Crowdsourcing or No-Crowdsourcing: Logodesign via Wilogo.com

Matias Roskos
19. Juni 2007, 12:24 Uhr, 2 Reaktionen

WilogoCrowdsourcing ist ein Buzzword. Crowdsourcing wird oft mit AAL (= andere arbeiten lassen) gleichgesetzt.

Das sind zwei Thesen, mit denen wir uns bei VOdA immer wieder auseinander setzen müssen.Wir versuchen in vielen Kundengesprächen, auf Barcamps, Konferenzen und in Meetings mit potentiellen Partnern zu erklären, was für UNS Crowdsourcing bedeutet und was es für uns auch NICHT bedeutet! Um es ganz klar zu sagen: Crowdsourcing in Zusammenarbeit mit VOdA ist kein AAL, sondern eine Win-Win-Situation. Für den Kunden auf der einen Seite und für die beteiligten Kreativen auf der anderen. Ich hatte das vor ein paar Tagen hier schonmal näher beleuchtet. Und wir verwenden intern auch lieber den Begriff Communitysourcing. Aber es führt schwerlich ein Weg vorbei an der nun schon recht etablierten Bezeichnung “Crowdsourcing”.

WilogoGestern bin ich über das aus Frankreich kommende Wilogo gestolpert. Dort kann man ein Logo in Auftrag geben. Man bekommt von der Community, also dort angemeldeten Grafikern, innerhalb von 72 Stunden diverse Logovorschläge. Kostenpunkt: 350 Euro. Im ersten Moment denkt man: gute Sache das. Schnell erhält man interessante Logovorschläge für eine überschaubare Summe. Via Crowdsourcing. Aber ist das wirklich Crowdsourcing? Okay. Die Community sendet Vorschläge ein, diese werden dann auch bewertet. Der Kunde kann sich einen Entwurf aussuchen und schließt mit dem Grafiker einen Vertrag ab. Der Shopbetreiber-Blog hat dazu einen Selbstversuch gestartet: “Insgesamt 73 Logoentwürfe von 43 Graphikdesignern sind innerhalb von 3 Tagen über die Community Wilogo eingegangen.” Das ist keine schlechte Zahl. Und ich muss gestehen, einige Entwürfe sind sehenswert. Aber – aufgrund der Kürze der Zeit kann ich mir kaum vorstellen, dass sich die Grafikdesigner eingehend mit dem Kunden beschäftigt haben, geschweige denn, das ein Gedankenaustausch stattfand. Doch gerade bei einem Logo sollte doch eine intensive Beschäftigung mit dem Kunden, seinen Wünschen, seinem bisherigen Werdegang und vor allem auch seiner Zielgruppe stattgefunden haben. Kann das über Projekte wie Wilogo funktionieren? Ich befürchte: nein. Man bekommt hier in erster Linie Logos von der Stange. Das meine ich ganz wertungsfrei! Etliche Logos sind gut. Die Anzahl der Einsendungen ist Klasse. Aber die Logos sind austauschbar, beliebig. Es fehlt die Individualität, das Besondere. Denn das kann nur erreicht werden, wenn man sich mit dem Kunden beschäftigt. Wenn man auf ihn eingeht. Wenn man sich Zeit nimmt.

Wir verfolgen mit VOdA einen anderen Ansatz. Wir wollen mit dem Kunden reden. Wir wollen nicht einfach nur eine Crowdsourcing-Plattform bieten, auf der sich die Grafiker austoben. Wir wollen Partner sein. Wir wollen helfen sich im neuen Web, dem sogenannten Web 2.0, zurecht zu finden. Wir wollen Schnittstelle sein zwischen interessierten Kunden und den kreativen Köpfen.

Wilogo ist eine interessante und gut gemachte Plattform. Und ja – es ist durchaus Crowdsourcing. Es ist auch kein AAL, denn der Designer, dessen Logo ausgewählt wird, wird ja entlohnt. Wilogo kann für kleine Firmen mit geringem Budget durchaus interessant sein. Why not?! Der Test des Shopbetreiber-Blog zeigt ja, das es durchaus ansehnliche Einsendungen gibt. Und auch Logos von anderen Auftraggebern machen zum Teil einen sehr guten Eindruck. Wenn man jedoch ein unverwechselbares Logo möchte (oder eine andere passende Kreativleistung), verbunden mit einer spannenden Mundpropaganda-Kampagne und dazu einen erfahrenen Partner der sich auskennt mit dem heutigen Web, dann sind Projekte wie Wilogo aus meiner Sicht doch nur zweite Wahl.



Über den Autor

Matias Roskos
2707 Beiträge

Matias Roskos ist der Gründer des VisualBlog. Neben seiner Tätigkeit als Blogger ist er noch Inhaber von Deutschlands erster Community- und Crowdsourcing-Agentur VOdA. Als Crowdsourcing-Evangelist beschäftigt er sich als Redner und Autor mit dem Thema Open Innovation, Crowdsourcing und Socialnetworkstrategien. Er schreibt für diverse andere Webprojekte und betreibt das Fachblog Socialnetworkstrategien.de

2 Reaktionen

  1. Pingback von www.best-practice-business.de/blog » Themen auf Halde
    26. September 2007, 17:35 Uhr

    [...] http://www.visualblog.de/?p=735 [...]

  2. Kommentar von Logo Design
    04. Oktober 2007, 14:14 Uhr

    Danke für den Tipp es ist wirklich eine interessante Seite.

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