Interview mit Danny Franzreb

Matias Roskos
03. April 2007, 13:57 Uhr, 0 Reaktionen
Kategorie: Allgemein

Für den WDC07 hat Frank im letzten Jahr ein interessantes Interview mit Danny Franzreb, einem der besten und interessantesten Grafikdesigner Deutschlands und aktuellem Juror in unserer Jury für den Agent.RENOMEE-Contest geführt.

Taobot

Hier nun das komplette Interview.

1. Ich muss gestehen, dass ich insbesondere deine Grafiken und Illustrationen sehr mag – wie hast du diesen unverwechselbaren Stil entwickelt? Mit welchen Techniken arbeitest du, woher beziehst du deine Inspirationen?
Um ehrlich zu sein versuche ich meinen Stil eigentlich permanent weiter zu entwickeln und auch zu verändern. Obwohl das natürlich nicht ganz so einfach ist, da man eben häufig aufgrund seiner vorherigen Arbeiten und eines bestimmten Stiles für ein Projekt gebucht wird. Ich mag es eigentlich gar nicht wirklich für einen bestimmten Stil bekannt zu sein, mir ist es viel wichtiger für meine kreative Arbeit geschätzt zu werden, so gehe ich auch an Projekte heran. Ich würde mich glaube ich auch schnell langweilen wenn ich mich immer wieder wiederholen würde, deswegen berührt meine Arbeit wohl auch so viele verschiedene Disziplinen. Zu dem Stil den du ansprichst könnte man sagen, dass der schon sehr nahe an Street-Art ist, nur sehr viel detaillierter, da die Arbeiten zum Teil digital entstehen und ich so mehr Möglichkeiten habe. Das ist dann häufig ein Mix zwischen Fotographie, Illustration und verschiedenen anderen Elementen. Es kann schon schnell passieren, dass ich ein bisschen detailverliebt werde und kleinste Elemente stundenlang neu platziere, verändere und wieder verwerfe. Technisch ist mein Stil wahrscheinlich auch eher schwierig zu beschreiben, da es eben vorkommen kann, dass ich eine komplette Grafik über Processing programmiere oder mal eine Illustration mit der Hand mache. Genauso gut ist es möglich dass ich Arbeiten in 3D beginne oder meine Illustrationen auf Fotografie basieren. Man könnte zumindest sagen, ich versuche meine Ideen mit den dafür am besten geeigneten Tools umzusetzen und dabei die Qualität meiner Arbeiten konstant zu steigern. Inspirieren kann mich eigentlich mehr oder weniger alles, es kommt ganz auf die Anforderungen des Projekts an. Die wohl wichtigste Inspirationsquelle für mich sind aber Kollegen und Freunde. Durch die Diskussionen kann ich mir qualitatives Feedback und neuen Input holen, so verlässt man auch seine Isolation und kann schnell kreative Blocks auflösen.
2. Nach dem du sehr erfolgreich als Freelancer gearbeitet hast, bist du nun als Art Director bei “Scholz & Volkmer” beschäftigt. Wie haben sich deine Arbeit und dein Tagesablauf dadurch verändert?
Eines der Ziele meiner Festanstellung war, mehr Rhythmus in meinen Tagesablauf zu bekommen, was zum Teil auch eingetreten ist. Zumindest bin ich jetzt zu den Kernarbeitszeiten von 9 bis 18 Uhr im Büro und theoretisch die restliche Zeit zuhause. Praktisch werden meine Tage manchmal natürlich länger und es kann auch mal sein, dass ich am Wochenende arbeite oder solche Interview hier mache. Aber in meiner Zeit als Freelancer hatte ich noch deutlich weniger Struktur in meinem Tagesablauf, da hat mein Arbeitstag auch gerne mal mittags begonnen und sich bis zum nächsten Morgen gezogen. Somit hat sich mein Tagesablauf schon normalisiert, was auch meinem Sozialleben zugute kommt. Trotzdem war eine nicht ganz so geregelt Arbeitszeit auch irgendwie nett. Meine Aufgaben haben sich teilweise auch verändert oder vielleicht besser, haben sich erweitert. Als Freier war ich nicht ganz so viel mit Designmanagement beschäftigt. Die Größe und Komplexität mancher Projekte hier erfordern manchmal viel Koordinationsaufwand, was häufig auch sehr interessant ist. Zwischendurch ein kleines Special oder ein freies Projekt weiß ich dann aber auch immer zu schätzen. Beides hat Vor- und Nachteile, eine ausgewogene Mischung funktioniert für mich momentan am besten, Größe ist zweitrangig solange die Projekte interessant sind.
