Startup mit gewaltigem Potential: Exchange*Me

Matias Roskos
08. November 2006, 09:03 Uhr, 3 Reaktionen
Kategorie: Web 2.0

Man benötigt eine starke Bohrmaschine und hat keine Zuhause? Kaufen? Muss das sein für ein einziges Mal? Oma will die Küche gestrichen haben und man selbst hat dazu nicht wirklich Lust. Einen Profi anheuern? Kostet ne Stange Geld und Oma hats nicht so dicke. Mal Klavierunterricht ausprobieren ohne gleich tief ins Portemonnaie greifen zu müssen?

Dies alles und noch vieles mehr bietet Exchange*Me, ein Startup, das aus meiner Sicht zu den interessantesten deutschen Webprojekten gehört. Und was ich dabei absolut genial finde: es ist kein Klon eines bereits existierenden amerikanischen Projektes! Idee und Konzeption stammt ganz von Matthias Pries, der damit schon im Juli 2005 an den Start ging. Anfangs auf Berlin beschränkt, ist Exchange*Me seit Februar 2006 deutschlandweit positioniert und aktuell auf 22 Städte ausgerichtet. Im Laufe der Zeit ist eine kleine, feine Community entstanden, die nur darauf wartet weiter zu wachsen.

Die Leute bieten die verschiedensten Dienstleistungen an und bekommen als ideellen Gegenwert sogenannte ME!’s. Die ME!’s dienen nur als Verrechnungseinheit, sind also keine eigene Währung und können (bisher) auch nicht ausgezahlt werden. Man liefert also eine Dienstleistung, bekommt ME!’s dafür gut geschrieben, wird selbstverständlich auch bewertet, schließt virtuelle und auch echte Freundschaften – denn die User begegnen sich durch die Dienstleistung ja auch im wirklichen Leben! – und kann dann seine erworbenen ME!’s wieder gegen Dienstleistungen eintauschen, die man selbst benötigt. Also man streicht die Küche der Oma, bekommt ME!’s und nimmt zwei Wochen später dafür Klavierunterricht bei einem anderen User. Es findet also kein Tausch statt, was ein großer Vorteil ist.

Großartig finde ich es, dass es nicht einfach nur ein Social Network mit einem echten Mehrwert für die beteiligten User ist. Es findet auch “echter” sozialer Austausch statt. Exchange*Me transportiert die Kontakte zurück ins wirkliche Leben. Man trifft den anderen ja, damit die Dienstleistung in Anspruch genommen werden kann. Und DAS finde ich einfach nur ungemein sympathisch. Es ist dadurch schon die ein oder andere Freundschaft entstanden, wie Matthias Pries mir erzählte, als wir uns neulich trafen und uns ein wenig über unsere Projekte austauschten.

Das Exchange*Me-System macht auf mich einen gut durchdachten Eindruck. Es gibt viele nette Features auf der Webseite. Das ganze Projekt ist mit viel Herzblut aufgebaut und wartet eigentlich nur darauf, das ein Investor einsteigt und für die entsprechende PR sorgt. Denn genau das fehlt dem Projekt von Matthias Pries: PR. Aufmerksamkeit, damit immer mehr User mitmachen.

Aus meiner Sicht würde eine Zusammenarbeit mit lokal orientieren Portalen wie z.B. Qype oder Lokalisten extrem Sinn machen. Da würden Synergie-Effekte entstehen, die allen, den Betreibern wie auch den Usern einen echten Mehrwert bringen. Denkbar sind White Label Lösungen, so dass Portale Exchange*Me-Elemente in ihre Portale einbinden können.

Also: All ihr Investoren und Business Angel da draußen. Schnappt euch Exchange*Me und sorgt dafür, dass es eines DER deutschen Web 2.0 Vorzeigeprojekte wird. Das Potential hats auf jeden Fall. Und der Macher ist kein arroganter Spinner oder Möchtegern-Millionär, sondern ein Internet-Verrückter, der ein erstklassiges Social Networking Portal am Start hat, dass nur darauf wartet wachgeküsst zu werden.

