richtig angepackt wird. Und ob ein reiner Contest Crowdsourcing ist, darüber lässt sich streiten. Kein Thema. Aber sowas gleich ins Kleinkindalter zu verlegen… Naja. Hat wenig Substanz. Und wird dem Thema in keiner Weise gerecht.
Dass es Contests schon immer gab, ist prinzipiell richtig. Aber das die daran beteiligten Menschen sich Dank Internet über die Aktion, den Kunden bzw. die Marke austauschen, Beiträge via Kommentar und Voting bewerten, mittels der Reallife-Galerien inspirieren lassen und sich zudem potentiellen Kunden präsentieren können – all das ist relativ neu und gab es vor dreißig Jahren noch nicht. Das ich IHNEN das noch erklären muss, Herr Oetting. Tststs.
Leider finden Crowdsourcing-Kritiker auch immer wieder beste Beispiele, wie man es tatsächlich nicht machen sollte. Hannes Treichl wies gerade mal wieder auf so eine amateurhaft betriebene Videoaktion der Zillertal-Werbung hin. Fairness ist ein ganz wichtiger Punkt (wie ich hier im Blog und in zahlreichen Intervies nicht müde werde zu betonen), wenn es um gelungenes Crowdsourcing geht. Und eine schon existierende, passende Community ist eine ideale Basis. Darum nennen wir es meist auch nicht mehr Crowd- sondern ganz bewusst Communitysourcing.
Mein Fazit: Zitat misslungen, Herr Oetting.















2 Reaktionen
18. Februar 2008, 12:19 Uhr
Hm. Da schießt aber jemand wieder sehr schnell sehr scharf. Vielleicht kurz der Hinweis: ich habe nirgendwo behauptet, dass Crowdsourcing was für Kinder sei. Ganz im Gegenteil kann man sogar sagen, dass meine Forschung sich um einen Aspekt des Crowdsourcing im Marketing dreht (www.empoweredinvolvement.com).
Was ich einzig und allein mit der Wiedergabe des Zitats zeigen will, ist, dass man sich ab und zu daran erinnern sollte, dass superspannende neue Konzepte nun nicht immer sooo neu und modern sind, und dass es manche Dinge schon sehr lange gibt. Und dass es manchmal ganz lustig ist, wie mit irgendwelchen “hippen” und “modernen” englischsprachigen Begriffen umgegangen wird, wenn man damit Dinge bezeichnet, die es schon eine Weile gibt – wenn auch in anderer Form.
Ich wäre Dir also dankbar, wenn Du in Deinem Posting die unwahren Behauptungen – nämlich, dass ich erklären würde, Crowdsourcing sei etwas für Kindergartenkinder – richtigstellen könntest.
18. Februar 2008, 21:04 Uhr
Was an Hamburger Café-Tischen gesagt wird, ist eine Sache. Das “Zitat der Woche” in einem führenden Marketingblog aber eine andere. Malwettbewerbe in Kindergärten haben ganz klar nichts mit Crowdsourcing zu tun.
Auch wenn es im Blog vielleicht nicht so gemeint war, als Zitat hat die Sache einen ziemlich eindeutigen Tenor bekommen – und damit diesen Blogartikel hier provoziert (zu Recht). Da kann man mal sehen… ;-)