3. Erzähl uns etwas mehr über dein Engagement bei BD4D.
Ich habe vor einigen Jahren angefangen BD4D Events zu veranstalten. In Deutschland war ich Kurator von einem Event in Frankfurt und einem in Mannheim, die beide sehr gut besucht waren. BD4D sind Veranstaltungen von Designern für Designer bei denen einige Designer ihre Arbeiten präsentieren oder über relevante Themen sprechen. In Deutschland hatten wir unter anderem 3deluxe, THS und Renascent. Die Events sind immer sehr entspannt und wir engagieren uns da auch alle auf freiwilliger Basis. Das heißt, keiner bekommt Geld oder profitiert von den Einnahmen, da der Eintritt soweit möglich frei ist und selbst die Location und das Equipment so organisiert werden.
4. Was steht für dich 2007 persönlich auf dem Programm und was denkst du, welche Entwicklungen uns im Interaktiv- und Grafikdesign erwarten?
Für mich persönlich steht einiges auf dem Programm. Wieder mehr Events und Konferenzen denke ich, dann möchte ich auch gerne einen Lehrauftrag wahrnehmen, plus viele kommerzielle und unkommerzielle Projekte. Grafikdesign und Interaktive-Design ist schwer einzuschätzen, da zur Zeit viele Stile nebeneinander existieren und die Komplexität, aber meiner auch Qualität vieler Arbeiten konstant ansteigt. Was auch teilweise mit dem Zugang zu entsprechenden Tools wie Photoshop zusammenhängt, vor zehn Jahren wäre das undenkbar gewesen. Ich könnte mir vorstellen das aufgrund dieser Flut von Arbeiten und der hohen Komplexität man sich auch wieder mehr auf die Kernbedürfnisse der Menschen und des Projektes konzentrieren muss. Ich selbst mag hoch komplexe grafische Arbeiten sehr aber generell glaube ich das man einen Trend zur Einfachheit erkennen wird. Da möchte ich dann auch gerne auf die diesjährige Ars-Electronica oder Maedas Blog verweisen, die diesen Sachverhalt sehr gut tematisieren. Dann glaube ich auch, dass der Erfolg eines Projektes viel mehr von Usern und deren Involvement abhängen wird als vom eigentlichen Design, YouTube oder MySpace sind da gute Beispiele, na ja und die damit verbundenen Buzz-Words sind ja hinreichend bekannt. Es ist aber eben für uns Designer nur wichtig diese Fakten im Hinterkopf zu behalten unsere Arbeit an sich wird dann der Differenzierungsfaktor für eine Brand sein. Ein anderer Trend der durch die Verbreitung von kostengünstiger Technologie zunimmt, ist die Verknüpfung von Mobile und Outdoormedia. Allgemein nimmt die Medienkonvergenz zu.
Taobot
Hier noch einige Standardfragen:
a) Wie würdest du dich dir selbst vorstellen?
“Das ist Danny”. Alles Andere ergibt sich in den nächsten fünf Minuten. Ich finde es besser wenn man sich ohne viele Informationen unvoreingenommen ein Bild machen kann.
b) Hast Du irgendwas studiert oder eine andere Ausbildung genossen?
So undenkbar das jetzt klingen mag, ich habe Wirtschaftsinformatik an der Uni in Mannheim studiert, die ja für BWL so super bekannt ist und hab auch noch wirklich gut abgeschlossen. Ich wollte mir neben meinen vorhandenen Kenntnissen, vor allem noch mehr Fachwissen im Bereich Wirtschaft und Informatik aneignen. Dazu muss man Wissen, dass mein Vater über 30 Jahre bei IBM gearbeitet hat und ich so schon sehr früh Kontakt zu Computern und Design hatte, beispielsweise über Graffiti oder auch Skateboarding. Daher habe ich meinen Job in diversen Formen irgendwie schon immer gemacht und wahr auch früh in die Szene integriert. Vor, während und nach dem Studium habe ich immer als Freelancer gearbeitet. So konnte ich mir dann gezielt aussuchen was ich tun will und mich für meinen aktuellen Weg entscheiden.
