Kennt ihr das auch? Wenn ihr Zeit in etwas investiert und dann ein paar Tage später merkt, dass ihr die Zeit lieber hättet nutzen sollen um in eurem spannenden Buch weiter zu lesen (Ich lese übrigens gerade “Drachenglut” von Jonathan Stroud. SEHR zu empfehlen.)? So ging es mir letzte Woche, Donnerstag-Abend war es, glaube ich.
Eine junge Journalistin wollte mich unbedingt interviewen. Sie musste einen Artikel für den Tagesspiegel schreiben, in dem es um Web 2.0 und neue Berufe geht. Ich bin jemand der gerne hilft. Egal ob es eine Gegenleistung dafür gibt oder nicht. (Sicherlich ein Fehler manchmal, aber man kann nicht immer aus seiner Haut raus.) Also telefonierten wir schätzungsweise 45 Minuten. Sie brauchte was Interessantes. Jobs, die es vor Web 2.0 noch nicht gab. Ich empfahl ihr den Communitymanager, Videoportal-Redakteur und Podcaster. Außerdem gab ich noch ein paar Namen bzw. Projekte, die sie auch kontaktieren sollte. Im Einzelnen waren das Manuela Hoffmann, Johnny Häusler, Martin Oetting und Fabio Bacigalupo. Es war wichtig, das alles aus Berlin kommt. Also kamen viele andere Web 2.0 Projekte (die mir im Kopf rumschwebten) nicht in Frage.
Wir sprachen auch kurz über StudiVZ. Ist ja nunmal in Berlin ansässig. Aber sie betonte, dass sie darüber nicht schreiben wolle, weil die schon überall genannt werden und nicht gerade sympathisch rüberkommen. Auch SecondLife sprachen wir kurz an und waren beide der Meinung, dass dieses Projekt schon so sehr vom Tagesspiegel gehyped wird, dass es in diesem Artikel nun nicht auch noch auftauchen muss.
Sollte es mich stutzig machen, dass wir in fast allen Punkten einer Meinung waren? *grins*
Sie versicherte mir, dass sie natürlich auch VisualOrgasm und meinen Namen mit nennen würde. Das hatte ich – bin ich blöd? oder blond? ach ja – ich bin blond… – eigentlich auch vorausgesetzt. Sie meinte, da wäre so ein Infokästchen. Da käme das auf jeden Fall mit rein.
Auf Nachfragen ein paar Tage später teilte sie mir dann mit, dass der Artikel wohl Sonntag im Tagesspiegel gewesen sein müsse. Ich mir also die Zeitung geholt und gelesen. Man ist ja schon gespannt. Und hier gehts nun zu dem Artikel. Hmmm. SecondLife spielt ne große Rolle darin. TRDN aus München wird zitiert. Wie war das nochmal mit dem absoluten Berlin-bezug? Ich hatte Martin Oetting empfohlen. Ganz bewusst, weil er nicht nur ein Guter in Sachen Mundpropaganda ist, sondern auch noch ein Berliner. Das passte. Aber TRND. Nichts gegen BigT (ich schätze die Arbeit von TRND sehr!). Aber Berlinbezug gleich Null.
Und der Artikel an sich? Ich finde ihn so lau wie drei Tage alten Kaffee. Nichts wirklich Neues. Viel über Multimediaschulen, die aus meiner Sicht ziemlich am Markt vorbei ausbilden. (War selbst länger Dozent vor ein paar Jahren.) Auch darüber hatten wir am Telefon gesprochen. Torsten von TRND sieht das ganz offensichtlich ähnlich. Und auch ansonsten nichts wirklich Interessantes in dem langen Artikel. Schade. Ich nehme der Fairness halber an, dass der Artikel in der Redaktion nochmal umgeschrieben wurde. Trotzdem muss ich sagen: enttäuschender Artikel. Verschenkter Platz. Und: verschenkte Zeit. Der Tagesspiegel kann sich bedanken. Für den Input, den es von mir gab. TRND und das Thema Podcasting fanden ja den Weg in den Artikel. Und auch mein Grundtenor: vieles selbst aneignen, weniger auf unzureichende Ausbildung setzen kam dort an einigen Stellen zutage. Das nächste Mal werde ich meine Zeit dann als Beratungsdienstleistung dem entsprechenden Journalisten in Rechnung stellen. Andere Kunden, die sich von mir Informationen einholen, zahlen schließlich auch dafür.
P.S.: In der Blogosphäre wäre es übrigens undenkbar, dass man seine Quellen nicht mit angibt! Das ist ne Frage von Fairness, finde ich. Bin ich altmodisch?!















5 Reaktionen
06. März 2007, 12:34 Uhr
[...] AAL-Prinzip ist auch bei Journalisten angekommen. Die ganze Story gibt es Auf visualblog Ich finde es nicht fair. [...]
06. März 2007, 15:10 Uhr
[...] Mar 6, 2007 in Media, Asides | Zumindest berichtet der Berliner Matias Roskos vom Visual Blog über seine Erfahrungen mit dem Berliner Tagesspiegel. Zuletzt sei er angerufen, und um Informationen befragt worden. Man habe ihm sogar zugesichert, dass er als Quelle in einer Infobox der Druckausgabe erscheinen würde. Offenbar Fehlanzeige. In einem P.S. an seine Leser gibt er zu bedenken: “In der Blogosphäre wäre es übrigens undenkbar, dass man seine Quellen nicht mit angibt! Das ist ne Frage von Fairness, finde ich. Bin ich altmodisch?!” (Matias Roskos) [...]
09. März 2007, 12:05 Uhr
Hey Matias,
ein ausführlicher Johnny Häusler Artikel kam dann heute (9.3.)…
Bis morgen,
Fabio.
09. März 2007, 12:19 Uhr
Wo? In der “echten” Zeitung? Weil auf Spreeblick finde ich nix…
Erklär mal, Fabio.
09. März 2007, 13:46 Uhr
Ah. Habs gerade gelesen. Gutes Interview zum Thema Blogs, dass Johnny Häusler da gegeben hat. Gefällt mir. Danke für den Hinweis Fabio!