Ich spreche zur Zeit mit etlichen interessanten Leuten über das Thema Crowdsourcing. Erst heute saß ich mit einem Agentur-Chef zusammen und erklärte ihm die Vorteile von Crowdsourcing-Aktionen.
Und die Frage war natürlich auch: Was hat ein potentieller Kunde davon? Was für konkrete Zahlen kann man ihm vermitteln? Was bringt das seinem Unternehmen?
Natürlich gehe ich bei solchen Fragen immer als erstes auf das Thema Mundpropaganda ein. Mit dem Start einer Crowdsourcing-Aktion startet bereits die Marketing-Kampagne für das Produkt, das Portal, den Werbeclip oder um was immer es geht. Der Crowdsourcing-Contest ist immer Bestandteil des Marketings!
Bei dem Gespräch wurde ich von ihm dann auf einen weiteren, wichtigen Aspekt gestoßen: Die Crowd, also die an einer solchen Aktion beteiligten User, bestehen aus zwei wichtigen Bereichen. Zum ist das natürlich eine Kreativ-Community, die für den entsprechenden Input an grafischen Ideen, Konzepten, Vorschlägen sorgt. Im Idealfall existiert eine solche Community bereits und kann immer wieder mobilisiert werden. So wie die VisualOrgasm-Community.
Und dann gibt es aber auch noch die User, die dann das Voting, also das Bewerten der eingesandten Arbeiten und Ideen übernehmen. Diese Voting-Community ist nicht unbedingt immer identisch mit der Kreativ-Community. Zur Voting-Community gehören auch viele User, die keinen kreativen Input liefern, die aber trotzdem eine Meinung haben und diese mittels Voting und Kommentaren kundtun. Und diese Community ist genauso wichtig wie die Kreativ-Community!
Als Beispiel nehmen wir einmal an, ein karitatives Unternehmen möchte eine neue Kampagne starten um Spender für ein Projekt im Sudan zu gewinnen. Mittels Crowdsourcing werden Ideen, Scribbles, Designvorschläge gesammelt. Dem Gewinner winkt am Ende vielleicht eine finanzielle Aufwandsentschädigung plus ein einwöchiger Besuch des Projektes im Sudan. Alles reine Fiktion übrigens!
Dieser karitative Träger hat viele ehrenamtliche Mitarbeiter, die alle über ein Intranet miteinander vernetzt sind. Über dieses Intranet können diese Mitarbeiter ganz wunderbar in die Crowdsourcing-Aktion integriert werden: als Bestandteil der Voting-Community. Und damit ganz automatisch auch als Multiplikatoren. Es wird also nicht nur eine gute Kampagne gesucht und (hoffentlich) gefunden. Sondern die eigenen Mitarbeiter werden voll involviert. Das trägt deutlich zur Mitarbeiter-Motivation bei. All die ehrenamtlichen Helfer werden stärker als bisher in Image- und Marketing-Kampagnen integriert und können so noch viel direkter Einfluss nehmen auf das künftige Auftreten und Erscheinungsbild des Unternehmens. Das funktioniert natürlich für jede Firma. Wenn es kein Intranet gibt, geht die Integration der eigenen Mitarbeiter auch über den hausinternen Newsletter oder gar über ein simples Rundschreiben.
Und so lassen sich dann auch Zahlen generieren, die für das Unternehmen, dass eine Crowsourcing-Aktion in Auftrag gibt, Sinn machen. Die User, die die Voting-Community ausmachen, können gezählt werden und liefern so Zahlen, mit denen man die Reichweite der Aktion gut belegen kann.
Man erreicht also:
1. eine gute Idee für eine Kampagne, ein Design, ein Storyboard oder ähnliches
2. es startet bereits eine positiv ausgerichtete Marketing-Kampagne
und man kann
3. die eigenen Mitarbeiter positiv involvieren, indem man sie zum Bestandteil der Voting-Community macht, was zur Mitarbeiter-Motivation beiträgt
4. man bekommt Zahlen (Kreativ-Community + Voting-Community), die man als Abrechnungsgrundlage und erste Erfolgsmessung verwenden kann.
Nachtrag: Martin Oetting hat mich per Email gerade ganz richtig auf die 1%-Regel hingewiesen, die Sascha Langner zum Beispiel gerade erst recht anschaulich in seinem aktuellen Newsletterbeitrag “Marketing 2.0 – Strategien und Taktiken für eine sozial vernetzte Welt” erläutert hat.
Dazu muss ich allerdings anmerken, dass bei allen Contests, die wir auf VisualOrgasm veranstaltet haben, diese 1%-Regel in keinster Weise zutrifft. Bei ca. 1.200 registrierten Usern hätten demnach nur 12 Leute Design einsenden dürfen. Beim Cajong-Shirt-Contest waren es aber über 100, also knapp 10% und beim aktuellen Babybody-Contest waren es 16 verschiedene Designer. Das kommt den 1% schon näher. Aber unsere Kreativ-Community ist da deutlich teilnahmefreudiger als herkömmliche Communities!






2 Reaktionen
20. September 2006, 08:49 Uhr
Crowdsourcing: 1% Regel versus 10%-Communities…
Open Source Marketing hat zum Ziel, möglichst viele Leute in das eigene Marketing aktiv zu involvieren, um ihre Identifikation mit der Marke zu steigern und damit u. a. auch positive Mundpropaganda anzuregen. Dazu passt das Schlagwort Crowdsourcing re…
22. September 2006, 10:48 Uhr
[...] Mehr zu dem Thema habe ich bereits hier und hier geschrieben. Tags:Crowdsourcing, VisualOrgasm Web 2.0 [...]