Exchange*Me

Über den Autor

Matias Roskos
2461 Beiträge

Matias Roskos ist der Gründer des VisualBlog. Neben seiner Tätigkeit als Blogger ist er noch Inhaber von Deutschlands erster Community- und Crowdsourcing-Agentur VOdA. Als Crowdsourcing-Evangelist beschäftigt er sich als Redner und Autor mit dem Thema Open Innovation, Crowdsourcing und Socialnetworkstrategien. Er schreibt für diverse andere Webprojekte und betreibt das Fachblog Socialnetworkstrategien.de

3 Reaktionen

  1. Kommentar von Dirk Ploss
    10. November 2006, 02:00 Uhr

    Synergie-Effekte? Los, ab – 5 Euro in den Bullshit-Bingo-Pot!

    Ansonsten: Habe selbst schon mit Mathias telefoniert und kann deinen Eindruck nur bestätigen. Endlich mal jemand, der ERST die Idee und DANN das Geschäftsmodell entwickelt! (So ist Google auch mal gestartet)

  2. Pingback von VisualBlog - das VisualOrgasm-Weblog » Neues von und um StudiVZ
    18. November 2006, 08:44 Uhr

    [...] Ja, das hättet ihr tun sollen. Und ich kann beim besten Willen nicht verstehen, wie man so handeln konnte, wenn man es ehrlich meint mit seiner Community!!! Und da ist für MICH das Grundproblem. Ich habe nicht den Eindruck, dass es den Machern hinter StudiVZ wirklich um die User, um die Community, um das Netzwerk für Studenten geht. Sie haben ganz sicher viel gearbeitet in den vergangenen Monaten. Aber ich werde das Gefühl nicht los, dass es am Ende nur darum geht damit richtig viel Kohle abzuräumen. Schnell das Ding hochziehen und dann für richtig gutes Geld verkaufen. Was stören da Probleme in den Bereichen Programmierung und Server? Scheißegal. Ist sowieso bald verkauft… Und das tut mir weh, wenn ich diesen Eindruck gewinne. Ich betreibe das deutsche Design-Link-Portal VisualOrgasm gemeinsam mit Frank Feldmann seit über fünf Jahren. Klar will man auch mal Geld verdienen damit. Aber mir war und ist immer jeder einzelne Nutzer wichtig gewesen. Und es gibt so viele andere, wirklich gute Projekte im Netz (wie zum Beispiel Exchange*Me – ich berichtete darüber), die (noch) vor sich hindümpeln. Und dann sieht man wie verantwortungslos Geld bei StudiVZ verbraten wird und wie die eigenen User zum Teil so richtig verarscht werden. Und die anderen Studentenplattformen wie Unister oder Studylounge wundern sich, warum die User zu StudiVZ gehen und nicht zu ihnen kommen. Keine Ahnung, welche Plattform die bessere ist. Aber – Jungs: bei StudiVZ steckte von Anfang an Kohle dahinter. Damit konnte man ein sicherlich gutes Konzept konsequent durchziehen. Geld + gutes Konzept + Power + gute Kontakte + Glück = Erfolg. Den meisten fehlen ein oder zwei Punkte davon. StudiVZ hatte, bis zu diesem Herbst zumindest, alles… Ach ja – die Finanzierung wurde auch offen gelegt. Keine Ahnung, ob die Zahlen stimmen. Ist aber auch egal. Da die Summe siebenstellig ist, ist es auf jeden Fall viel Geld was drin steckt. Auch wenn die Summe in Wirklichkeit schon achtstellig sein sollte, ändert das nichts an der Tatsache, dass hinten das Wort “Million” steht! Hier ein Auszug aus dem StudiVZ-Blog: “Wie viel Geld wurde studiVZ zur Verfügung gestellt? Insgesamt haben alle Gesellschafter € 2,5 Mio. für den Aufbau von studiVZ bereitgestellt. Davon stammen € 2,0 Mio. von Holtzbrinck Ventures GmbH (August 2006). Darüber hinaus gab und gibt es keine weiteren Vereinbarungen.” [...]

  3. [...] Über Exchange*Me hatte ich schon ausführlich berichtet. Nun hat es dieses ambitionierte Projekt von Matthias Pries auch in die BusinessNews geschafft. So wie wir mit VisualOrgasm ist auch Matthias Pries auf der Suche nach Partnern, die bereit sind in Exchange*Me zu investieren. Ich liebe solche Projekte, die nicht künstlich hochgepusht wurden, sondern erstmal organisch wachsen konnten. Und in denen viele gute Ideen und viel Herzblut drinstecken. Ich drück ganz fest die Daumen, dass es so richtig abgeht mit Exchange*Me und anderen interessanten, bisher noch kaum beachteten Projekten. Tags:Web 2.0 [...]

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