Es geht – endlich – voran mit dem Thema Crowdsourcing hier in Deutschland. Darauf verweist zu Recht das Exciting Commerce Blog. Jochen Krisch verweist auf Jeff Howe, dem auch schon aufgefallen ist, das es brodelt in der deutschen Blogosphäre: “Simply put, something’s up in Germany. There have been numerous blog posts on the subject of crowdsourcing in the last several days, and I’m dying to know what they’re about.” Leider habe ich im Moment nicht die Zeit und die Nerven mich dessen anzunehmen. Aber ich bin mir sicher, ein anderer Blogger hilft Jeff Howe mit uns Deutschen und dem Thema Crowdsourcing.
Ganz richtig verweist Jochen Krisch auf die Vorreiterrolle, die Hannes Treichl, – dessen Blog ich mit allergrößtem Vergnügen lese – Burkhard Schneider und meine Wenigkeit hier inne haben. Mit Markus Pöhlmann hat sich ein weiterer Blogger erfreulicherweise diesem Schwerpunkt angenommen.
Extrem interessant finde ich auch die Diskussion, die Andreas Milles von Spreadshirt im Handelskraft-Blog “angezettelt” hat. Er trifft damit genau einen Punkt, der auch mir schon seit längerem im Kopf herumgeistert: was ist Crowdsourcing und was nicht.
Ami sagt dort in den Kommentaren: “es mag jetzt komisch klingen, weil ich bei spreadshirt arbeite und wir ja genannt werden — aber das, was wir in unserem *kernbusiness* (der shoppartner plattform) machen, würde ich per se eigentlich nicht als als “paradebeispiel” für crowdsourcing definieren (longtail business usw. ja). ich denke noch darüber nach, wie man es besser abgrenzen kann, aber es sprechen IMO ein paar sachen dagegen:
erstens ist es eine win/win situation: wir drucken und beliefern ab einem stück, der partner verdient bei einer bestellung ja in jedem fall seine provision.
zweitens greifen nicht “wir” auf die designs zurück, sondern der jeweilige partner entscheidet selbst, wie er mit seinen designs verfährt, wie und wo er seinen shop einbindet.
drittens haben wir den design-prozess wirklich “verlagert”, aber nicht komplett ausgelagert (wie häufig in anlehnung an IKEA oder die post oder den ALDI flaschenpfandautomaten vorgebracht). d.h. wir haben schon leute hier sitzen, die die designs von hand prüfen und auch von hand drucken.”
Punkt zwei und drei finde ich, naja, tatsächlich ein wenig Haarspalterei. Aber Punkt 1 ist für mich der entscheidende! Bedeutet Crowdsourcing, dass es keine Win-Win-situation gibt? Oder besser: Was ist eine faire Win-Win-Situation? Ich möchte Ami da in keiner Weise widersprechen, sondern stelle diese Frage mir immer wieder und komme bisher auf keine befriedigenden Antworten. Ich weiß “nur”, dass es bei uns auf VisualOrgasm ganz ganz wichtig ist, das wirklich alle Seiten beim Crowdsourcing etwas davon haben. Darum nennen wir das Crowdsourcing bei uns auch Communitysourcing. Um es ein wenig abzugrenzen. Und um zu zeigen: wir arbeiten mit einer Community. Und diese ist uns verdammt wichtig. Und wir haben die Pflicht und die Verantwortung sie absolut fair zu behandeln. Das gehört schon immer zur Grundphilosophie von VisualOrgasm. Und bei Spreadshirt ist es ja ähnlich. Es gibt eine Win-Win-Situation.
Was mir ganz und gar nicht gefällt und auch in keinster Weise nach Win-Win riecht, ist die Definition von Crowdsourcing auf Wikipedia.de, die auch auf Handelskraft als Grundlage genommen wird: “Dahinter steckt der einfache Gedanke der Auslagerung (engl.: Outsourcing) von Arbeit an eine Schar kostenloser oder gering bezahlter Amateure (engl.: Crowd), die bereitwillig Inhalte generiert, diverse Aufgaben und Probleme löst oder an Forschungs- und Entwicklungsprojekten beteiligt ist (in Anlehnung an Wikipedia.org).”
Dieses “kostenlos” und “gering bezahlte Amateure” – da läuft bei mir immer ein kalter Schauer über den Rücken. Das klingt alles so nach billigem Rumgewurschtel und unprofessionellem Tun.
