Spannend – aber wie lange? Luupo macht nen guten (ersten) Eindruck

Matias Roskos
02. August 2007, 10:28 Uhr, 7 Reaktionen
Kategorie: Web 2.0

luupoWenn Jochen Krisch in seinem erstklassigen Ecommerce-Blog Folgendes schreibt, dann frage ich mich ob da tatsächlich ein neues Highlight am deutschen Ecommerc-Himmel aufgetaucht ist oder ob Jochen irgendwie dran beteiligt ist. Es steht in seinem Exciting-Commerce-Blog:

Woran auch immer es liegen mag: Luupo finden irgendwie alle gut. Nicole Simon erliegt der Faszination genauso wie live.hackr, der vergeblich einen Haken sucht, oder Daniel Münster im e-driven-Blog.
Und wie die heutige Pressemeldung zeigt, fanden auch Kredit- und Kapitalgeber frühzeitig Gefallen an der Idee von Jörn und Kris Kunst.

Hmm. Auch Nicole Simon mag Luupo also. Das machte mich noch nachdenklicher. Die Meinung der beiden schätze ich über alle Maßen. Gerade auch in Sachen Web 2.0 und Ecommerce. Aber was mir bisher immer bei solchen Projekten sauer aufstieß war das fehlende oder aus meiner Sicht unzureichende Geschäftskonzept. Womit will man Geld verdienen? Mit dem Verkauf der Community nach einem Jahr? So was geht mir gegen den Strich.

Also wanderte ich rüber zu Luupo und schaute mir das Baby mal etwas genauer an. Ich war neugierig. Dank Jochen.

luupoAnfangs stutzte ich und dachte: noch ein neues Yieeha-Askfirst-Edeligt-Baby (nichts gegen diese Projekte! Yieeha zum Beispiel find ich saucool). Dann schaute ich mir das Video an, verstand anfangs nix und dachte: “Bauernfänger”. Doch dann kam das “AHHHH!!!”. Kapiert. Die HABEN ein Geschäftskonzept. Cool. Genial. Man kann auf Luupo nichts erreichen, wenn man keine Luupos hat. Und wie bekommt man die? Man kauft sie. Ohne Kauf von Luupos kein Mitmachen! Auf Luupo heißt das dann:

Im Gegensatz zu Auktionen fallen bei LUUPO die Preise: Die Nutzer kaufen Einsätze (sog. Luupos) und setzen diese auf die Artikel. Mit jedem Einsatz sinkt der Artikelpreis um 40 Cent. Da fast gleichzeitig sehr viele Nutzer setzen, fallen die Preise rapide. Für den Einzelnen ergeben sich dadurch phantastische Schnäppchenmöglichkeiten.
Bei LUUPO kann man in zwei Systemen Artikel erwerben. Einziger Unterschied: Beim Sofortkauf kann der Nutzer den Artikel zum aktuellen Preis sofort kaufen. Es gilt: „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst.“. Beim Gewinnkauf geht das nicht, sondern der Preis fällt immer bis auf Null. Hier gewinnt derjenige den Artikel, der mit seinem entscheidenden Einsatz den Preis auf Null gesenkt hat.

Okay. Ohne echtes Geld geht gar nix. Und machen wir uns nichts vor: auch wenn sie das Geld Luupos nennen – es WAR echtes Geld. Und ist erstmal wech. Um dann den aktuellen Preis für ein Produkt sehen zu können, muss ich schonmal einen Luupo setzen. Weg ist er. Einfach so. Okay. Warum nicht.

Um nun den Preis des Produktes zu senken, setzen ich wieder Luupos. Immer 40 Stück. Damit der Preis fällt! Wie ein Game. Und DA liegt der “Trick”. Es wirkt wie ein Spiel. Es macht Laune. Das kann ich mir gut vorstellen. Und Luupo verdient Geld. Mit jedem Klick. Why not? Aber der User? Er setzt Geld Luupos für den Preisverfall. Nicht mehr und nicht weniger.
Und irgendwann schlägt jemand zu und nimmt das Produkt zu dem aktuellen Preis. Der kann sogar bei Null liegen. Coole Idee. Gefällt mir! Ein bissel was vom Ebay-Fieber von vor drei Jahren.
Aber ja, es gibt “Haken”. Ein Tobi schreibt bei Jochen Krisch in den Kommentaren:

Hallo,
also ich finde Luupo auch sehr spannend. Die Idee ist ganz witzig und die Aufmachung mit dem Video echt cool. ;0)

Aber, und das sollte man nicht außer Acht lassen, wenn man sein Geld damit verdient, das 99% aller Kunden zwar Geld bezahlen aber dafür keine Gegenleistung bekommen und nur ein paar wenige das Glück haben den Artikel für einen Schnäppchenpreis oder sogar umsonst bekommen, dann könnte es natürlich passieren, das der ein oder andere Kunde einen Taschenrechner hat und mal kurz überschlägt was ihm der Spaß gekostet hat.

