Deutschland ist das Land der Copycats

Matias Roskos
08. August 2007, 10:15 Uhr, 5 Reaktionen
Kategorie: Web 2.0

So ungefähr ist das heute auf TechCrunch zu lesen. Ausgehend vom Geni-Klon verwandt.de entsteht dort der Eindruck aus Deutschland kommt nur bedingt Innovatives. Geld wird vor allem mit Kopien amerikanischer Projekte gemacht. Liegt TechCrunch-Autor Nick Gonzalez damit so falsch, wenn er Folgendes schreibt?

The motivation and business process is clear: 1) Find a proven concept in the U.S. or elsewhere, 2) Clone the service, 3) Profit. And they have been profiting off these clones quite a bit. The Samwer Brothers have invested in Alando.de (eBay clone sold to eBay) and Studi.vz (Facebook clone sold for $100 million). They’re also investors in Frazr. See Gregor’s post for a longer list of clones. Certainly other countries, including the U.S., engage in their fair share of cloning as well. However, the flood of clones coming from Germany suggests an unwelcome trend.

Traurig aber ziemlich wahr. Wo sind die eigenen Ideen? Wo die wirklichen Innovationen? Xing und Spreadshirt waren sicherlich Vorreiter und ganz sicher keine 1:1-Kopien. Auch Plazes war Vorreiter auf seinem Gebiet.

feedbuddyAuch das vor ein paar Tagen online gegangene Feedbuddy ist ein Projekt, das innovativ ist und in dieser Form noch nicht umgesetzt wurde. Und es steckt ein sympathisches, kleines Team (gestern Abend kurz kennengelernt) dahinter. Auf Feedbuddy kann man seine RSS-Feeds einpflegen und dann schauen, wer die gleichen Feeds lesen. Man findet so also Gleichgesinnte und kann schauen, was diese sonst noch an Feeds abonniert haben. So bekommt man neue, spannende RSS-Feeds. Drumherum will das Team nun mit der Zeit noch etliche spannende Tools bauen, die Feedbuddy zu einem guten und sinnvollen Web 2.0 Projekt werden lassen.

RivvaRivva von Frank Westphal ist ein weiteres Projekt, das es in dieser Form auf dem amerikanischen Markt noch nicht gibt [Update] in dem viel Herzblut, Engagement und Entwicklerkönnen drin steckt. Und es ist GENIAL! Vorbild war hier Techmeme, wie Frank in den Kommentaren zugibt. Danke für den Hinweis! (Mist. Noch ein Copycat. Aber ein saugutes!)

showfusionAuch Showfusion ist ein Projekt, das so weit ich weiß eine komplette Eigenentwicklung ist. Und aus meiner Sicht großes Potential hat erfolgreich zu sein. Ich schrieb gestern schon darüber.

dawandaUnd dann gibt es da einen ganzen Haufen von Projekten, die sich durchaus von anderen (auch amerikanischen) Projekten haben inspirieren lassen, die aber nicht einfach das meiste eins zu eins kopiert haben. Ich denke da an Dawanda (Vorbild: Etsy), die ihre Social Commerce Plattform stetig voran treiben und gerade mit Coloranda und nun mit ihrem Dawanda Style Lab Innovationsgeist bewiesen haben.

Auch der social bookmarking Dienst Mister Wong hatte mit del.icio.us ein amerikanisches Vorbild. Aber man hat von Anfang an eine ganz eigene Strategie gefahren und sich Schritt für Schritt vom Vorbild entfernt. Nun drängt man auf den amerikanischen Markt und hört dort schon von vielen, dass Mister Wong viel spannender und innovativer ist als del.icio.us.

Ich könnte hier ein Dutzend weiterer Projekte aufzählen, die wie Dawanda und Mister Wong mit viel Herzblut und Innovationsgeist voran getrieben werden. Und die schon lange keine reinen Copycats sind. Und die auch außerhalb Deutschlands schon beweisen, dass sie bestehen können.

Aber ein Funken Wahrheit steckt in der TechCrunch-Kritik durchaus drin. Die Gründer hierzulande sollten sich immer wieder auch auf die eigene Kreativität und eigene Ideen besinnen. Kopieren kann erfolgreich sein – etwas komplett Eigenes entwickeln macht viel mehr Spaß!

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Über den Autor

Matias Roskos
2198 Beiträge

Matias Roskos ist der Gründer des VisualBlog. Neben seiner Tätigkeit als Blogger ist er noch Inhaber von Deutschlands erster Community- und Crowdsourcing-Agentur VOdA. Als Crowdsourcing-Evangelist beschäftigt er sich als Redner und Autor mit dem Thema Open Innovation, Crowdsourcing und Socialnetworkstrategien. Er schreibt für diverse andere Webprojekte und betreibt das Fachblog Socialnetworkstrategien.de

5 Reaktionen

  1. Kommentar von Frank Westphal
    08. August 2007, 13:45 Uhr

    Rivvas Vorbild ist Techmeme. Ich habe mich quasi 1.5 Jahre geärgert, warum es so einen Memetracker nicht für deutschsprachige Weblogs gibt und konnte einfach nicht mehr länger warten.

  2. Kommentar von Marko
    08. August 2007, 14:07 Uhr

    Hi Matias, danke für den Post. Ist schon lustig das sich inzwischen schon weit über 300 angemeldet haben…meine Top Feedbuddies sind paulinepauline (15) und Andre von a better tommorow (12).Ich will noch mehr Feedbuddies haben ;)

  3. Kommentar von Happy
    08. August 2007, 15:08 Uhr

    Ist ja auch ganz interessant. Hab auch mal ein paar feeds eingetragen, pauline ist auch mein Top-Feedbuddy. Netter Dienst, Marko, und elegant umgesetzt. Kompliment! :-)

  4. Kommentar von Exciting Commerce
    08. August 2007, 20:03 Uhr

    Yieeha, Luupo, Gimahhot, A Better Tomorrow, Schutzgeld, Dealjäger, Makemydeal, Tradoria … alle ohne direktes Vorbild. Wers sehen will, siehts, wer nicht, der nicht. Und da sage noch einer, Weblogs kennen kein Sommerloch ;-)

  5. Kommentar von Matias Roskos
    09. August 2007, 06:58 Uhr

    @Exciting Commerce
    Bei den Social Commerce Projekten bin ich immer ein wenig vorsichtig, haben sie doch oft die Idee von Thisnext und anderen doch als Vorbild, sind dann aber tatsächlich keine 1:1 Copycats.
    Aber ich sehe es wie du: es gibt viel Gutes und Innovatives hierzulande.

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