Blick in die Zukunft: Longtail-TV

Matias Roskos
04. Dezember 2006, 06:38 Uhr, 1 Reaktion
Kategorie: Allgemein, Web 2.0

Geht es ihnen auch so? Sie zappen durchs abendliche Fernsehprogramm und sind einfach nur genervt. Von soviel Schwachsinn gemixt mit endloser Werbung. Seien wir doch ehrlich: Fernsehen macht kaum noch Spaß. Und wenn es mal eine Sendung gibt, die einen interessiert, muss man zu der Zeit zu einem Abendessen oder schläft schon. Fernsehen ist so derartig unflexibel, dass es doch eigentlich schon nicht mehr zeitgemäß ist. Klar – man kann Sendungen aufnehmen. Aber was für ein Aufwand, um dann vielleicht mehrere Sendungen aneinander gereiht in Ruhe zu sehen, ohne Werbeunterbrechung. Nein, das macht alles keinen Spaß mehr.

Das ist ein Grund, warum so viele Menschen in den Spielebereich wechseln und lieber online oder am PC zocken statt fern zu sehen. Hierzu passt auch die JIM-Studie für 2006. (via Heise.de: “Jugendliche verzichten lieber auf Fernseher als auf PC”). Aber was kommt in der Zukunft? Wo führt die Entwicklung hin? Youtube, Revver oder Sevenload machen es vor, sage ich. Die Aufnahme von visuellen Inhalten wandert ins Internet ab. Und wir sind erst am Anfang einer Entwicklung! Denn noch ist das alles kaum sexy, das Feeling stimmt noch nicht.

Man geht auf Youtube, sucht umständlich, findet vielleicht was. Ist aber nur 30 Sekunden lang. Noch ein 30-Sekunden-Filmchen. Und noch eins. Wird bald langweilig. Nein – das Fernsehen der Zukunft wird anders aussehen. Der Zuschauer stellt sich seinen Fernsehabend im Internet selbst zusammen. Warum soll ich das Fußballspiel nicht eine Stunde zeitversetzt sehen? Und danach den Bericht über Neufundland, der vorgestern im TV lief. Und danach drei Folgen “Lost”. Alles mittels einer Software eingerichtet und abgespielt. Diese Software holt sich die Inhalte von verschiedenen Plattformen. Dort hat sie mich registriert und ich konnte einstellen, für was ich bereit bin auch was zu bezahlen. Ja, Bezahlcontent. Anders wird es nicht gehen. Keine Angst. Es wird Flatrates geben von einzelnen Sendern und Programmanbietern. Wenn mich die Fußball-Bundesliga oder die NBA im Monatsabo sagen wir 3,- Euro kostet – das wär doch okay. Aber ich kann dann zu jeder Zeit alles sehen. Warum nicht drei Cent für einen interessanten Bericht über die Galapos-Inseln? Auch die halbprofessionellen Filme von Hobby-Journalisten, Gärtnern, Köchen usw. gehören dann zum Angebot. Longtail im TV. Es wird ein Mix stattfinden zwischen professionell produzierten Inhalten, zu denen neben Reportagen auch Spielfilme, Serien, Comedyshows usw. zählen mit den Inhalten der “Normal-User”. Die TV-Produzenten müssen sich dann gegen kleine Hobbystudios behaupten. Menschen werden sich darauf spezialisieren Onlineinhalte, kleine Filme von Usern, zusammenzuschneiden und nochmal aufzubereiten. Damit man nicht lauter Videoschnipsel hat, sondern längere Sequenzen. Das dürfte interessant werden, welcher kleine Möchtegern-Produzent es schafft bei den Leuten regelmäßig auf dem Bildschirm zu erscheinen. Es wird Nachrichtensendungen von Bloggern geben, die an kein Unternehmen gebunden sind und unabhängig agieren können. Zeitungen werden in diesen Markt eindringen und ihre Inhalte ganz neu aufbereiten. Es wird eine viel größere Vielfalt geben. Unendlich viele Quellen stehen uns dann zur Verfügung. Und der User bestimmt, was erfolgreich ist. Einschaltquoten sind dann viel genauer Messbar. Aber auch das Longtail hat eine echte Chance. Denn die Filme liegen nur auf Servern und warten, dass sie abgerufen werden. Es muss kein teurer Sendeplatz im TV damit belegt werden.

Natürlich wird es die aktuelle Nachrichten, die Tagesschau zum Beispiel geben. Und wer sie weiterhin Punkt 20 Uhr sehen möchte – kein Problem. Wer aber vorher noch sein Warcraft-Spiel zu Ende spielen will, kann sie auch erst danach sehen. Kein Problem. Mittels seiner TV-Software wird das möglich werden. Ich bin mir sicher, die Softwareschmieden sitzen schon fleißig daran und basteln für uns die entsprechenden Programme, damit wir bequem vor dem Rechner bzw. dem riesen Flatscreen sitzen und unser selbst zusammengestelltes Programm sehen können. Zu jeder Tageszeit. Was immer wir wollen, wann immer wir wollen. Hach. Herrlich!

Nachtrag [8.12.2006] : Auf Techcrunch wird darüber gemunkelt, dass mehrere us-amerikanische TV-Sender dabei sind eine Kooperation zu schmieden und ein eigenes Konkurrenz-Portal zu Youtube online zu bringen. Das passt genau in meine obigen Gedanken hinein.

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Über den Autor

Matias Roskos
2198 Beiträge

Matias Roskos ist der Gründer des VisualBlog. Neben seiner Tätigkeit als Blogger ist er noch Inhaber von Deutschlands erster Community- und Crowdsourcing-Agentur VOdA. Als Crowdsourcing-Evangelist beschäftigt er sich als Redner und Autor mit dem Thema Open Innovation, Crowdsourcing und Socialnetworkstrategien. Er schreibt für diverse andere Webprojekte und betreibt das Fachblog Socialnetworkstrategien.de

Eine Reaktion

  1. [...] Das passt zu meinen Zukunftsphantasien vom Zusammengehen der diversen Medienkanäle wie TV, Internet, Spielekonsolen und Handys: “Blick in die Zukunft: Longtail-TV“. [...]

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