Außerdem bin ich mir nicht ganz sicher, ob es rechtlich gesehen überhaupt erlaubt ist, Artikel zu verkaufen ohne Preisangabe bzw. das man Geld dafür verlangen darf, das man den Preis des Artikels erfährt.

Im Supermarkt muss man bei einer 500g Packung Schweinesülze zusätzlich dran schreiben wie viel 100g kosten.

Und bei Luupo soll man 49Cent dafür zahlen, damit man den Preis gesagt bekommt.

Hmmm, ich weiß nicht so recht.

Ich wünsche Jörn Kunst und den anderen Beteiligten zwar viel Erfolg, aber ich kann mir einfach nicht vorstellen dass das lange gut geht.

Volltreffer. Genau das ist es. Wie lange macht da jemand mit. Klar. Zum Ausprobieren gebe ich auch mal 4,90 Euro aus. Aber wenn ich zum dritten mal ohne was in den Händen dastehe, bleibe ich Luupo fern. Möglicherweise!

Und: ist das rechtlich alles korrekt? Denn aus meiner Sicht entsteht hier eine neue Währung. Denn man kauft damit. Oder sehe ich das falsch?

Mein Fazit: Mir gefällt die Idee des Ganzen. Das hat was! Da steckt unternehmerische Kreativität hinter. Kompliment! Es KANN funktionieren. Aber ich hab meine Bedenken. Auch hier (wie schon bei anderen Social-Commerce-Projekten), leider. Die Frage ist, ob sich nicht zu viele User am Ende verarscht fühlen. Die Zeit wirds zeigen. Ich wünsche viel Glück.

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Über den Autor

Matias Roskos
2238 Beiträge

Matias Roskos ist der Gründer des VisualBlog. Neben seiner Tätigkeit als Blogger ist er noch Inhaber von Deutschlands erster Community- und Crowdsourcing-Agentur VOdA. Als Crowdsourcing-Evangelist beschäftigt er sich als Redner und Autor mit dem Thema Open Innovation, Crowdsourcing und Socialnetworkstrategien. Er schreibt für diverse andere Webprojekte und betreibt das Fachblog Socialnetworkstrategien.de

7 Reaktionen

  1. Kommentar von Tobimahony
    02. August 2007, 11:06 Uhr

    Die Idee ist nicht schlecht, das Video ganz lustig, irgendwie ist alles recht nett. Trotzdem ist und bleibt es ein Gewinnspiel, ob ich nun zu einem “günstigeren” Preis kaufe oder bis Null bieten muss und dann gewinne. 49 Cent für einen Luupo erinnern irgendwie an die 49 Cent für einen Anruf bei diversen Gewinnspielsendern.

    Eine ähnliche Idee hatte schon TeleBid. Dort erhöht sich der Preis um jeweils 10 Cent, wenn man einen FreeBid für 50 Cent einsetzt. Wenn innerhalb einer bestimmten Zeit (am Anfang 10 Sekunden) niemand weiter setzt, dann erhält man das Produkt für den angegebenen Preis. So bekommt man dann einen VW EOS für 8.900 Euro oder einen Laptop für 380. Das klingt marketingtechnisch gut, und der es am Ende wirklich bekommen sollte hat Glück. Alle anderen haben das Schnäppchen finanziert, mit 50 Cent für jede 10-Cent-Preissteigerung. (Der EOS hat also schon 44.500 eingebracht)

    Luupo ist da nicht viel anders. Nur dass der Preis sinkt (es also endlich ist) und mit einem Einsatz von 49 Cent der Preis um 40 Cent sinkt. Natürlich hat Luupo mehr Charme.

