StudiVZ im Umbruch – Facebook ist weit enteilt

Matias Roskos
16. Juli 2007, 11:30 Uhr, 1 Reaktion
Kategorie: Web 2.0

Nachdem ja Ideengeber und Gründer Ehssan Dariani im Frühjahr gehen durfte, stehen nun, wie nicht anders zu erwarten bei StudiVZ weitere personelle Änderungen ins Haus. Auf Deutsche-Startups.de, offizielles Samwer-Holtzbrinck-Sprachrohr, heißt es dazu: “Die Studenten-Community “studiVZ” bekommt nach einem Bericht der “Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung” im August einen neuen Geschäftsführer. An der Spitze des Unternehmens wirkt demnach künftig Marcus Riecke. Die beiden bisherigen “studiVZ-Bosse Dennis Bemmann und Michael Brehm müssen sich dem Bericht zufolge dem neuen Chef unterordnen. Riecke arbeitet derzeit als Nordeuropachef bei “eBay”. Davor war er unter anderem Europageschäftsführer bei eGroups (heute Yahoo! Groups), Vice President New Business bei AOL Deutschland und Geschäftsführer bei Lycos Deutschland. Die Verpflichtung Rieckes wäre die zweite wichtige Personalie im Hause “studiVZ”. Erst kürzlich gaben die Berliner bekannt, dass Dirk Hensen im August Leiter Unternehmenskommunikation wird.

Diese Entscheidungen sind nicht verwunderlich. Denn Ziel von Käufer Holtzbrinck muss es sein dem ganzen Projekt zum einen mehr Seriosität zu geben und zum anderen es mittelfristig auch in die schwarzen Zahlen zu führen. Mike Schnoor schreibt dazu: “StudiVZ bietet meines Erachtens nach keine wahre Monetarisierungsmöglichkeit. Dieses studentische Social Network ist von seinen Mitgliedern zum Austausch für Spaß und Party genutzt, eher weniger kommt es dabei auf die Inhalte an, geschweige denn auf die Werbeflächen. Zwar sind laut IVW hohe Zugriffszahlen an den Tag gelegt, jedoch vermute ich, dass sich diese auf die Mitgliedersuche und die Nachrichten über die Postfachfunktionen zu einem Löwenanteil verteilen. Wenn ich nach meiner Post schaue oder etwas suche, verschwende ich bei diesem gezielten Surfverhalten keinen Gedanken an Werbung. Das Facebook-Problem ist auch das StudiVZ-Problem, so dass ich mir sicher bin, dass auch der neue Geschäftsführer nicht unbedingt etwas an den reinen Einnahmen des StudiVZ verändern kann.

Naja – DAS sehe ich ein wenig anders. Denn Werbung funktioniert nur bedingt so, dass man nur in “Clicks and sells” denken sollte. Es geht darum mit seiner Marke auf einer möglichst “hippen” Plattform vertreten zu sein! Ganz profan mit Werbebanner oder aber mit coolen Aktionen, wie wir sie mit VOdA konzipieren. Sind die Leute am Tag eine Stunde auf StudiVZ, dann haben sie nur noch wenig Zeit auf anderen Seiten aktiv zu sein. Also gehe ich mit meiner Werbung auf StudiVZ, denn dort werde ich gesehen. Die Marke prägt sich ein. Noch mehr Erfolg werde ich – und da hat Mike sicherlich recht wenn er sagt, das er selbst Werbung kaum beachtet – mit guten Aktionen haben, die nicht nur mit einem Banner daherkommen. Aber wichtig ist: meine Marke muss präsent sein! Bin ich nicht präsent, existiere ich nicht. (So ungefähr jedenfalls ;)

Aber was aus meiner Sicht der wichtigste Grund für Veränderungen ist: StudiVZ ist mittlerweile Lichtjahre entfernt vom eigentlichen Vorbild Facebook. Die amerikanische Studentenplattform von Gründer Mark Zuckerberg entwickelt sich in einem so atemberaubenden Tempo, dass Projekten wie Myspace oder auch Google Angst und Bange werden muss. Gründe dafür: Facebook hat sich für alle Userschichten geöffnet und greift damit strategisch Größen wie Myspace und Yahoo an. Und das F8-Projekt, die komplette und kostenlose Öffnung für Fremdinhalte sorgt für enormen Traffic. Read/Write Web nimmt sich diese Woche dem Facebook-Phänomen an. Kaum ein anderes Web-Projekt wächst im Moment so schnell wie Facebook.

Zurück zu StudiVZ. Schon der Name allein hindert den deutschen Facebook-Klon so zu wachsen, wie es Facebook gerade tut (aber auch das StudiVZ-Wachstum ist nicht ohne! Nicht das man mich hier missversteht). Und auch von den kreativen Ideen, was man im Web 2.0 alles tun kann, ist StudiVZ noch ein Baby. (Was ja durchaus Platz für Entwicklung lässt.)

Aber Facebook macht es zur Zeit – nicht nur StudiVZ – vor, was es bedeutet Ideen zu haben, an sie zu glauben und sie auch in Angriff zu nehmen! Ich bin gespannt, wie es hierzulande in Sachen Web 2.0 weitergeht.


Über den Autor

Matias Roskos
2461 Beiträge

Matias Roskos ist der Gründer des VisualBlog. Neben seiner Tätigkeit als Blogger ist er noch Inhaber von Deutschlands erster Community- und Crowdsourcing-Agentur VOdA. Als Crowdsourcing-Evangelist beschäftigt er sich als Redner und Autor mit dem Thema Open Innovation, Crowdsourcing und Socialnetworkstrategien. Er schreibt für diverse andere Webprojekte und betreibt das Fachblog Socialnetworkstrategien.de

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