StudiVZ/SchuelerVZ – der Peinlichkeiten kein Ende

Matias Roskos
14. August 2007, 08:34 Uhr, 0 Reaktionen
Kategorie: Allgemein

Ist es gewollte Provokation oder nur peinliches Fettnäpfchen-Treten? Jedenfalls kehrt in die Geschichte um die widerlichen Ekelvideos aus dem Hause StudiVZ, produziert von ARS in Berlin keine Ruhe ein. StudiVZ versucht sich nun anscheinend von diesen Videos zu distanzieren. Gut so. Aber ein bissel spät, ne?!

Auf Clap lässt StudiVZ-Sprecher Dirk Hensen verlauten:

StudiVZ ist ein junges und kreatives Unternehmen, das in der Vergangenheit durch provokante Kampagnen durchaus Anlass zu Diskussionen gegeben hat. Allerdings sind die Videos, die aktuell Gegenstand der Diskussion sind, ohne Prüfung und Autorisierung von studiVZ veröffentlicht worden. Der interne Entscheidungsprozess zur Durchführung internationaler Marketingmaßnahmen dauert derzeit noch an, daher ist noch offen ob und in welcher Form studiVZ zu einem späteren Zeitpunkt eine virale Kampagne durchführen wird.”

Ganz richtig merkt Don Alphonso dazu an:

Und ich frage mich jetzt, wie man die Videos gegenüber dem Focus am 3.8.2007 “provokant und interessant” finden konnte, die man dann gestern vor der Veröffentlichung noch gar nicht geprüft haben wollte. Kann es sein, dass hier jemand, hm, lügt? kann es sein, dass man möglichen juristischen Folgen ausweichen will? Gewalt wird meines Erachtens durchaus als etwas Gutes dargestellt, und § 131 StGB “Gewaltdarstellung” Abs. 3. führt aus, dass man zwar strafbare Inhalte zu Dokumentationszwecken des Zeitgeschehens veröffentlichen darf, aber allein Herstellung und das Beziehen nach Abs. 1.4. schon strafbar sind. Ich habe schon ein wenig den Eindruck, als wollte bei StudiVZ jemand ganz schnell aus der Verantwortung entkommen.

Passend dazu die Mitteilung von Lanu in ihrer BooCompany, dass Aimaq Rapp Stolle auf der Jagd sind, nach den verloren gegangenen Videos. Viel Spaß beim Einfangen! Und bezeichnend, dass ihnen dabei StudiVZ nicht zur Seite steht, sondern sich ganz offensichtlich von ARS distanziert.

Was ich ganz und gar nicht verstehe, ist die Politik von StudiVZ in dieser Angelegenheit, die ja auch schon bei den Skandalen im letzten Herbst nicht unbedingt hilfreich war. Oder etwa doch? Auf jeden Fall geht man bei StudiVZ lieber auf Tauchstation statt offen zu kommunizieren. Doofes Web 2.0, was? Ich hätts cool gefunden, wenn man von Seiten von Holtzbrinck auf Lanus offene Einladung reagiert hätte. Das hätte Größe gehabt. Aber so wird man den Eindruck nicht los, das man sich lieber versteckt. So nach dem Motto: Was will die Blogosphäre denn nun schon wieder. Unsere Studenten interessiert dieser Zwergenaufstand doch eh nicht. Und vermutlich hat man damit sogar Recht. Was nichts daran ändert, dass man als Firma und Betreiber einer Community Verantwortung hat!

Womit wir beim nächsten Thema wären. Einer Anzeige gegen SchuelerVZ, dem kleinen StudiVZ-Bruder. Es wundert mich ganz ehrlich, dass es nicht schon viel früher Anzeigen gab. Aber bei StudiVZ waren ja keine Eltern von Minderjährigen betroffen. Bei SchuelerVZ liegt die Lage nun anders. Auf Stern.de hieß es am 10. August:

Der Vater eines 13-jährigen Mädchens hat gegen die Betreiber des Online-Netzwerkes SchülerVZ und den Verlag Holtzbrinck Strafanzeige wegen der Verbreitung pornographischen Materials und wegen Volksverhetzung erstattet. Das bestätigte die Kriminalpolizei in Schwetzingen, bei der die Anzeige einging, stern.de.

Ganz richtig merkt Martin Oetting dazu an:

Einerseits scheint man dort [bei SchuelerVZ] schnell mittels Filtern etc. reagiert zu haben. Andererseits stellt sich die Frage, warum das erst nach äußerem Druck geschieht?

Warum reagiert man nicht sofort auf Hinweise auf verbotene Gruppen und Artikel? Warum gewinnt man immer wieder den Eindruck, dass den Leuten bei StudiVZ und nun auch SchuelerVZ es scheißegal ist, was genau auf ihren Plattformen geschieht? Hauptsache die Kennzahlen (Traffic, Page Impressions, Visitors) stimmen… Wie sagt Mike Schnoor so treffend:

Ich freue mich innerlich, dass dem illustren Treiben der Macher dieses Dienstleisters endlich mal ein Riegel vorgeschoben wird, kann jedoch nicht darüber lachen. … Mehr kann ich dazu auch nicht sagen. Irgendwann reicht’s doch.”

Dem bleibt nichts mehr hinzu zu fügen.


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Über den Autor

Matias Roskos
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Matias Roskos ist der Gründer des VisualBlog. Neben seiner Tätigkeit als Blogger ist er noch Inhaber von Deutschlands erster Community- und Crowdsourcing-Agentur VOdA. Als Crowdsourcing-Evangelist beschäftigt er sich als Redner und Autor mit dem Thema Open Innovation, Crowdsourcing und Socialnetworkstrategien. Er schreibt für diverse andere Webprojekte und betreibt das Fachblog Socialnetworkstrategien.de

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