  2. Kommentar von Matias Roskos
    02. August 2007, 11:25 Uhr

    @Tobimahony
    “Charme” ist ein gutes Wort. Sie haben es geschafft, das es charmant wirkt. Und das ist schonmal ein guter Ansatz.
    Aber wie du ganz richtig sagst: es ist und bleibt ein Gewinnspiel. Das kann man positiv oder negativ sehen. Wie man will.

  3. Kommentar von Tobi
    02. August 2007, 12:53 Uhr

    Man sollte aber nicht vergessen, welche gesetzliche Richtlinien ein normaler Shopbetreiber heutzutage beachten muss, nur um seine Produkte anbieten zu können und nicht täglich von Abmahnvereinen bzw. Anwälten mit Unterlassungserklärungen überschwemmt zu werden.

    Von einigen dieser Richtlinien sehe ich bei Luupo leider nichts. So z.B. die genaue Preisdeklaration. Wenn ich den Preis erst erfahre, wenn ich Geld (Luupos) dafür bezahle, ist das in meinen Augen nicht gewährleistet.

    Mir ist schon klar dass das zum Konzept gehört. Aber vielleicht ist dieses Konzept ja gar nicht gesetzlich erlaubt.

    Außerdem wird der Kunde mit folgender Aussage meiner Meinung nach ein wenig hinters Licht geführt.
    Im Bereich Fragen steht:
    —————

    3.5 Und was passiert mit den 49 Cent?
    Die 40 Cent reduzieren ja den Artikelpreis – davon bezahlen wir den Händler. In den restlichen 9 Cent sind bereits 1,44 Cent Mehrwertsteuer enthalten (19% von 7,56 Cent), die wir an das Finanzamt abführen. Die übrigen 7,56 Cent brauchen wir, um unsere eigenen Kosten zu decken und die Kekse zu bezahlen, die die Krümelmonster hier täglich verknabbern ;o)

    —————

    Der Händler bekommt also die 40Cent.
    Welcher Händler? Ist das nicht Luupo selbst?
    Außerdem werden die 40Cent vom UVP abgezogen. Der “Händler” bekommt also in jedem Fall einen satten Gewinn. Und da Luupo der “Händler” ist, verkaufen die den Artikel zum UVP + 7,56Cent für jeden Luupo.

    Versteht mich nicht falsch, ich will die ganze Sache nicht schlecht reden. Die Idee und die Umsetzung ist eigentlich super.
    Aber aus Sicht der Kunden ist das Konzept, so wie es jetzt ist, nicht sehr Vorteilhaft.

    Aber vielleicht ist das auch nur meine Meinung…

    bye
    Tobi

  4. Kommentar von Matias Roskos
    02. August 2007, 13:04 Uhr

    @Tobi
    Ich kann deine Bedenken zu großen Teilen verstehen. Und teile sie teilweise auch.
    Aber was den Händler anbelangt, liegst du falsch so weit ich weiß.
    Die Produkte kommen ja nicht von Luupo sondern von einem Onlinehändler!!! Der bekommt seinen Anteil logischerweise. Weil er das Produkt ja nicht verschenkt.

  5. Kommentar von Tobi
    02. August 2007, 15:39 Uhr

    @Matias
    Da hast du recht. Ich hatte nur per Zufall auf ein Produkt geklickt bei dem der Händler tatsächlich Luupo war. Aber die anderen Produkte scheinen von anderen Händlern zu sein.

    Dummerweise kann man so genau die Preise vergleichen und man muss leider feststellen, das die Preise bei den Händlern günstiger sind, als der Startpreis bei Luupo.
    Wer bekommt da wohl die Differenz? ;0)

    Naja, ist ja auch egal. Im Grunde ist es ja klar das man nicht von 7,56Cent pro Luupo leben kann.

  6. Trackback von tobe or not to be
    03. August 2007, 20:26 Uhr

    Luupo unter der Lupe…

    Public-Beta nennt es Social Commerce und während ich noch nicht so recht weiß, wie ich es bezeichnen soll, steht eines auf jeden Fall fest: An dem, was Luupo auf seiner kürzlich produktiv gegangenen Einkaufsplattform (www.luupo.de) veran…

  7. Kommentar von Franz
    02. März 2009, 16:51 Uhr

    Jetzt steht LUUPO übrigens zum Verkauf -> http://www.shopanbieter.de/news/archives/2138-Praemierte-E-Commerce-Plattform-LUUPO-steht-zum-Verkauf.html

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