PAGE-Interview mit einem Adobe-Mann

Matias Roskos
28. November 2006, 08:56 Uhr, 0 Reaktionen
Kategorie: Allgemein

In der aktuellen PAGE (12.06) findet sich ein interessantes Interview mit dem Senior Vice President Creative Solutions (alles klar bei dem Titel?!) von Adobe, John Loiacono. Dazu muss man wissen, dass ich selbst drei Jahre als Flashprogrammierer gearbeitet habe und daher immer mit großem Interesse verfolge, was mit Flash passiert und möglich ist.
Macromedia, die Firma die Flash einst gekauft, dann weiterentwickelt und zu DEM Animationstool fürs Internet entwickelt hat, wurde vor etwa einem Jahr von Adobe gekauft, so dass seit dem Programme wie Photoshop, Fireworks, Flash oder auch Freehand und Illustrator alle unter einem Dach vereint sind. Umso interessanter die Aussagen von John Loiacono.

Herr Loiacono, was hat sich seit dem Kauf von Macromedia in Ihrem Unternehmen verändert? Wir haben den sehr dynamischen Unternehmergeist von Macromedia mit dem Know-how und der langen Erfahrung von Adobe zusammengeführt. So kommt ein beträchtlicher Teil des heutigen Adobe-Senior-Managements aus dem Macromedia-Kreis. Was sich auch geändert hat, ist, dass wir uns strategisch auf das ausrichten, was wir als Dynamic Media bezeichnen. Wir meinen damit, dass die Gestaltung von allen erdenklichen Komponenten bis hin zu Video, Audio, Web et cetera mit unseren Tools zu einer nahtlosen Erfahrung werden soll.”

Das hört sich ja fast an, als hätte Macromedia Adobe erobert und nicht anders herum. Sehr witzig. Aber durchaus die richtige strategische Ausrichtung, wie ich finde.

An anderer Stelle fragt die PAGE: “Viele Anwender fragen sich, was mit den doppelten oder sich überschneidenden Produkten wie Freehand und Illustrator oder Dreamweaver und GoLive passieren wird. Können Sie uns dazu etwas verraten? Sicher. Freehand hat schon seit Jahren keine wirkliche Weiterentwicklung erfahren… Illustrator ist unsere strategische Ausrichtung. In der kommenden Creative Suite wird definitiv Illustrator im Paket sein, ebenso wie Dreamweaver. GoLive wird nicht mehr dabei sein…” Wie es also zu erwarten war, werden sich Programme wie Freehand (Macromedia), GoLive (Adobe) und wohl auch Fireworks (Macromedia) langsam von der Bildfläche verabschieden. Eine konsequente Entwicklung. Die besseren Programme werden überleben und eine Weiterentwicklung erfahren. Flash war ja sowieso absolut konkurrenzlos.

Da bleibt die Frage der Monopolstellung. Ähnlich wie Microsoft bei den Betriebssystemen hat Adobe aktuell eine ziemliche Monopolstellung bei der grafischen und der Animations-Software. Ist das gefährlich? Teils teils. Denn ich glaube, dass der Trend zu einem großen Teil zu Online-Anwendungen geht. Warum soll ich teure Software installieren, wenn ich online meine Bilder bearbeiten oder Flash-Animationen erstellen kann. Das Arbeiten wird sich immer mehr direkt ins Netz verlagern. Mit zunehmender Geschwindigkeit des Datentransfers kann ich bald auch problemlos Megabyte große Dateien online Bearbeiten. Es wird also Software geben, die gar nicht mehr auf meinem Rechner liegt, sondern auf Servern. Und ich werde online an meinen Dateien arbeiten können. Und durch diese Entwicklung wird das Adobe-Monopol vermutlich wieder aufgebrochen. Wenn Adobe dort nicht auch wieder die Nase vorn hat, was im Moment aber nicht so ausschaut.

Dann spricht PAGE die Zukunft an und erhält eine interessante Antwort: “Wie wichtig ist die wachsende Zahl internetfähiger Endgeräte für kommende Produkte? Wir arbeiten derzeit ganz zentral an dieser Aufgabe: “Wie bringen wir Mobility in die Suite?” Wenn heute jemand Applikationen für diese Geräte gestaltet, nutzt er kreative Werkzeuge, also wollen wir mehr Features für Mobilität in unsere Tools integrieren. Wir haben nach der Akquisition von Macromedia eine komplette Organisationseinheit namens Mobile & Devices geschaffen, die sich ganz auf diesen Bereich konzentriert. Flash ist schon heute praktisch auf jedem PC auf dem Planeten präsent und wird in Zukunft die Plattform sein, auf der man Inhalte für jedes erdenkliche Endgerät entwickeln kann, vom High-Class-PC-System bis zu Anzeige- und Bedienelementen im Auto – nach dem Motto: “Write once, run anywhere”. Flash wird künftig zur universellen Entwicklungsumgebung.”

Naja. Ein bisschen Träumen darf auch für John Loiacono erlaubt sein. Ganz so sehe ich es nicht. Ich denke, dass viele Inhalte mittels XML-Dateien übermittelt werden. Aber ganz klar: Flash wird eine gewaltige Rolle in der mobilen Zukunft spielen. Daran glaube auch ich. Aber das allein Dominierende? Nein. Das will wohl niemand hoffen. Ich jedenfalls nicht. Obwohl ich ein großer Fan guter Flashproduktionen bin.


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Über den Autor

Matias Roskos
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Matias Roskos ist der Gründer des VisualBlog. Neben seiner Tätigkeit als Blogger ist er noch Inhaber von Deutschlands erster Community- und Crowdsourcing-Agentur VOdA. Als Crowdsourcing-Evangelist beschäftigt er sich als Redner und Autor mit dem Thema Open Innovation, Crowdsourcing und Socialnetworkstrategien. Er schreibt für diverse andere Webprojekte und betreibt das Fachblog Socialnetworkstrategien.de

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