Crowdsourcing auch bei Fiat

Matias Roskos
11. Januar 2007, 08:02 Uhr, 0 Reaktionen
Kategorie: Open Innovation

Hannes Treichl hatte bereits Mitte Dezember darüber berichtet. Es ging darum den neuen Fiat 500 mitzugestalten. Ziel von Fiat war natürlich in erster Linie: Mundpropaganda. Die Ergebnisse sind für viele überraschend sensationell. Bin ich da überrascht? Nein! Denn eine Community ist immer kreativer als ein einzelnes Designbüro. Warum das so ist? Weil viele Menschen viele Ideen liefern. Und unter vielen Ideen, egal ob von absoluten Amateuren oder Profis sind immer auch richtig gute Ideen dabei. Klar: die Umsetzung sollten immer Profis übernehmen.

Auf Spiegel Online ist zu dem Thema folgendes zu lesen: “‘Eigentlich ist die Integration der Öffentlichkeit nichts Neues’, sagt Luca De Meo und verweist auf Internet-Projekte wie Wikipedia oder die Kollektiv-Software Linux. ‘Doch die Automobilhersteller haben bislang eher diktatorisch gearbeitet’, gibt der Markenchef zu. ‘Das ist das Auto, von dem wir glauben, dass ihr es toll findet’, habe die Maxime bis dato gelautet. Fiat dagegen habe nun zum ersten Mal einen Prozess gestartet, den De Meo “demokratisch” nennt und dem er eine umgekehrte Richtung zuschreibt: ‘Hier arbeiten wir tatsächlich von unten nach oben.’ Die künftigen Kunden machen davon regen Gebrauch: Allein in den ersten 50 Tagen haben die Italiener mehr als 500.000 Zugänge gezählt, nach wenigen Monaten waren zehn Millionen Klicks, fast 400 Menschen haben ein Foto zu den “500 Faces” auf die Website gestellt, und mehr als 170.000 Entwürfe zeigen, wie sich die Fans den neuen Cinquecento vorstellen.

Hach – mein Herz als Communitymanager und Communitysourcing-Experte schlägt höher!

Ein wenig Bauchschmerzen macht mir allerdings Folgendes: “Natürlich könnten Ketzer die Amateur-Designer auch als Maßnahme zur Kostensenkung sehen. ‘Um Geld geht es dabei nicht’, sagt De Meo. Viel mehr sieht er in der Internetarbeit moderne Marktforschung und eine Risikoversicherung für guten Geschmack. ‘Wenn wir auf das hören, was uns die Kunden sagen, dann können wir relativ sicher sein, dass unser Auto später auch gut ankommen wird’, begründet De Meo den ungewöhnlichen Weg, der freilich auch Aufmerksamkeit erregen soll. ‘Während über den Ford Ka noch niemand spricht, ist der Fiat 500 schon heute in aller Munde’, freut sich ein Manager.

Ich bin absolut dagegen, dass Menschen, deren kreative Ideen dann auch tatsächlich in ein Produkt einfließen dafür nicht auch belohnt werden. Klar ist es schwer sie wie eine professionelle Agentur zu bezahlen. Aber ein Honorar sollte doch immer drin sein. Oder man belohnt die Teilnehmer mit interessanten Preisen. Zu Fiat würde doch eine Runde in einem Formel1-Renner in Maranello passen. Oder ein Wochenende gratis fahren mit dem neuen Fiat 500. Oder etwas anderes in dieser Richtung. Etwas, worüber sich ein Fiat-Fan freut. Aber so ganz ohne… Nee nee. Aber ich denke, auch da wird sich Fiat noch etwas einfallen lassen.

Auf jeden Fall eine großartige Idee, die zeigt wie erfolgreich Communitysourcing sein kann. Und wie perfekt sie dazu dienen kann Mundpropaganda zu generieren.

Gefallen tut mir auch der Schlussabsatz von Hannes Treichl: “Ich habe vor kurzer Zeit mit sehr bekannten österreichischen Unternehmen gesprochen, bei dem es um einen ähnlichen Ansatz ging. Nach anfänglich sehr großem Interesse setzten sich aber dann doch die Argumente der Haus- und Hof-Werbeagentur durch:

‘Das erledigen wir für Euch. Wir wissen viel besser was zu Euch passt.’

Naja, auch ein Ansatz. Da hatte wohl jemand Angst einen Auftrag zu verlieren. Dabei gehts gar nicht darum jemanden auszuschalten wie Fiat zeigt: Gemeinsam wirds um einiges erfolgreicher!
Vielen Dank an das ANDERS|denken Blog von Hannes Treichl und Bernd Röthlingshöfer.


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Über den Autor

Matias Roskos
2706 Beiträge

Matias Roskos ist der Gründer des VisualBlog. Neben seiner Tätigkeit als Blogger ist er noch Inhaber von Deutschlands erster Community- und Crowdsourcing-Agentur VOdA. Als Crowdsourcing-Evangelist beschäftigt er sich als Redner und Autor mit dem Thema Open Innovation, Crowdsourcing und Socialnetworkstrategien. Er schreibt für diverse andere Webprojekte und betreibt das Fachblog Socialnetworkstrategien.de

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