c) Welche Webseiten besuchst Du regelmäßig und warum?
Diverse Design und News Portale, Google natürlich, die Seite meiner Bank und dann wechselt mein Surf-Verhalten auch schon täglich. Klar gibt’s ein paar Seiten über Fotografie oder auch verschiedenste Blogs die ich mir manchmal anschaue, aber meistens ist das sehr von meinen Zielen abhängig, ändert sich häufig und lässt sich so nicht pauschalisieren, ist ja auch das schöne am Web.
d) Was sind Deine Lieblings-Webseiten? Welche sind Deiner Meinung nach extrem gelungen?
Vodafone hat in letzter Zeit ein paar wirklich gelungene Web-Specials gemacht. Dahinter steht North Kingdom die generell sehr hochwertige Arbeit leisten. Die Sachen von Volvo mag ich auch sehr gerne und die 10-Ways Seite für Getty fand ich klasse. Technisch war Boooming von Cisco wirklich neu und beeindruckend. Das sind Seiten die ich jetzt spontan aufzählen kann, ohne in meine Bookmarks zu schauen.
e) Wohin willst Du unbedingt mal reisen?
Ein paar Staaten in Afrika, da war ich noch nie. Dann gibt’s auch noch unheimlich viele Ziele in Asien und Süd-Amerika, ich glaube ich könnte eher Orte nennen die ich nicht unbedingt noch mal bereisen muss, weil ich eben schon mal da war. Ansonsten kann ich noch ein ganzes Leben unterwegs sein ohne mich zu langweilen.
f) Was hast du dir zu deinem letzten Geburtstag gewünscht?
Einen neuen Rucksack zum Backpacken. Der ist übrigens klasse, einerseits weil er einer der wenigen schwarz-grauen Rucksäcke, im Gegensatz zu schreiend bunten Varianten anderer Hersteller, andererseits kann man den auch vielseitig verwenden z.B. auch als Reisetasche.
g) Von wem würdest Du Dir Artwork ins Wohnzimmer hängen?
Ich hab was von Nando (www.nandocosta.com) und Scott (www.iso50.com) zuhause. Spontan fallen mir dann noch Nikola Stumpo, WWFT, Nginco, Hydro74 und viele andere ein. Wobei ich eigentlich gar nicht so viele Artworks im Wohnzimmer hängen haben mag…
h) Stehst Du auf Designer-Action-Toys? Und wenn ja – von wem steht was auf Deinem Schreibtisch?
Prinzipiell finde ich die Toys sehr nett und würde auch gerne mal eins davon gestalten, aber ich selbst habe nicht gerade viel davon im Büro stehen. Um genau zu sein ist es exakt eine von Jason Siu, die ich mir bei Kidrobot in Soho gekauft habe, als ich in New York war. Das war Spearhead mit der Beatbox im Kopf, in einer Sonderausgabe für Kidrobot.
i) Was muss man gelesen haben?
Meine verkopfte Antwort wäre, kommt drauf an was für ein Mensch man ist. Meine witzige Antwort, die Anleitung. Aber ehrlich gesagt, finde ich dass man gar nichts Bestimmtes gelesen haben muss. Viel wichtiger ist, dass man überhaupt viel liest und damit ein Gesamtverständnis für sich schafft.
j) Deine Lieblingsband/Sänger/Sängerin? (3 bis 10 Stück)
Ich versuch es mal mit einigermaßen bekannten Kapellen. Jimmy Eat World, The White Stripes, Tool, The Used, Boy Sets Fire, Gorillaz, Jack Johnson und RZA höre ich beispielsweise immer wieder gerne.
Taobot

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Über den Autor

Matias Roskos
2708 Beiträge

Matias Roskos ist der Gründer des VisualBlog. Neben seiner Tätigkeit als Blogger ist er noch Inhaber von Deutschlands erster Community- und Crowdsourcing-Agentur VOdA. Als Crowdsourcing-Evangelist beschäftigt er sich als Redner und Autor mit dem Thema Open Innovation, Crowdsourcing und Socialnetworkstrategien. Er schreibt für diverse andere Webprojekte und betreibt das Fachblog Socialnetworkstrategien.de

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