Das Internet ist ein Medium. So wie Radio, Zeitung und Fernsehen. Gut, nicht ganz so wie die anderen Medien. Denn das Internet ist vor allem auch ein Kommunikationsinstrument. Menschen tauschen Informationen aus, private und nicht private. Aber was ist noch privat im Internet? Eigentlich nichts. Denn das Internet ist öffentlich. Es ist ein Medium auf das jeder Zugriff hat und das jeder nutzen kann.
Und da immer mehr Menschen immer mehr Zeit statt vor Radio oder Fernseher vor dem Computer und im Internet verbringen, ist es nur logisch, dass immer mehr Firmen, die um Kunden buhlen, ihre Aktivitäten teilweise ins Internet verlegen. Das ist eine ganz normale Entwicklung, gegen die auch nichts einzuwenden ist. Wenn wir auf der Straße lang laufen stören wir uns ja auch nicht an den Schaufenstern der Geschäfte.
Aber Werbung im TV oder Radio nervt viele Menschen. In der Zeitung überblättern wir sie ganz schnell. Und im Internet? Die vielen Werbebanner und die Google-Adsense-Werbeflächen stören kaum jemanden, wenn sie nicht zu dominant sind. Damit kann man leben. Extra Werbepopups oder Layer, die sich über den Content legen sind da schon wieder genauso nervend wie die meisten TV-Spots. Also suchen Werbeagenturen, Marketingberater und die werbenden Firmen selbst nach neuen Möglichkeiten ihre Zielgruppen im Internet zu erreichen.
Es war nur eine Frage der Zeit, bis eine Firma sich traut eine Kampagne auf einer großen Social Network Platform wie Youtube oder Myspace zu fahren, die nicht sofort als Kampagne enttarnt wird. Diese Portale mit ihren Millionen von Nutzern, Videofilmen und Fotos drängen sich förmlich auf als die perfekte Bühne für Guerilla-Marketing-Aktionen und getarnte Werbebotschaften.
Und so überrascht es nicht, dass Lonelygirl15 auf Youtube alias Bree keine “echte” Person ist, sondern eine Schauspielerin (siehe dazu den Eintrag bei Robert Basic), die mehr oder weniger nach einem Drehbuch agierte um Aufmerksamkeit für ein Produkt zu erlangen. Viele User sind nun enttäuscht, weil sie in ihr so etwas wie eine Freundin oder ein Vorbild gesehen haben. Andere wiederum fanden die Aktion einfach nur megacool.
Ist diese Vorgehensweise der Firma dahinter verwerflich?
Nein. Denn eigentlich weiß doch jeder, auf was er sich einlässt im Internet. Das Netz ist nicht das wirkliche Leben. Es ist eine virtuelle Welt. Und in einer virtuellen Welt ist nicht alles echt. Das Internet ist ein Medium, wenn auch ein Medium in der Menschen interagieren.
In einer virtuellen Welt kann man sich nicht darauf verlassen, dass die Person, mit der man gerade chattet oder der man einen Kommentar ins Blog schreibt, tatsächlich auch im realen Leben genau so existiert, wie man sie sich vorstellt. Davon müssen wir uns endgültig verabschieden. Und vielen ist das auch schon lange klar.
Sind die, die sich jetzt über die Aktion von Lonelygirl15 aufregen naiv? Wohl weniger. Sie sind wohl eher ein wenig neidisch auf den Erfolg dieser Kampagne. Auf die enorme Aufmerksamkeit, die sie erzeugt hat. Es war eine verdammt gute und gelungene Kampagne. Gut organisiert, strategisch perfekt getimt und gekonnt umgesetzt.
Aber es war und ist ein Spiel mit dem Feuer. Solche Aktionen können ganz schnell nach hinten losgehen. Man weiß vorher nicht, wie die Community reagiert, wenn sie merkt oder erfährt, dass sie hier einer Fiktion aufgesessen ist. Das kann zu einem enormen Image-Schaden für den Werbenden führen. Schon allein aus diesem Grund brauchen wir wohl keine allzu große Angst haben, dass solche Aktionen überhand nehmen. Aber es wird sie immer wieder geben. In der virtuellen Welt. Im Medium Internet.
Gefunden via ConnectedMarketing.
Die ganze Story gibt es auf SpiegelOnline.






Eine Reaktion
15. September 2006, 11:09 Uhr
Neidisch, das triffts…Weil die Spon-Autoren solche Aufmerksamkeit auch gern mal hätten…;-)