Wie schon gesagt: auch ich habe (noch) keine Antworten auf die vielen Fragen zum Thema Crowdsourcing. Ich bin auch kein Wissenschaftler, sondern Pragmatiker, Community-Manager, ein Internetmensch. Und ich freue mich, dass dieses Thema immer mehr in der Fokus rückt. Bei den immer zahlreicher werdenden Kundenanfragen zum Thema Communitysourcing auf VisualOrgasm argumentieren wir aber auch immer mit dem Thema Mundpropaganda. Wir sehen Communitysourcing immer auch als Teil von Marketing, mit dessen Hilfe positive Mundpropaganda ausgelöst werden kann.
Ein gutes Beispiel ist hier der Mobile Wallpaper Contest für Sony Ericsson. Dieser Contest ist gekoppelt an eine wunderbare Marketing-Idee namens “Gig in the sky” mit Jamiroquai. Der Contest auf VisualOrgasm ist “nur” ein kleiner Bestandteil dieser weltweit angelegten Kampagne, sorgt aber durchaus für positive Mundpropaganda. So wurde nicht nur in zahlreichen Blogs darüber berichtet, sondern wir fanden u.a. auch ein Diskussion in einem englischsprachigen Forum von Jamiroquai-Fans, wo über unseren Contest geredet wurde. Schön, dass er bis in dieses große Forum gelangte. Noch schöner, auch für den Kunden Sony Ericsson war, dass die Leute dort sagten: “Coole Aktion. Die Wallpaper sehen echt geil aus. Klasse, was Sony Ericsson sich so einfallen lässt.” Bessere Mundpropaganda kann es nicht geben. In einem Forum, das eigentlich nichts mit Sony Ericsson oder Handys zu tun hat, wird positiv über Sony Ericsson geredet. Weil der Contest auf VisualOrgasm gut rüberkommt.
Aktuell arbeiten wir nicht nur am Relaunch von VisualOrgasm und versuchen die boomende VisualOrgasm-Pixeltown unter Kontrolle zu halten, sondern wir arbeiten auch neue Ideen und Konzepte in Sachen Communitysourcing aus. Dabei sind Win-Win-Situationen für alle Beteiligten, also Kunde, beteiligte Internetnutzer und wir als Betreiber, Kernbestandteil. Wer seine User ausnutzt, wird langfristig keinen Erfolg mit Crowdsourcing haben!
Ich finde es großartig, dass die Diskussion um Crowdsourcing hierzulande immer besser in Gang kommt. Schön wäre es, wenn man sich vielleicht mal speziell zu diesem Thema trifft und miteinander diskuttiert und vielleicht tatsächlich Abgrenzungen findet. Schön wäre es auch, wenn man gemeinsame Geschäftsmodelle entwickelt. Denn Crowdsourcing kann und sollte für alle Seiten Sinn machen. Und Mundpropaganda ist aus meiner Sicht dort bereits mit implementiert. Und wer mit uns in Sachen Crowdsourcing etwas machen möchte – dem steht nichts im Wege. Einfach anrufen oder emailen. Wir freuen uns über jedes Gesprächsangebot!
Nachtrag: Hannes Treichl greift das Thema auch gleich mit auf und fasst in einem exzellenten und umfangreichen Posting so ziemlich alles Wesentliche zusammen. Ich kann mich ihm wieder einmal nur anschließen.















2 Reaktionen
11. Februar 2007, 19:14 Uhr
[...] Neugierig wurde der Manager in dem Moment, in dem er zu erkennen glaubte, dass Crowdsourcing v.a. Kostenvorteile bringt. Einziger Denkfehler dabei: Das werden auch irgendwann die Kunden durchschauen und dann ist es vorbei mit kostenlosen Ideen. Ohne authentische Kunden- und Nutzenorientierung funktioniert Crowdsourcing nicht. Matias Roskos stellt richtig fest : Ich weiß “nur”, dass es bei uns auf VisualOrgasm ganz ganz wichtig ist, das wirklich alle Seiten beim Crowdsourcing etwas davon haben. Darum nennen wir das Crowdsourcing bei uns auch Communitysourcing. Um es ein wenig abzugrenzen. Und um zu zeigen: wir arbeiten mit einer Community. Und diese ist uns verdammt wichtig. Und wir haben die Pflicht und die Verantwortung sie absolut fair zu behandeln. [...]
11. Februar 2007, 22:57 Uhr
[...] Hannes Treichl, Marktchance Crowdsourcing Markus Pöhlmann, warum sollen Nutzer mitarbeiten? Visualblog: Crowdsourcing, es geht voran in Deutschland klar: siehe auch Wikipedia Siehe bzgl. Wisdom of the Crowd das verblüffende Liebesperlen-Experiment bei Quarks.de (basierend auf der Entdeckung von Francis Galton anno 1906, was er dann Vox pupuli nannte) [...]