Dass Crowdsourcing bzw. Communitysourcing immer mehr in den Blickpunkt rückt, wenn es um innovative Marketingstrategien und spannende Geschäftskonzepte geht, spüre ich ja nun schon seit einigen Wochen. Erfreulich ist es, dass Jochen Krisch dieses Thema neben dem Bereich Ecommerce in den Mittelpunkt des nächsten Exciting Commerce Roundtable nächste Woche in Berlin gerückt und mich dafür auch eingeladen hat.
Nun stolper ich heute über neue, sehr interessante Blogbeiträge, die sich mit Crowdsourcing beschäftigen. An Patrick Breitenbachs Artikel gefällt mir nicht nur, dass er ein alter Twin Peaks Fan ist. Auch ich habe die Serie geliebt und schon die ganze Woche auf die nächste Folge gewartet. Und siehe da, auch bei Lost sind wir Brüder im Geiste. Sehr witzig. Und ich dachte schon, ich wäre der Einzige, der Lost nicht verpassen durfte die letzten Wochen. ZEN – Zuhören, Entdecken, Nutzen. Patrick schreibt: “Eingeschworene Kultgemeinden wollen exklusive Inhalte und Produkte. Ich meine damit nicht die Köpfe der Hauptdarsteller auf Küchenrollenverpackungen (Ich glaube das gabs mal für Star Wars) ich rede von Labels aus dem Seiengeschehen. So wie man damals den offiziellen Twin Peaks Kirschkuchen hätte vertreiben können (Hallo Dr. Oetker, Hype leider verpasst), gibt es heute bei Lost wieder die Möglichkeit Produkte zu labeln und zu vertreiben. Wenn das die Konzerne und ihre Marketingabteilungen nicht fertig bringen (ja genau dazu stellt man Planner ein, oder Tim?) solche Trends zu erkennen und den Markt dahingehend zu bedienen, dann machen das die Fans eben einfach selbst.” Das Problem was ich in dem Moment sehe, sind die Rechte an der Marke… Das kann durchaus schnell nach hinten losgehen. Aber er hat absolut Recht, wenn er schreibt:
“Genau darin liegt für mich die Power von User Generated Content. Es geht nicht darum, die Leute mal was Gelenktes für die Marke machen zu lassen.” - Warum nicht, muss ich an dieser Stelle mal kurz einwerfen. Aber klar: anders ists noch besser - ”Es geht darum, den Leuten Freiräume zu lassen und dann im richtigen Moment zuzuschlagen. Das Brandeisen kann man später immer noch ansetzen. Unternehmen sollten die Bewegung also eher als User Generated Brainstorming nutzen. Je mehr ein Unternehmen loslassen kann, desto spannender werden die Resultate ausfallen. Wäre ich Marketingverantwortlicher, würde ich gerade von diesen Lost(*Titel beliebig austauschbar*)-Fans sehr schnell lernen und umgehend solche Label rausbringen. Aber eben nicht Abklatsch sondern ergänzend. Es muss sich zum Gefüge passen, es darf kein Fremdkörper sein. Das neue Web ist daher für Marken und Unternehmen nicht durch AAL (Andere arbeiten lassen) spannend, sondern durch ZEN (Zuhören, Entdecken und Nutzen). User generated Content ist in erster Linie keine Werbekampagne, es ist vielmehr die Inspiration für gelungene Markenkommunikation – wenn man denn das ZEN annimmt.”
Hervorheben möchte ich hier aus meiner Sicht die Fokussierung darauf, dass es nicht darum geht andere einfach arbeiten zu lassen. Es geht darum mit ihnen, mit der Community, etwas auf die Beine zu stellen. Den Usern müssen Möglichkeiten gegeben werden. Und oft hilft es tatsächlich Stimmungen zu erfassen und zu nutzen. Man muss und darf aber auch bereit sein auszuprobieren, was die User möchten. Was sie spannend finden. Nur darauf zu warten was entsteht hilft nicht nicht immer. Und viele User sind dankbar, wenn man einen Rahmen absteckt, an den sie sich gerade in einem Kreativprozess halten können.
Bei Hannes Treichl dann fand ich einen sehr interessanten Beitrag, in dem er auf Alexander Greisles Beitrag “Kunden in Innovationsprozesse involvieren. Einige Kernfragen vor dem Start” hinweist. Dort heißt es: “Bevor ein solcher Prozess in Gang gesetzt wird, sind einige grundsätzliche Fragen zu klären. Am Ende sollten Sie wissen, ob und wie Sie Ihre Kunden in die Ideenfindungs- und Innovationsprozesse einbinden möchten und welche Voraussetzungen Sie dafür schaffen dürfen.
- Wo im Innovationsprozess können wir von der Kundenintegration am meisten profitieren?
- Wie profitieren unsere Kunden davon? Was sind wir bereit zu geben? Wie zeigen wir den Teilnehmern unsere echte Wertschätzung für ihr Engagement?
- Welche Risiken haben wir bei der Kundenintegration und wie gehen wir proaktiv damit um?
- Welche Kunden wollen wir warum einbeziehen? (Achtung, hier sind drei Fragen enthalten)
- Welche kulturellen Voraussetzungen brauchen wir dafür noch?
- Mit welchen Methoden wollen wir die Kundeneinbinden, online genauso wie offline?
- Welche Eigenschaften benötigen wir auf der Mitarbeiterseite und welche Mitarbeiter sind am besten geeignet?
- Welche methodischen und persönlichen Kompetenzen sind im Vorfeld aufzubauen?
Hannes Treichl fügt als 9. Frage noch absolut richtig und wichtig hinzu: “Wie kann ich die entstehenden viralen Effekte bestmöglichst nutzen?” Besser als Hannes Treichl kann ich es leider auch nicht zusammenfassen: “Kunden zu involvieren ist ein Projekt das vor allem auch Zeit und Know-How verlangt und nicht nur einfach mal ’so nebenbei’ aufgesetzt werden kann. Bringt man beides mit (oder holt sich die Erfahrung Dritter), dann wird Communitysourcing nicht nur ein erfolgsversprechendes sondern auch ein erfolgreiches Projekt.” Und die Erfahrung Dritter – ja die kann natürlich VisualOrgasm mit einbringen.
Beide Artikel, bzw. alle drei, von Patrick Breitenbach, Hannes Treichl und Alexander Greisle zeigen, dass Crowdsourcing und anderer nicht ganz so fokussierter user generated content, sinnvoll und intelligent eingesetzt, einen großen Nutzen für jede Seite – den Kunden wie auch die Menschen, dier zur Community gehören - haben kann. Man darf dieses Gebiet aber auf keinen Fall unterschätzen. Es verlangt viel Fingerspitzengefühl, viel Aufmerksamkeit, viel Zeit die man dem Projekt opfern muss. Aber es bietet auch enorme Chancen. Chancen auf Mundpropaganda, auf interessante und spannende Ergebnisse, auf einen echten, offenen und ehrlichen Dialog mit seinen Kunden (wie in den guten alten Zeiten), auf das optimale Ausnutzen dessen, was man Web 2.0 bezeichnet.






Eine Reaktion
06. März 2007, 19:52 Uhr
[...] Kommentar Matias Roskos [...]